Guttenberg: die wilden Ghostwriter-Theorien

Erst erklärte Karl-Theodor zu Guttenberg, seine Dissertation sei kein Plagiat. Dann gestand er “ernsthafte Fehler” ein. Gestern musste er sich vor dem Bundestag verantworten. Doch die Plagiatsaffäre will einfach nicht abreißen. Im Web wird munter diskutiert und spekuliert, ob der Minister nicht doch einen Ghostwriter engagiert hat. Dabei scheiden sich die Geister, ob die Universität Bayreuth Fehler zu verantworten hat oder ob sogar seine Gattin Stephanie der mysteriöse Ghostwriter ist.

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Hadmut Danisch vom Forschungsmafia-Blog spekuliert auf ein mögliches Vergehen der Universität Bayreuth. Zu diesem Schluss kommt er, weil Guttenberg gleichzeitig als Student der juristischen Fakultät und Stifter eines Lehrstuhls der Fakultät auftrat und seine Bestnote schon mit der Prüfung in 2007 bekam, obwohl die Dissertation erst 2009 veröffentlicht wurde. Danisch erklärt, dass die Note üblicherweise mit der Veröffentlichung einhergeht. Und nicht schon direkt mit Beendigung der Prüfung. Danisch vermutet ein Entgegenkommen der Fakultät, weil die Familie zu Guttenberg als Stifter für die Universität auftritt. Für Guttenberg habe die Mehrfachbelastung durch die Arbeit im Bundestag und das Nebenher-Promovieren dazu geführt, dass vor Ablauf der Zwei-Jahres-Frist “geschlampt” wurde. “So eine Blanko-Bewertung würde auch erklären, wie man für so ein Patchwork-Geklebe ein „summa cum laude” bekommen konnte. Weil die Prüfer die Arbeit (wie so häufig) gar nicht erst gelesen, sondern die Note ausgehandelt haben? So für gute Freunde und Sponsoren der Fakultät?”, meint Danisch.

Einer anderen Theorie geht der Diplom-Physiker Hans Carlos Hoffmann in seinem Blog nach. Er liefert Gründe, warum eine Beteiligung von Guttenberg-Gattin Stephanie nicht unwahrscheinlich sei: “Diskutiert werden Persönlichkeiten aus seinem politischen Umfeld wie Dr. Hartmut Philippe und Philipp Freiherr von Brandenstein die politikwissenschaftliche Kenntnisse mitgebracht hätten. Da diese aber wissenschaftliches Arbeiten kennen, sollten diese auch nicht wirklich in Frage kommen. (…) Es gibt aber auch eine andere, im wahrsten Sinne des Wortes, noch naheliegendere Option. Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg. Sie wuchs zweisprachig (deutsch, schwedisch) auf spricht 3 weitere Sprachen (Englisch, Französisch und Italienisch) fließend. Die Kompetenz für die als gut klassifizierten Plagiate durch Übersetzung ist somit vorhanden. Als Textilbetriebswirtin dürfte Sie aber nicht das Wissen haben, das man braucht, um so eine Arbeit zu verfassen. Würde Sie sich für Recherchen in der Bibliothek sehen lassen, hätte sich mit Sicherheit jemand später daran erinnert. Über einen Zugang zur universitären Bibliothek hat sich vermutlich auch nicht verfügt. Zudem hat Sie in der Zeit zwei Töchter im Vorschulalter, was liegt also näher, sich Google von zu Hause aus zunutze zu machen?”

Peter von Becker vom Tagesspiegel geht davon aus, dass die vielen Plagiatsfälle zustande kamen, weil die Arbeit ein Flickenteppich aus Arbeiten von Aushilfskräften sein könnte: "Die Menge und Art der ‚Fehler‘, die kleinen, doch offenbar bewussten Veränderungen von Details in den nicht ausgewiesenen Fremdtexten und die stilistischen Brüche des Ganzen wären eher zu erklären: Wenn hier beispielsweise Teile von Reden und Vorträgen, die Assistenten, Referenten und Aushilfskräfte des viel beschäftigten Politikers verfasst oder der Einfachheit halber aus Fremdtexten zusammengeklaubt haben, Eingang in die Dissertation gefunden hätten. Dies könnte manches bisher Unerklärliches erklären oder damit verständlicher machen, dass ein umtriebiger Turbopolitiker auf dem akademischen Nebenschauplatz womöglich die Übersicht über ’sein‘ Material verloren hat – und dies zugleich in einer Mischung aus Ignoranz der Macht und betäubender, ehrgeiziger Selbstüberforderung verdrängt.
In diesem Fall – und den Verdacht muss der Nochminister und Nochdoktor nicht nur gegenüber der Universität Bayreuth jetzt ausräumen –, könnte Guttenberg mögliche Fehler freilich nicht, wie bisher üblich, an seine Mitarbeiter delegieren. Weil es diese gar nicht gegeben haben darf. So sieht es aus, als säße Deutschlands bis eben beliebtester Politiker in einer selbst gebauten Falle."

Die wohl ungewöhnlichste, wenn auch unterhaltsamste, Theorie liefert neunews: “Aus zuverlässiger Quelle im persönlichen Umfeld des Ministers verlautete, die Familie habe beschlossen, im Interesse des Freiherrn im äußersten Notfall einzuräumen, dass die Doktorarbeit von Karl-Gustav Wilhelm Enno von und zu Guttenberg verfasst wurde. Karl-Gustav Wilhelm Enno von und zu Guttenberg verstarb zwar bereits im Jahre 1412, geistert aber immer noch jede Nacht durch Schloss Guttenberg. Gegen den hartnäckigen Widerstand des Ministers habe das Schlossgespenst die Doktorarbeit verfasst und persönlich, ohne Wissen des Ministers, bei der Universität Bayreuth eingereicht.”

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