Anzeige

Bild Dir Dein Votum: Jein zu Guttenberg!

87 Prozent der Bevölkerung wollen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg weiter Verteidigungsminister bleibt. Mit diesem Ergebnis macht die Bild-Zeitung heute auf und verwies auf eine Aktion, bei der sich mehr als 200.000 Leser via Telefon und Fax für den Minister ausgesprochen hätten. Komisch allerdings: Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt die Umfrage unter Bild.de-Usern. Dort fordern 56 Prozent, dass er zurücktritt. Nur 35 Prozent finden, er sollte im Amt bleiben. Das Online-Voting ist mittlerweile gut versteckt.

Anzeige

Die Online-Umfrage läuft schon seit mehreren Tagen. Der Zeitung, die mit Aufmachern wie “Wir finden die Gutt – Nörgler, Neider, Niederschreiber: Einfach mal die Klappe halten” dem Verteidigungsminister seit Wochen den Rücken stärkt, dürfte das Ergebnis der Umfrage nicht wirklich in die Berichterstattung gepasst haben. Den Eindruck erweckt sie zumindest, wenn die Masse an Bild.de-Usern, die sich gegen Guttenberg ausgesprochen hat, heute die Zeitung aufgeschlagen hat. So titelte das Blatt mit dem Ergebnis einer Leseraktion, bei der man eine Hotline anrufen und Faxe an die Bild schicken konnte. Das Ergebnis: 227.175 Leser sprachen Guttenberg ihre Sympathien aus.  

"Diese Umfrage ist aktueller", erklärt ein Sprecher der Axel Springer AG auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung. Außerdem sei ein Online-Voting auch einfacher zu manipulieren. Dabei stellt sich allerdings die Frage: Warum legt man dann ein Online-Voting an, an dem über 600.000 User teilnehmen? Und warum diskreditiert man es als unsicher? Mittlerweile ist das Voting, das ursprünglich noch bis zum 1. Mai laufen sollte, kaum noch im Online-Angebot der Bild zu finden. Gleichzeitig verwundert es nicht, dass bei Guttenberg-Fans der Impuls größer ist, für ein Statement Geld zu bezahlen (14 Cent pro Anruf), als die, die sich gegen den Verteidigungsminister aussprechen. Nicht umsonst ruft jede Voting-Sendung dazu auf, für einen Kandidaten anzurufen, als dafür, den Kandidaten aus einer Sendung zu wählen, den man nicht mehr sehen will.

Das eigentliche Online-Voting, an dem mittlerweile fast 656.000 User (Stand: Do., 18 Uhr) haben, ist kaum noch aufzufinden in den Guttenberg-Artikeln. Dafür wird prominent auf der Hauptseite über das Telefonumfrage-Ergebnis hingewiesen.

Die SZ verweist außerdem auf einen Eintrag des Politblogs Spiegelflechter, der Verbindungen zwischen Tobias Huch und der Bild konkretisiert. So nenne die Bild Huch einen “Internet-Guru” und verlinke auf seine Webseite, Huch wiederum stetig auf die Bild-Zeitung. Huch ist Begründer der Pro-Guttenberg-Fanpage auf Facebook, die binnen weniger Tage weit über 200.000 Fans akquirierte.

Offenbar als Reaktion darauf, dass Spiegel Online mit den Verwirrungen um die beiden Votings unter dem Titel "Bild.de-Leser revoltieren gegen Guttenberg" aufmachte, reagierte Bild.de mit einem Artikel "Pro und Contra Guttenberg", in dem Meinungsforscher versuchen, die Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Umfrageergebnissen zu erklären. Der Tenor: Online-Umfragen lassen sich leichter manipulieren.

Die Frage, die sich nun abseits der Bild-Votings stellt: Wie viel Rückhalt hat Karl-Theodor zu Guttenberg nun in der Bevölkerung? Denn obwohl die doppelte Bild-Umfrage verwundert, kam eine Umfrage von infratest/dimap im Auftrag der ARD-Sendung “Hart aber fair” zu einem ähnlichen Ergebnis: Sie ergab, dass der Verteidigungsminister offenbar beliebter als vor der Plagiatsaffäre ist. 72 Prozent der Deutschen wünschten sich demnach, dass er im Amt bleibt. Nur 24 Prozent fanden hingegen, es reiche nicht, lediglich den Doktortitel zurückzugeben, und Guttenberg sollte daher zurücktreten.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige