Mitarbeiter wollen Südkurier übernehmen

Waghalsiges Geschäft: Weil die Mitarbeiter des Südkuriers eine Übernahme fürchten, denken sie darüber nach, das Blatt aus Konstanz selbst zu kaufen, berichtet die taz. Das Mutter-Unternehmen, der Holtzbrinck-Verlag, hatte schon lange angekündigt, seine Regionalzeitungen loswerden zu wollen. Erste Gespräche mit Beratungsgesellschaften wurden bereits aufgenommen. "Die Idee war ganz einfach: Kaufen wir den Südkurier selber, bevor es jemand anders macht", sagt Wirtschaftsressortleiter Peter Ludäscher.

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Ludäscher führte im Auftrag der Belegschaft bereits erste Sondierungsgespräche mit Banken. Die hätten ihm Mut gemacht und gesagt, dass das, was als vermeintlich utopische Idee in Betriebsratskreisen entstand, durchaus möglich sei, heißt es in der taz.

Die Mitarbeiter des Südkuriers stehen geschlossen hinter dem Projekt. Bei einer Betriebsversammlung vor zwei Wochen habe sogar Geschäftsführer Rainer Wiesner damit sympathisiert. "Wiesner hat sogar erklärt, er wolle sich persönlich engagieren", sagt Ludäscher. Auch die Einführung eines Genossenschaftsmodells wie bei der taz, über das sich die Leser an dem Blatt beteiligen können, sei denkbar.

Sollte die Belegschaft den Südkurier tatsächlich übernehmen können, wären mögliche Übernahmeangriffe abgewehrt. Und das ist das wichtigste Ziel von Ludäscher und seinen Kollegen: Denn wenn Nachbarn wie die Schwäbische Zeitung "uns kaufen, müssten wir damit rechnen, dass die Mantelredaktion für die überregionalen Seiten und die Lokalredaktionen in angrenzenden Gebieten unter Beschuss kommen".

Die Übernahme wird aber nicht ganz billig. Rund 80 Millionen Euro, vielleicht auch etwas mehr, könnte der Kauf laut taz kosten. Doch die Anstrengungen dürften sich für die Mitarbeiter lohnen, denn Holtzbrinck kündigte zum 1. Januar 2011 die Tarifbindung für den Südkurier auf. Bis zum Ende des Jahres sollen 900.000 Euro eingespart werden, verlangt das Mutter-Unternehmen.

Der Südkurier hat zurzeit eine Auflage von 131.088 Exemplaren. Im Fünf-Jahres-Trend bedeutet das ein Minus von sieben Prozent. Allein der Einzelverkauf ging um ein Fünftel zurück. In den vergangenen zwölf Monaten sank der Gesamtverkauf hingegen nur um ein Prozent.

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