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Muba-Raab rastet aus: Wie die SZ Raab ‚grillt‘

Raab almighty: Der überaus mächtige und offenbar auch zu Allmachtsphantasien neigende Entertainer Stefan Raab hat ein Problem mit den Medien. Oder umgekehrt, wenn man die Lesart des 44-Jährigen zugrundelegt. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung ging es jetzt hoch her. Das Ergebnis ist ein Interview-Glanzstück, das zeigt, wie sehr die veröffentlichte Enttäuschung über die "Lena-Langeweiler" an Raab nagt - und wie wertvoll selbstbewusster Qualitätsjournalismus ist.

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"Herr Raab, Ihr Blutdruck", unterbricht SZ-Medienautor Hans Hoff den Wutausbruch des TV-Produzenten, der laut Zeitung eine knappe Stunde auf "Phonstärke einer Uli-Hoeneß-Wutrede" lamentierte. In Rage gebracht hatten Raab die zahlreichen Verrisse seiner "Lena-Festspiele", bei denen die Vorrahressiegerin zur Kür des diesjährigen deutschen Wettbewerbsbeitrags etliche Male gegen sich selbst antritt, das postwendend auch bei MEEDIA als "lächerliches Stück Fernsehen" klassifiziert worden war. Die Quoten waren schon bei der Premiere der Ausscheidungs-Shows nicht doll und gingen danach richtig in den Keller. Für Hoff Anlass zur Eingangsfrage: "Herr Muba-Raab, treten Sie endlich zurück?"
Solche feinsinnigen Nickligkeiten sind die Sache des TV-Unterhalters fürs Grobe erkennbar nicht. Doch erst, als Raab spürt, dass es sich nicht um einen Warm-up-Gag handelt, sondern um die dauerhafte Temperatur des Interviews, fährt dieser aus der Haut. So wundert es ihn, dass "der Intellekt mancher Journalisten keine andere Deutung zulässt". Und er blafft den SZ-Redakteur an: "Seit wann interessieren Sie sich denn für Quoten?"
Das Interview ist dabei gerade deshalb ein Glanz- und Lehrstück, weil sich Hoff nicht beirren lässt, sondern mit unaufgeregt-kühler Präzision weiterbohrt: "Die Show, Unser Song für Deutschland", entgegnet er, "war langweilig, und die Zuschauerzahlen sind bei der zweiten Ausgabe abgesackt." Und er begründet sein Interesse dies damit, dass eine solche Betrachtung bei einem Ereignis, das 12 Millionen Euro kosten soll, auch legitim ist. An anderer Stelle, als Raab die Erfolge der von ihm vermarkteten Sängerin aus Hannover auflistetet, kontert Hoff trocken: "Das ist Ihrer cleveren PR zu verdanken."
Hoffs Interview ist aus verschiedenen Gründen bemerkenswert: Es vermeidet das übliche Herumplätschern an Oberflächen und setzt so einen Kontrapunkt zu Mainstream-Medien-Geschwafel profilloser Standard-Gespräche. Diese sind – leider – häufig die Regel. Sie bilden nicht nur den Beleg mangelnden Mutes zu journalistischer Klarheit, sondern bieten auch einen Blick auf das Phänomen journalistischer (Un-)Abhängigkeit und ihrer Sorge darum, sich durch konfrontative und klare Haltung bestehende Beziehungen zu Stars oder TV-Sendern zu verstellen. Hoff regelt darüber hinaus in seinem Interview die Beziehung zum Gegenüber: Ohne seine Position zu verlassen, ohne einzuknicken und sich zu verbiegen.
Und die SZ reizt Raab noch, indem sie ihn mit dem Bild konfrontiert, das – für Brancheninsider kein Geheimnis – öffentlich-rechtliche Vertragsspartner von ihm gewonnen haben. Der Mogul der guten Laune führe mit seinen Eigenmächtigkeiten die ARD "am Nasenring durch die Manege" und: "Man hört aus der ARD, dass Ihre Verhandlungsstrategie einen Kim Jong II wie ein Weichei aussehen lässt." Raab schlägt verbal zurück, aber die Art, wie er dies tut, schmeichelt weder seinem Ruf, noch ist sie geeignet, die Einschätzung des SZ-Journalisten zu entkräften: "Ich habe 2010 die Neo-Demokratie eingeführt und jetzt von Neo-Demokratie auf Demokratie zurückgestuft und gesagt: So, jetzt entscheidet ihr über den Song. Steht irgendwo im Grundgesetz, dass es ein Recht der Bevölkerung gibt zu entscheiden, wer zum ESC fährt?"
Bei einem, der so redet, wundert es nicht, zu welchem Schluss er kommt, wenn es um die Gesamtbetrachtung der Situation geht. Raab sagt: "Der größte Wahn liegt in den Köpfen der Journalisten." An dieser Stelle möchte man der Süddeutschen Zeitung dafür danken, dass sie Raab diese entlarvenden Äußerungen entlockt hat – und ihn damit nicht unwidersprochen hat davon kommen lassen. Am Freitagabend geht die ESC-"Ausscheidung" in die nächste Runde, erstmals vor dem ARD-Publikum. Auf Quote und Reaktionen darf man gespannt sein.

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