Die Pro-Guttenberg-Welle bei Facebook

Im Netz gewinnt jetzt die Pro-Guttenberg-Welle an Fahrt: Bis zum Wochenende dominierte in Sachen Verteidigungsminister, Plagiatalarm und Internet nur das Guttenplag-Wiki die Berichterstattung. Das ganze Web, so schien es, war mit der Suche nach fehlenden Fußnoten in der Doktorarbeit beschäftigt. Doch inzwischen formiert sich online eine kräftige Gegenstimme. Via Facebook sammelte ein Medienunternehmer schon über hunderttausend Unterstützer auf der Site "Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg".

Anzeige

Bis Montagmorgen hatten bereits 112.000 Nutzer den "Gefällt mir"-Button auf der Pro-Minister-Fanpage geklickt. Die Site hatte Unternehmer Tobias Huch erst am Freitag der Vorwoche gelauncht. Damit gelang Huch eine der wenigen politischen Web 2.0-Aktionen, bei denen eine eher konservative Sympathisanten-Masse mobilisiert wurde. Auf den meisten Social-Media-Plattformen konnte bislang der überwiegende Teil der bestimmenden Meinungsbeiträge eher nicht dem konservativen Lager zugerechnet werden. Doch Huch gelang offenbar das Kunststück bei Facebook, den Guttenberg-Sympathisanten ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihre Unterstützung für den Minister und ihrer Empörung über den medialen Umgang mit dem CSU-Politiker artikulieren können.

Eine Diskussion findet auf der ProGuttenberg-Seite kaum statt. Vielmehr nutzen die User die Pinnwand, um ihrer Wut Luft zu machen. In den Kommentaren äußern sie ihre Enttäuschung den Umgang der Medien mit dem Verteidigungsminister: “Einfach nur durchhalten !!! Wir Soldaten stehen hinter ihrem Minister !!! egal was unsere sogenannten Experten noch finden”, schreibt ein User. Ein Anderer: “Es kann ja wohl nicht sein, dass ein Haufen von Neidern, politischen Agitatoren und sonstigen juristischen Laien sich in einer Wikipedia zusammentut und man aus deren "Erkenntnissen" einen Rücktrittsforwurf bastelt.” “Die ganze Diskussion um diesen, wahrhaftig albernen Plagiatsvorwurf finde ich echt zum kot…! Wieso wird hier mit aller Macht seitens der Medien versucht einen hochqualifizierten Politiker zu demontieren?”, meint ein Dritter.

Während die Unterstützterseite bei Facebook immer mehr Sympathisanten anzog, arbeitet das Guttenplag-Wiki weiter. Der Screenshot zeigt eine Visualisierung der bislang fehlenden Fußnoten 

Dass ein Politiker, zumal noch unter Plagiatsverdacht, ein solch große Zahl an Usern auf sich vereinigen kann und woher sich so rasend schnell so viele Menschen rekrutieren, verwundert dann doch. Immerhin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel innerhalb von rund zwei Jahren „nur“ knapp über 71.000 Fans versammeln können. So stellt sich die Frage, ob zu Guttenberg vielmehr zum Phänomen wird, zum Beweis dafür, dass Menschen die schnelle Vorverurteilung eines beliebten Politikers missfällt. Und dass sie mit einem Klick auf den “Gefällt mir”-Button ein Statement gegen diesen Trend abgeben. Und nicht unbedingt für die Person zu Guttenberg.

Huchs-Aktion verdeutlicht damit die mögliche Schere zwischen der Wahrnehmung vieler Medienvertreter und weiten Teilen der Bevölkerung. Das scheinen zumindest die Zahlen einer aktuellen Focus-Umfrage nahe zulegen. Demnach sind zwei Drittel der Bundesbürger (68 Prozent) sind der Ansicht, dass der CSU-Minister im Amt bleiben soll, obwohl er offensichtlich einige Passagen seiner Doktorarbeit nicht als Zitat gekennzeichnet hat. 27 Prozent sprachen sich in der Emnid-Umfrage für einen Rücktritt aus.

Der Mainzer startete die Unterstützer-Seite am vergangenen Freitag. Gegenüber Spiegel Online sagte er, dass er mit 20.000 Nutzer gerechnet hätte, nicht "aber mit 50.000 binnen drei Tagen". Für ihn ist das Facebook-Projekt längst "eine Art Demonstration".

Huch ist im Web kein Unbekannter. Der 29-Jährige Mainzer ist an verschiedenen Firmen aus der Web- und Medienbranche beteiligt. Bekantestes Investment ist wohl immer noch sein Engagenemt beim Altersverifikationssystems Ueber18.de. Zudem deckte er gemeinsam mit dem Spiegel einen Datenskandal bei T-Mobile auf.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige