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Wiki-Community sucht Guttenberg-Plagiate

Kollaborativ gegen Guttenberg: Auf der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg findet sich eine immer größere Gruppe von Onlinern zusammen, um gemeinsam nach weiteren Copy&Paste-Delikten zu fahnden. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Waren gestern noch sechs Fälle bekannt, listet das frisch aufgesetzte Guttenplag-Wiki bereits 23 mögliche Plagiate auf. Das Konzept erinnert an einen stilbildendes Projekt des britischen Guardian.

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Wer hinter Guttenplag.wikia steht, ist nicht bekannt. Der Administrator oder die Admistratorin nennt sich selbst PlagDoc – offenbar soll der Name ein Mix aus Doc (engl. Kurzform für Doktor) und Plagiat sein. Zudem erklärt das Wiki auch nicht die Motivation, die hinter dem Projekt steht. Bislang listet die Seite lediglich mögliche Copy&Paste-Fälle. Zudem bitten die Macher die "Presse" darum, das Wiki immer als "Quelle" anzugeben, "wenn Ihr es nutzt".
Wichtig ist es den Machern allerdings zu erwähnen, dass die Zusammenstellung "in Teilen auf Berichten aus zweiter Hand" basiert. "Es kann sein, dass Textstellen nicht korrekt wiedergegeben wurden." Die entsprechenden Textstellen sind nach Seiten sortiert. Zu jeder Seite, auf der ein Plagiat vermutet wird, verrät das Wiki den Guttenberg-Text und die vermeintliche Original-Quelle. Dazu gibt es noch ein Feld mit Anmerkungen. 
Der Ursprung des Wikis liegt in einem Google-Docs-Dokument, dass PlagDoc gestern angelegt hatte, um gemeinschaftlich die Doktorarbeit nach Plagiaten zu durchsuchen. Mit weit mehr als hundert ständigen Betrachtern war das Google-Doc-Dokument allerdings schnell überlastet, und der oder die Admistrator/in baute deshalb das Wiki auf.
Die gemeinschaftliche Suche nach Copy&Paste-Passagen erinnert an das Guardian-Projekt, bei dem die Zeitung die Web-Gemeinschaft um Hilfe gebeten hatte, um gemeinsam hunderttausende Spesenbelege von britischen Abgeordneten durchzusehen. "Kein Journalist kann 400.000 Papiere durchforsten. So haben wir unsere Leser gefragt, ob sie uns dabei helfen könnte, Relevantes von Unrelevantem auszusortieren. 23.000 Leser haben sich als freiwillige Helfer engagiert", erzählte Chefredakteur Alan Rusbriger im MEEDIA-Interview. Am Ende der Gemeinschaftsaktion standen mehre Politk-Affären.

Das Finden der Plagiate ist das eine Thema. Das andere ist die Frage, wie die Verfasser der entsprechenden Quellen damit umgehen, dass Guttenberg bei Ihnen möglicherweise abgeschrieben haben soll. Das Guttenplag.wikia hat bei einigen Passagen bereits den Hinweis "Autor ist informiert" plaziert. Die jeweiligen Reaktion sind jedoch noch nicht vermerkt. Ein lustiges Beispiel, wie man auf den vermeintlichen Skandal reagieren kann, zeigt die Neue Züricher Zeitung. Die Schweizer Zeitung wirbt jetzt ganz einfach mit der Guttenberg-Note "Summa cum laude".
Update: Mittlerweise hat das Wiki einen Disclaimer online gestellt. Hier der komplette Wortlaut: "Wir möchten klarstellen, dass diese Aktion nichts mit politischer Ausrichtung, persönlicher Schmutzkampagne oder ähnlichem zu tun hat. Unser Ziel ist, die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern, damit auch weiterhin eine korrekte wissenschaftliche Arbeitsweise von Trägern eines solchen Titels erwartet werden kann. Durch Aufdecken der existierenden Plagiate in der vorliegenden Dissertation versuchen wir, der Bayreuther Prüfungskomission die Arbeit zu erleichtern. Sollten sich auch Dissertationen von Politikern am anderen Ende des Spektrums durch Plagiate "auszeichnen", hätten wir keinerlei Probleme, genauso zu verfahren."

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