Spiegel löst die Print-Doppelspitze auf

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat ab sofort nur noch einen Chefredakteur, und der heißt Georg Mascolo. Der Verlag gibt die Doppelspitze, bestehend aus Mascolo und dem früheren Spiegel-Online-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron auf. Künftig ist Mascolo alleiniger Chefredakteur des Print-Spiegel, Blumencron wird übergeordneter Digital-Chef und soll die Aktivitäten der Spiegel-Gruppe im Feld der Neuen Medien voranbringen. Damit endet die Ära der Print-Doppelspitze nach knapp drei Jahren.

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Die Nachricht von der Brandstwiete ist ein personeller Paukenschlag aber für Mitarbeiter des Hauses keine wirkliche Überraschung. Wie MEEDIA erfuhr, wurde die Redaktion am Montag um zwölf Uhr bei der Konferenz zum Wochenstart über die neue Aufgabenverteilung unterrichtet. Schon länger war allerdings in der Redaktion aufmerksam registriert worden, dass es in erster Linie Mascolo ist, der den Spiegel als “Außenminister” vertritt. Bei öffentlichen Auftritten oder Talkshows war es stets der frühere Washington-Korrespondent und Hauptstadt-Büroleiter, der dem Spiegel Gesicht und Stimme gab.

Einige interpretierten dies als freiwillige Arbeitsteilung des Chef-Duos Mascolo/Blumencron, andere witterten einen Machtkampf hinter den Kulissen. Mathias Müller von Blumencron hat Spiegel Online als Chefredakteur zur erfolgreichen Internet-Marke und zum Marktführer aufgebaut – jetzt kümmert er sich wieder ums Digitale. Operativer Chefredakteur von Spiegel Online bleibt freilich Rüdiger Ditz, der weiter das redaktionelle Tagesgeschäft leitet. Blumencrons Aufgabe wird es sein, den Spiegel Verlag strategisch besser für eine weitere digitale Expansion aufzustellen.

Mit beachteten iPad- und iPhone-Apps hat sich der Spiegel im mobilen Internet bereits gut positioniert, mit der Zeitzeugen-Website einestages.de gibt es auch eine Art Community. Spiegel Online hat aber die Marktführerschaft bei den Online-Nachrichten dauerhaft an Bild.de verloren. Das Flaggschiff-Angebot von Springer wird zudem deutlich aggressiver vermarktet als Spiegel Online. Genug zu tun für den neuen Digital-Boss des Spiegel gibt es auf jeden Fall.
Das der Versuch einer lange währenden übergreifenden Magazin-Doppelspitze nicht von allzu langer Dauer sein könnte, hatte sich schon vor einiger Zeit angkündigt, als Gerüchte und Berichte über mangelnde Harmonie des Chef-Duos in Sachfragen die Runde machten. Das Haus sowie die Beteiligten hatten solche Darstellungen allerdings stets zurückgewiesen.

Und hier die um 12.30 Uhr publizierte offizielle Mitteilung des Spiegel-Verlags im Wortlaut:

"Die Chefredaktion des SPIEGEL erweitert ab sofort ihr Aufgabengebiet und übernimmt zusätzlich die Verantwortung für alle redaktionellen Angebote der Marke SPIEGEL in den Medienkanälen Online und Digital. Im Zuge dessen werden die Zuständigkeiten in der Doppelspitze neu verteilt: Georg Mascolo (46) übernimmt die Alleinverantwortung für das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Dabei wird er auch weiterhin unterstützt vom stellvertretenden Chefredakteur Martin Doerry (55) und von Textchef Klaus Brinkbäumer (44). Mathias Müller von Blumencron (50) übernimmt zukünftig die Alleinverantwortung aller digitalen Angebote unter der Marke SPIEGEL, einschließlich SPIEGEL ONLINE.

„Die Mediennutzung der Marke SPIEGEL verteilt sich auf immer mehr Kanäle, Online und Digital gewinnen mehr und mehr an Relevanz und Reichweite. Hier wie auch im Bereich der gedruckten Magazine wollen wir unsere Position als führendes journalistisches Angebot stärken und ausbauen. Wir freuen uns, dass uns für diese zukunftsweisende Aufgabe mit Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron nicht nur zwei exzellente Journalisten zur Verfügung stehen, die in verschiedenen Funktionen innerhalb des Hauses Kreativität und Führungsstärke bewiesen haben, sondern eine Chefredaktion, die seit drei Jahren erfolgreich zusammenarbeitet und über Expertisen in allen Mediengattungen verfügt“, sagt Ove Saffe, Geschäftsführer des SPIEGEL-Verlags."

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