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Eklat: Guttenberg verärgert Journalisten

Von einem Fettnäpfchen ins nächste: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der wegen Plagiatsvorwürfen im Bezug auf seine Doktorarbeit ohnehin schon Topthema in sämtlichen Medien ist, hat nun auch noch die Hauptstadtjournalisten gegen sich aufgebracht. Der Grund: Während das Gros der Journalistenschar in der Bundespressekonferenz saß, verlas Guttenberg in seinem Ministerium vor "einigen ausgewählten Medienvertretern" seine Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen.

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Nachdem Guttenbergs Sprecher Steffen Moritz in der Bundespressekonferenz mitteilte, dass der Minister sich "jetzt, in diesem Moment, vor einigen ausgewählten Medienvertretern, die vor dem Ministerium gewartet haben" äußere, reagierte der Vorsitzende der Bundespressekonferenz Werner Gößling ungewöhnlich deutlich. Im Namen des Zusammenschlusses der Parlamentskorrespondenten erklärte er: "Dieses Verhalten halten wir nicht für fair".
Dieter Wonka, Korrespondent der Leipziger Volkszeitung und bekannt für seine kritischen Fragen und Bemerkungen in Pressekonferenzen und Interviews, warf Guttenberg sogar "Feigheit" vor: "Ich bin baff, dass Ihr Minister so ein Feigling ist" sagte Wonka gegenüber Moritz. Guttenbergs Sprecher reagierte auf die Empörung der Journalistenschar, die nichtmal eine schriftliche Fassung der Guttenberg-Erklärung bekamen, ausweichend: "Er hat sich so entschieden, ich habe das nicht zu kommentieren", so Moritz.
Während Regierungssprecher Steffen Seibert die Termine für die kommenden Woche vorlas, verließen die meisten der anwesenden Journalisten demonstrativ den Saal. Auch der DJV kritisierte inzwischen die "Informationspolitik nach Gutsherrenart". "Es sei nicht akzeptabel, dass der Minister nur vor einer Handvoll Journalisten eine vorgefertigte Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen vorlese, statt sich kritischen Fragen etwa der Bundespressekonferenz zu stellen", so DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken in einer am Nachmittag verbreiteten Mitteilung.

Werner Gößling legte später in einem Brief an den Minister nach: "Wir empfinden es als Brüskierung, dass Sie zeitgleich mit der Regierungs-Pressekonferenz nur ausgewählten Medien eine von allen seit langem erwartete Erklärung gegeben haben. Wir erwarten, dass Sie sich möglichst bald den Fragen der Hauptstadtpresse stellen".
In diesem wunderbaren Video fasst Spiegel-Online noch einmal den Mittag in der Bundespressekonferenz zusammen. 

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