„Die passen am besten zur Bundeswehr“

Rekrutenmangel: Die Bundeswehr befürchtet, dass sie nach Aussetzung der Wehrpflicht keinen Nachwuchs mehr bekommt. Das von Karl-Theodor zu Guttenberg geführte Ministerium der Verteidigung plant nun eine große Werbekampagne - Print-Anzeigen werden aber ausschließlich in Springer-Blättern geschaltet. Und zwar in denjenigen, die durch ihre Pro-Guttenberg-Berichterstattung aufgefallen sind: Bild und Bild am Sonntag. Ein Bundeswehr-Sprecher rechtfertigt das gegenüber MEEDIA.

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Den Angaben des Ministeriums zufolge soll die Kampagne im März beginnen und neben der gedruckten auch in der Online-Ausgabe von Bild laufen. Zu den Kosten machte das Ministerium laut Financial Times Deutschland noch keine Angaben.
In der Blogosphäre, die auch das Geschehen um Guttenberg und seinen Doktor-Titel intensiv begleitet hat, machen sich bereits erste kritische Töne bemerkbar. Der Politik-Blogger Jens Berger schreibt: "Wenn man diese Meldung mit der tapferen Pro-Guttenberg-Berichterstattung der Bild-Zeitung in Verbindung setzt, ist dies ein handfester Skandal, der eine parlamentarische Untersuchung erfordert."

Berger legt den Verdacht nahe, zu Guttenberg könne sich auf diese Art bei der Bild-Zeitung "für deren treue Unterstützung seiner Person bedanken". Tatsächlich stellt sich die Frage, warum die Bundeswehr ihre Kampagne nicht in anderen Medien schaltet, die ebenfalls von der Zielgruppe gelesen werden. Ein Sprecher des Bundesministeriums der Verteidigung sagte auf MEEDIA-Anfrage, dass die Entscheidung zugunsten der Springer-Blätter ausgefallen sei, weil sie von der Reichweite und der Zielgruppe "am besten zur Bundeswehr passen" würden.

Die Werbekampagne erstrecke sich aber auf unterschiedliche Medien. Ab März laufen demnach Werbespots im Radio und im Fernsehen, erklärte der Sprecher. Die Anzeigen in Bild und Bild am Sonntag sollten in einer vierwöchigen, "überregionalen" Phase im April geschaltet werden. Danach solle die Kampagne regionalisiert werden und es könnten Anzeigen in Lokalzeitungen folgen. Aber ob weitere Werbebuchungen in Printtiteln geschaltet würden, sei noch unklar.

Ein Sprecher von Axel Springer erklärte gegenüber MEEDIA, die Unterstellung eines Zusammenhangs zwischen Anzeigenschaltung und Berichterstattung sei "absurd und lächerlich". So habe die Redaktion überhaupt erst durch die Veröffentlichung in der Financial Times Deutschland von der Bundeswehr-Kampagne in den Bild-Titeln erfahren. "Redaktion und Anzeigenabteilung", so der Sprecher, "abeiten strikt getrennt."

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