Dr. Googleberg und der Anti-Blogger-Fürst

Das Thema der Woche ist gleichzeitig der Witz der Woche. Die Plagiats-Debatte rund um Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg lässt Medien und Netzgemeinde zu wortschöpferischer Höchstform auflaufen (“Dr. Googleberg”, der Plagiator usw.). Unterdessen lud US-Präsident Barack Obama zu einem Web-Gipfeltreffen mit Eric Schmidt, Marc Zuckerberg und Steve Jobs. Und Fürst Albert von Monaco sowie Christoph Keese haben Ärger mit Bloggern.

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Dass seine Doktorarbeit ihm die bisher größte Affäre seiner Karriere einbrocken würde, damit hätte Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg sicher nicht gerechnet. Die Geschichte um seine Copy-and-Paste-Aktionen waren das Politik-Thema der Woche und das sagt einiges darüber aus, welche Fallhöhe zu Guttenberg mittlerweile erreicht hat. Die Geschichte ist von zwei Perspektiven aus betrachtet bemerkenswert. Zum einen ist die Masse und Heftigkeit der Berichterstattung erstaunlich. Es geht immerhin “nur” um einige / etliche Seiten in einer Doktorarbeit, auf denen Passagen ohne Kenntlichmachung übernommen wurden. Auf der anderen Seite verwundert aber auch die dreiste Art und Weise, wie zu Guttenberg seine Doktorarbeit offenbar zusammengeschustert hat. Dass er sich für die Einleitung wörtlich bei Fremdtexten bediente und sogar aus dem Reiseführer “Wildniswandern in Kanada und Alaska: Zu Fuss und im Kanu” Texte übernommen hat, ist schon, mit Verlaub, dämlich. Mit dem Spott dafür muss der Doktor nun leben. Ob die Affäre für politische Konsequenzen, einen Rücktritt gar, ausreicht, muss man abwarten. Immerhin hat zu Guttenberg seinen Doktortitel bis zur Klärung der Sache vorerst abgelegt. Bis dahin dürfen sich nun noch eine Weile diverse Web-Witzbolde austoben. Zum Beispiel mit einer offenbar gefälschten Ausschreibung zur "Überarbeitung einer Doktorarbeit".

Zu einem Gipfeltreffen der besonderen Art lud US-Präsident Barack Obama am Donnerstagabend. In San Francisco traf er sich “privat” mit Googles Noch-Chef Eric Schmidt, Apple-CEO Steve Jobs und Mark Zuckerberg. Die drei Firmenlenker, die mehr oder weniger bestimmen, wie wir unser digitales Leben gestalten. Bei dem Treffen hätte man gerne Mäuschen gespielt. Interessant ist auch, dass Obama auf Ratschläge von Microsoft-Vertretern, wie Schreihals Steve Ballmer, offenbar keinen gesteigerten Wert legt. Und Steve Jobs war wohl persönlich anwesend. Der Apple-Chef nimmt sich wegen einer Krankheit gerade eine Auszeit. Das Revolverblatt National Enquirer veröffentlichte unterdessen Paparazzi-Aufnahmen, die angeblich einen Steve Jobs im Krebs-Endstadium zeigen. Hoffen wir für ihn, dass der Enquirer seinem unseriösen Ruf auch in diesem Fall gerecht wird.

Um seinen Ruf kämpft auch Fürst Albert von Monaco, und zwar im Internet. Der Fürst liefert sich gerade einen juristischen Schlagabtausch mit dem ehemaligen FBI-Agenten und aktuellen Blogger Robert Eringer, der einst in Diensten des Fürsten stand. Eringer behauptet, für den Fürsten eine Art Privat-Geheimdienst in Monaco aufgebaut zu haben. Fürst Albert interessierte sich offenbar dafür, wer aus seinem Palast Indiskretionen an die Presse weiterreichte und welche seiner “Freunde” hinter seinem Rücken schlecht über ihn sprachen. Mittlerweile ist das Tischtuch zwischen dem Fürsten und seinem Privatspion aber zerschnitten. Eringer fordert mit einer Klage angeblich ausstehende Gehaltszahlungen in Höhe von rund 360.000 Euro. Um seine Forderungen zu untermauern, bedient er sich u.a. des Internets und hat ein Blog gestartet, mit dem er selbst nun Pikantes aus Monaco in die Welt hinausposaunt. Die alte Geschichte, von den Geistern, die man ruft und nicht mehr los wird. Fürst Albert geht seinerseits mit Anwälten gegen die Veröffentlichungen des Spion-Bloggers vor.

Noch mehr Indiskretionen – aber aus einer viel, viel kleineren Welt. Gehen wir aus der großen Glitzerwelt der Fürsten und Geheimagenten zurück in hiesige Blogger-vs.Verlage-Scharmützel. Internet-Berater Thomas Knüwer hat in seinem Blog Indiskretion Ehrensache auf einen Streit zwischen den Bloggern Daniel Schultz und Kai Biermann einerseits und Springers Chef-Lobbyisten Christoph Keese andererseits hingewiesen. Hier die Kurzfassung: die Blogger wollten Keese zum Thema Leistungsschutz interviewen. Zu dem anberaumten Termin erschien der eine Blogger (Biermann) aber nicht. Der sollte aber dummerweise das Ton-Aufzeichnungsgerät mitbringen. Dr andere Blogger (Schultz) hatte die Fragen an Keese nur auf seinem Smartphone notiert und offenbar weder Stift noch Papier dabei. Er war somit außerstande, gleichzeitig die Fragen vom Phone abzulesen und mit dem Smartphone das Interview aufzuzeichnen. Auswendig lernen konnte er die Fragen zu diesem komplexen Thema offenbar auch nicht mehr in der Kürze der Zeit (Ironie). Keese bot dem erschienenen Blogger dann scheinbar großzügig an, das Interview von Springer aufzeichnen und transkribieren zu lassen, worauf der Blogger einwilligte. Man ist ja froh, die lästige Interview-Abtipperei auch mal auslagern zu können. Nun lässt Keese die armen Blogger aber offenbar am ausgestreckten Arm verhungern und rückt einfach das Interview-Transkript nicht raus, worüber sich die Blogger via Blog ganz arg beschweren. Tja, dumm gelaufen. Und, was lernen wir daraus? Drum liebe Blogger, gebt fein acht: Zum Interview sei auch ein Stiftlein mitgebracht.

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