MDR-„Tatort“: Ohnsorg-Theater mit Toten

Heute steht mal wieder ein "Tatort" mit dem Leipziger Kommissar-Duo Eva Saalfeld und Andreas Keppler, also Simone Thomalla und Martin Wuttke, auf dem Programm. "Rendezvous mit dem Tod" heißt die Folge. Es geht um Partnersuche im Internet, gepaart mit einer abstrusen Serienkiller-Story und Abwanderungsgedanken von Saalfelds Kommissar-Kollege Keppler. MEEDIA sagt, ob sich das Einschalten lohnt.

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Ach, der "Tatort" aus Leipzig. Es gibt wohl populärere Kommissar-Duos als Saalfeld/Keppler und das hat seinen Grund. Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch der aktuelle MDR-"Tatort" "Rendezvous mit dem Tod" ist nicht unbedingt ein dramaturgischer Gipfelpunkt für die ARD-Vorzeige-Krimiserie. Aber, das mag jetzt böse klingen, ist aber gar nicht mal so gemeint: Es gab auch schon schlechtere "Tatort"-Folgen.

Worum geht es? Saalfeld und Keppler befassen sich mit der vermissten Carla Schütz. Saalfeld ist überzeugt, dass die Frau ermordet wurde (ein Jogger hat ihr leeres Auto mitten auf einer Brücke gefunden), Keppler glaubt an Selbstmord. Der mürrische Keppler ermittelt lieber auf eigene Faust alleine an einem anderen Fall: dem ermordeten Jürgen Hahn, der in der Badewanne nackt gefesselt verdurstet gefunden wird.

Der vermeintlich clevere Drehbuch-Kniff mit zwei Parallel-Fällen geht freilich mächtig in die Hose. Auch schlichtere Gemüter dürften den Braten nach wenigen Filmminuten riechen und merken, dass beide Fälle zu späterer Zeit auf gar nicht mal so originelle Weise zusammengeführt werden. Dass sich das MDR-"Tatort"-Team auch noch eine halbgar erzählte private Handlungsschiene aufbürdet (Keppler will angeblich nach Wiesbaden versetzt werden, um die "Karriereleiter" zu erklimmen), macht die Sache nicht besser.

Der rote Faden des Films ist, dass die "Vermisste" Carla Schütz bei einer Internet-Partnersuche mit dem einfallslosen Namen "50plus" unterwegs war. Partnersuche im Internet – mal wieder so eine "aktuelle gesellschaftliche Entwicklung", wie sie die "Tatort"-Autoren gerne in ihre Drehbücher reinschreiben und dabei so altmodische Sachen wie Suspense vergessen. Dass das Thema Internet-Partnersuche dabei in bewährter "Tatort"-Manier knapp und klischeebeladen (bei Internet-Partnervermittlungen sind nach dieser Lesart nur Irre und Deppen unterwegs) abgehandelt wird, kann nicht wirklich überraschen.

So plätschert das "Rendezvous mit dem Tod" mit seinem unglaubwürdigen Serienkiller-Plot eher müde vor sich hin. Simone Thomalla steht, oft mit offenem Schmoll-Mund, meistens geziert rum oder läuft gestelzt von hier nach da und von da nach hier. Martin Wuttke wirkt als Keppler schauspielerisch schlicht unterfordert. Überhaupt: Die meisten Schauspieler sind mal wieder vor allem die tragenden Nebenrollen mit Nadeshda Brennike als mysteriöse Klavierlehrerin oder Renate Krößner als Ex-Frau des Ermordeten Hahn sehr gut besetzt. Geschlampt wurde mal wieder bei Regie (betulich) und Drehbuch (vorhersehbar).

Es geht ein bisschen zu wie im Ohnsorg-Theater – bloß mit Toten. Eine Tür geht auf, Renate Krößner tritt ab. Die andere Tür geht auf, Martin Wuttke kommt rein. Holzhammer-Dramaturgie. "Rendezvous mit dem Tod" ist ein Geht-So-Krimi geworden. Für einen durchschnittlichen MDR-"Tatort" ist das gar nicht mal so schlecht. Für einen wirklich vergnüglichen und spannenden Fernsehabend aber noch immer viel zu wenig.

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