Wettbewerb sucht den besten ersten Satz

Journalistenpreise gibt es wie Sand am Meer, doch das hier ist wirklich originell: Zwei ehemalige Henri-Nannen-Schüler haben den "Arrabbiata-Preis" ins Leben gerufen. Er soll den besten ersten Satz eines Textes würdigen, zunächst aber nur von Journalistenschülern. Die Jury bilden Sprachtalente wie Cordt Schnibben, Wolf Schneider, Hermann Unterstöger und Harald Martenstein sowie: Tom Kummer. Zu gewinnen gibt es Pasta und eine Crème brûlée - in Hamburg und Paris.

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Hinter dem Preis stehen Jonathan Stock (28) und Takis Würger (25), beide Absolventen des 32. Jahrgangs der Henri-Nannen-Schule. Stock arbeitet heute für Geo Epoche, Würger für den Spiegel. "Es gibt zwar eine Million Preise, aber viel zu wenig echte für den Nachwuchs", sagte Stock zu MEEDIA – und erklärte: Die Idee, einen Preis für den ersten Satz einer journalistischen Geschichte ins Leben zu rufen, der die Leser in die eigentliche Geschichte ziehe, sei zu Weihnachten entstanden. "Takis hat mir einen Band mit Reportagen aus den vergangenen Jahrzehnten geschenkt, den ich da allerdings schon selbst hatte. Also fragten wir uns, warum wir nicht einen Preis ins Leben rufen, für den es dieses Buch gibt."
Ihr Preis richtet sich zunächst allein an Journalistenschüler. Die können noch bis zum 31. März einen ersten Satz aus der eigenen Feder per E-Mail an bewerbung@arrabbiata-preis.de einreichen, samt ganzer Story. "Wir wollen in einem kleinen Kreis starten. Über andere, wie Volontäre, müssen wir dann aber nachdenken", sagte Stock. "Gut möglich, dass wir den Preis später öffnen und der Nachwuchs dann auch nur noch eine von vielen Kategorien sein wird." Die Ausschreibung läuft bisher lediglich per E-Mail und über eine Seite auf Facebook.
Teil der Jury sind zum Start der Reportage-Chef des Spiegel, Cordt Schnibben, Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, Sprachpabst Wolf Schneider, taz-Frau Bettina Gaus, der Chef der Henri-Nannen-Schule, Andreas Wolfers, die Journalisten des Jahres 2010, Carolin Emcke, SZ-Sprachkünstler Hermann Unterstöger und Zeit-Magazin-Kolumnist Harald Martenstein sowie Tom Kummer, der einst mit Fiktivem im SZ-Magazin berühmt wurde, und "der Chefredakteur einer süddeutschen Tageszeitung, der nicht genannt werden will", wie es in der Ausschreibung heißt.
Entlohnt werden soll der Preisträger nun nicht mit einem Buch oder mit Barem, sondern vor allem mit "drei Teller Penne all’arrabbiata" mit der Jury in Hamburg sowie – als Dessert – mit einer Crème brûlée mit dem Kisch-Preisträger und Reise- wie Romanautor Andreas Altmann ("Unterwegs in Afrika") in Paris. Eingereicht werden dürfen laut Preisgründer Stock auch Texte, die noch nicht erschienen sind: "Wir wissen, dass viele gute Ideen auch in Probereportagen entstehen."
Über seinen persönlichen Lieblingseinstieg ist Preisgründer Stock übrigens in Walter Moers "Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär" gestolpert, wie er selbst sagt. Der Roman startet mit dem Satz: "Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt – meins nicht." Dicht ran an diesen Einstieg komme etwa Holger Gertz, der vor der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr seine Leser einer Seite Drei der Süddeutschen Zeitung mit dem Satz begrüßte: "Es ist nicht leicht, Miroslav Klose zu verstehen, er spricht so leise, dass man ihn sich gerne ans Ohr halten würde."

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