Döpfners bittere Entschuldigung an den Iran

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner musste sich beim Iran schriftlich entschuldigen, dass die beiden Reporter der Bild am Sonntag ohne Journalisten-Visum eingereist waren. Dies war eine Bedingung des Iran für die Freilassung der beiden Reporter. Döpfner hatte keine Wahl. Das Leben der Mitarbeiter musste an erster Stelle stehen. Das Drama um die inhaftierten BamS-Reporter kam so zu einem guten Ende, hatte aber einen bitteren Beigeschmack.

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Der Iran nutzte die Situation der beiden BamS-Reporter geschickt für eigene Zwecke aus. Die drei Forderungen für eine Freilassung waren: Außenminister Guido Westerwelle sollte persönlich ins Land kommen, pro Reporter sollten 36.500 Euro Geldstrafe gezahlt werden und die Axel Springer AG sollte sich öffentlich entschuldigen.

Die perfiden Forderungen wurden erfüllt. Nun hat Irans umstrittener Präsident Mahmud Ahmadinedschad Bilder, auf denen Deutschlands Außenminister ihm die Hand schüttelt und sich bedankt. Und er hat einen Entschuldigungsbrief des Vorstandschefs eines großen westlichen Medienkonzerns. Ausgerechnet jenes Medienkonzerns, der eine besondere Verbundenheit zu Israel in seinen Unternehmensgrundsätzen festgeschrieben hat.

Die Süddeutsche Zeitung zitiert aus dem Brief Döpfners folgendermaßen: "Eure Eminenz, im Namen der Axel Springer AG möchte ich mich für Ihre Hilfe bei der Lösung des Falles unserer beiden Angestellten Marcus Hellwig und Jens Koch bedanken. Wir bedauern es zutiefst, dass Herr Hellwig und Herr Koch ohne die korrekten Visa in die Islamische Republik Iran eingereist sind und ihre journalistische Arbeit dort ohne die notwendige Akkreditierung aufgenommen haben. Unser Aufsichtsratsvorsitzender Giuseppe Vita hat den Fall in seinem Brief vom 26. November 2010 bereits kommentiert."

Man kann sich vorstellen, dass es Döpfner Überwindung gekostet hat, diese Zeilen zu Papier zu bringen. Als letzte Form der Gesichtswahrung verzichtete man auf eine Veröffentlichung des Schreibens. Westerwelle überbrachte den Brief, der an den Chef der iranischen Justiz, Ayatollah Sadegh Laridschani, gerichtet war.

Nach der glücklichen Freilassung der beiden Reporter Marcus Hellwig und Jens Koch nach vier Monaten Unsicherheit stellt u.a. die Frankfurter Rundschau nun Fragen nach der Verantwortung des Arbeitgebers der beiden, also der Bild am Sonntag. In den Raum gestellt wird die These, es sei unverantwortlich gewesen, zwei Reporter nur mit einem Touristenvisum in ein so gefährliches Land wie den Iran einreisen zu lassen.

Wahrscheinlich werden Auslands-Reisen von Reportern in Krisengebiete und gefährliche Regionen nach dem Vorfall im Iran bei Springer und anderswo nun noch strenger als bisher vorab reglementiert und geprüft. Ein solcher Einsatz wie der der beiden BamS-Reporter kann aber letzten Endes immer nur freiwillig sein. Eine endgültige Aufklärung des Falles steht noch aus, aber nach allem was man weiß, hat sich Springer sehr für die wohlbehaltene Rückkehr seiner Leute eingesetzt.

Der Verlag befand sich in einem Dilemma, in dem es galt, eigene Prinzipien gehen Leben und Gesundheit zweier Mitarbeiter abzuwägen. Man hat sich bei Springer für die eigenen Leute und gegen die eigenen Prinzipien entschieden. Bedeutet das, dass Springer seine Unternehmensleitlinien verraten hat? Natürlich nicht. Die Entschuldigung und der Kotau sowohl von Springer und vom Außenminister wurden vom Iran kaltblütig erpresst. Die Methoden des iranischen Staates erinnern an die von Terroristen, die vor Kameras Geständnisse aus Geiseln herauspressen, die mit dem Tode bedroht werden. Solche Geständnisse und Entschuldigungen sind nichts wert. Sie entehren diejenigen, die sie erpressen, nicht diejenigen, die sie geben.

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