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„‚Tatort‘ wird geliebt und gleichzeitig gehasst“

Montags ist er das Gesprächsthema in vielen Büros. Den "Tatort" schauen wöchentlich bis zu zehn Millionen Menschen. Grund genug für die Firma XiiT Media unter Leitung von Tobias Goltz, die WebTV-Serie "Das Wort zum Mord" ins Leben zu rufen. "Den Fans kann man noch viel mehr Möglichkeiten geben, sich mit der Reihe auseinanderzusetzen", erklärt er im MEEDIA-Interview das Ziel des Projekts. Er spricht außerdem über den Unterschied zu PR, was den "Tatort" so spannend macht und wer die kommenden Folgen kommentieren wird.

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Wie sind Sie auf die Idee zu "Das Wort zum Mord" gekommen?

Ich beschäftige mich journalistisch schon seit mehreren Jahren mit dem "Tatort" und habe beispielsweise für verschiedene Tageszeitungen Interviews mit „Tatort“-Darstellern wie Maria Furtwängler oder Mehmet Kurtulus geführt. Den zahlreichen Fans im Internet – allein die offizielle Facebook-Seite hat über 270.000 Fans – kann man noch viel mehr Möglichkeiten geben, sich mit der Reihe auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit meinem Bruder Jonas und seiner Berliner Medienfirma XiiT Media habe ich überlegt, wie man diese Zielgruppe ergänzend zu den bestehenden Angeboten erreichen kann. Unsere WebTV-Serie ist die Konsequenz aus diesen Überlegungen.

Das klingt so, als würden Sie zum verlängerten Arm der PR-Maschine für den "Tatort".

Wir setzen uns journalistisch mit dem "Tatort" auseinander. Das heißt, wir stellen den Experten und Promis, die wir für die Sendungen interviewen, auch kritische Fragen. Es geht uns nicht darum, den "Tatort" hochzujubeln. Auf Grund der Vielfalt der Reihe gibt es nun einmal auch Qualitätsunterschiede. Zudem hat jeder Zuschauer seinen eigenen Blick auf den „Tatort“, jeder hat seine Lieblingskommissare. Genau das macht es so spannend, darüber zu sprechen. Es wird immer so sein, dass ein „Tatort“ zu gleicher Zeit geliebt und gehasst wird. Die Meinungen unserer drei Promis sind von daher eine Anregung für die Diskussionen, die am Montagmorgen am Arbeitsplatz über den „Tatort“ sowieso geführt werden.

Wie beurteilen Sie die erste Folge Ihrer WebTV-Serie?

Ich fand sie sehr ausgewogen. Gunther Witte und auch Katharina Saalfrank sind durchaus kritisch mit dem "Tatort" ins Gericht gegangen und haben deutlich gemacht, was ihnen an der Radio-Bremen-Folge "Stille Wasser" nicht gefallen hat – gerade was die Darstellung des traumatisierten Mädchens anging. Als Diplompädagogin hatte Katharina Saalfrank natürlich eine spezielle Sichtweise, was diesen Aspekt anbelangt. Sie ist zwar totaler „Tatort“-Fan, aber an dieser Stelle war ihr der Film nicht realistisch genug.

Wie schwierig war es, die Promis für das Projekt zu gewinnen?

Wir waren sehr überrascht, wie viele Prominente relativ schnell zugesagt haben. Das hätten wir uns schwieriger vorgestellt. Aber wir kriegen auch einen Haufen Absagen, da wir natürlich gar nicht immer wissen, welcher Prominente zu den acht Millionen regelmäßigen „Tatort“-Guckern gehört. Unsere Liste mit prominenten „Tatort“-Fans wird zwar immer länger, andererseits geraten wir hin und wieder auch an den einen oder anderen „Tatort“-Hasser, der mit der Reihe überhaupt nichts anfangen kann. In nächster Zeit sprechen wir unter anderem mit Politikern wie Lothar Bisky (Die Linke) und dem Bestseller-Autor Frank Schätzing.

Wie lange wird die Sendung laufen?

Für die ersten drei Folgen haben wir schon genug prominente „Tatort“-Rezensenten gefunden. In der nächsten Folge zum neuen Leipzig-„Tatort: Rendezvous mit dem Tod“ (20. Februar) sind die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), der Hörspielsprecher Oliver Rohrbeck („Die drei Fragezeichen“) und der Publizist Hajo Schumacher mit von der Partie. Zum Hamburg-"Tatort: Leben gegen Leben" eine Woche später am 27. Februar werden sich Wolfgang Bosbach (CDU) und Seyran Ates (Rechtsanwältin und „Tatort“-Drehbuchautorin) äußern, außerdem jemand, dessen Namen wir im Moment noch nicht verraten möchten. Wir sind aber auch darüber hinaus sehr optimistisch, dass wir die Reihe fortsetzen können. An prominenten Gesprächspartnern wird es angesichts unserer bisherigen Erfahrungen jedenfalls nicht scheitern. Wie lange die WebTV-Serie läuft, hängt im Endeffekt aber auch von der Resonanz der Zuschauer ab. Wir sind erst seit Sonntag mit unserer Webseite www.daswortzummord.de online. Bisher gingen die Besucherzahlen rasant in die Höhe. Nach einer Folge können wir allerdings noch nicht abschätzen, ob sich dieses Projekt auf Dauer etabliert. Da sind wir selbst gespannt.

Gibt es schon Pläne, das Projekt auszubauen?

Wir wollen jetzt erst einmal dafür Sorge tragen, zu jedem „Tatort“ eine neue Folge veröffentlichen zu können. Zudem gibt es ja immer auch noch drei Extras, in denen sich unsere Interview-Partner etwas detaillierter zu einem bestimmten Aspekt äußern. Wolfgang Bosbach (CDU) beispielsweise, der sich als Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestags mit realer Polizeiarbeit auskennt, wird in einem Extra einen Vergleich zur Fiktion ziehen und die Darstellung von Polizeiarbeit im „Tatort“ kommentieren. Ansonsten ist uns nun zunächst wichtig, die „Tatort“-Fans auf unsere Serie aufmerksam zu machen. Wir wollen zudem erreichen, dass die Fans in nächster Zeit verstärkt auf unserer Plattform weiterdiskutieren. Deshalb werden wir in den nächsten Tagen ein Diskussionsforum einrichten, in dem die Statements der Promis aufgegriffen werden können.

Haben Sie sich Besucherziele für Ihre Webseite gesetzt?

Wie gesagt: Die offizielle Facebook-Seite des „Tatorts“ hat über 270.000 Fans. Wenn wir einen Bruchteil dieser Leute auch für unser Format begeistern könnten, wären wir schon zufrieden. Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden.

Wie finanzieren Sie das Projekt?

Zurzeit produzieren wir das Format noch als No-Budget-Projekt. Es stecken ausschließlich Eigenmittel darin und ohne das hohe Engagement aller Beteiligten wäre es überhaupt nicht möglich, das Projekt zu stemmen. Allerdings haben sich bereits erste Interessenten gemeldet, die sich eine Kooperation vorstellen können. Dazu kann ich aber derzeit noch nicht mehr sagen.

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