‚Wir sind Helden‘: der billige Anti-Bild-Reflex

Die Website der Band “Wir sind Helden” war am Freitag morgen zeitweise nicht erreichbar. Grund war ein Ansturm an Nutzern, die vor allem von Twitter auf die Seite geleitet wurden. Warum die plötzliche Popularität im Web? Sängerin Judith Holofernes hat eine Anfrage der Agentur Jung von Matt abgelehnt, bei der Bild-Werbekampagne mitzumachen und Bild dabei ordentlich abgewatscht. Die billige Eigen-PR der Band bedient gekonnt die Anti-Bild-Reflexe der Web-Gemeinde.

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Die Website der Band “Wir sind Helden” war am Freitag morgen zeitweise nicht erreichbar. Grund war ein Ansturm an Nutzern, die vor allem von Twitter auf die Seite geleitet wurden. Warum die plötzliche Popularität im Web? Sängerin Judith Holofernes hat eine Anfrage der Agentur Jung von Matt abgelehnt, bei der Bild-Werbekampagne mitzumachen und Bild dabei ordentlich abgewatscht. Die billige Eigen-PR der Band bedient gekonnt die Anti-Bild-Reflexe der Web-Gemeinde.

Bei den Trending Topics, den dominierenden Twitter-Themen für Deutschland, stand “Wir sind Helden”, der Name der Sängerin Judith Holofernes und “Bild” zeitweise ganz oben. Die Stellungnahme “Ich glaub, es hackt” von Frau Holofernes wurde zigfach via Twitter weitergeleitet und sorgte dafür, dass die Website der Band zeitweise unter dem Nutzeransturm zusammenbrach und nicht erreichbar war. Dankenswerterweise hat auch das Bildblog die Korrespondenz zwischen der Agentur Jung von Matt und “Wir sind Helden” schnell öffentlich gemacht. Natürlich “mit freundlicher Genehmigung”.

Es ist bezeichnend, dass “Wir sind Helden” einen solchen Popularitätsschub mit einer eher oberflächlichen und wirren Bild-Schelte erreicht und nicht mit ihrer Musik. Das jüngst erschienene Best-of-Album “Tausend wirre Worte” schaffte es nicht mehr in die Top-Ten der Album Charts und rangiert auch bei Download-Plattformen wie iTunes weit hinten.

Bei der Bild-Kampagne, für die die Popband aus Berlin angefragt wurde, geht es darum, dass Prominente mit Foto “Ihre Meinung zu Bild” abgeben. Dabei steht es den Promis frei, was sie sagen, es darf auch kritisch sein, und das Honorar von 10.000 Euro wird an einen guten Zweck gespendet, den der Promi auswählt. Mitgemacht haben u.a. Leute wie Til Schweiger, der Rapper Sido, Udo Lindenberg, Richard von Weizsäcker, der Künstler Jonathan Meese, Gregor Gysi und zahlreiche andere. Soweit alles ganz harmlos, könnte man denken.

Nicht so Judith Holofernes von “Wir sind Helden”. Sie fühlt sich offenbar persönlich angegriffen von der durchaus höflich formulierten Anfrage von Jung von Matt, macht das Schreiben auf der Homepage ihrer Band öffentlich und auch gleich die gepfefferte Antwort dazu. Zitat: “Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit so genannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von so genannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.”

Die “Rezipienten” der Kampagne und der Bild werden im weiteren Verlauf von Frau Holofernes dann noch nebenbei als “saudumm” abqualifiziert. Die Sängerin brüstet sich damit, die doppelbödige Perfidie der Bild-Kampagne durchschaut zu haben. Die “so genannten” Promis, die darauf reinfallen, machen sich ja trotzdem mit der Bild gemein (Oho!) und weil sie, was sie nicht zu erwähnen vergisst, studiert hat, weiß Judith Holofernes natürlich, dass das “Medium die Botschaft” ist und es kein “Gutes im Schlechten” gebe. Sie meint wahrscheinlich “kein Richtiges im Falschen” – aber egal.

Dann schreibt sie noch: “Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.” Huiuiui, da dreht sie aber auf. Dass die Bild bisweilen eine”Agenda” hat, ist nicht zu übersehen. Das haben viele andere Medien aber auch.  Aber dass die Bild “Deutschland macht”, ist freilich ein bisserl übertrieben. Immerhin konnte die Bild trotz aller Anstrengungen auch Edmund Stoiber nicht zum Kanzler schreiben. Was Frau Holofernes da äußert, ist so ein bisschen die Lieschen-Müller-Point-of-View Bild-Kritik aus einem sozialwissenschaftlichen Proseminar. Ein bisschen links, ein bisschen naiv, aber gepfeffert mit ganz, ganz viel Emotion.

Die Band “Wir sind Helden” und ihre Sängerin können die Anfrage zur Kampagne ja ablehnen, das ist ihr gutes Recht. Ihr gutes Recht ist es auch, die Bild doof zu finden. Aber es wirkt dann doch PR-mäßig und auch stillos, die Agentur-Anfrage gleich auf der eigenen Website öffentlich zu machen und sich mit einer reflexartigen Bild-Schelte in etwas weniger als 1.000 wirren Worten den Applaus der Netzgemeinde abzuholen.

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