„One Pass ändert unser Verhältnis nicht“

Es könnte ein Schritt von höchster strategischer Bedeutung sein. Mit dem Einsatz von Googles neuem Medien-Bezahl-System One Pass emanzipieren sich die Verlage ein Stück weit von Apple. Im MEEDIA-Interview erklärt Springers Digital-Experte und Premium-Content-Director, Georg Konjovic, wie sein Verlag das neue System nutzen will. Zudem begrüße er es, dass "Google zum ersten Mal ein klares Zeichen für bezahlte journalistische Inhalte setzt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung."

Anzeige

Wie funktioniert Google One Pass? Melde ich mich einmal an und kann dann überall bezahlen? 

One Pass nutzt das Google Checkout-System zur Zahlungsabwicklung. Mit einem solchen Zugang können die Kunden bei allen One-Pass-Angeboten bezahlen.

Wo wird Springer Google One Pass einsetzen? 

Wir integrieren den neuen Service zum ersten Mal in einem neuen Premium-Angebot von Bild.de. Ab Samstag, 19. Februar, überträgt Bild.de alle Spiele der türkischen Fußballliga und ausgewählte Spiele der holländischen Liga als Livestreams. Alle Spiele der laufenden Saison werden über One Pass bezahlbar sein. Außerdem prüfen wir natürlich weitere sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.

Wie teuer wird ein einzelner Artikel sein? 

Es wird keinen einheitlichen Preis für alle Inhalte geben. Die Preisgestaltung hängt vom Titel und natürlich vom angebotenen Inhalt ab.

Wo liegen die Daten der Kunden? In Deutschland oder in den USA? 

Antwort: Die Daten werden auf den Systemen von Google erfasst und verarbeitet. Natürlich haben wir Google auf die Einhaltung deutscher Datenschutzgesetze vertraglich verpflichtet.

Heißt die Integration von Google One Pass, dass Springer sich mit Google arrangiert und den Kampf für ein Leistungsschutzrecht und gegen Google News aufgibt?

Wir betrachten Google schon immer als Geschäftspartner in zahlreichen Bereichen. Durch den Einsatz des neuen Angebotes One Pass ändert sich unser grundsätzliches Verhältnis nicht. Es gibt gemeinsame Interessen und Aktivitäten, wie auch Streitpunkte, die wir weiterhin mit aller Konsequenz diskutieren werden. 

Ist der Einsatz von Google One Pass ein erstes Anzeichen, dass Springer jetzt auch enger mit Google zusammenarbeitet? Kommen bald schon Android-Apps?

Wir finden es grundsätzlich gut, dass Google zum ersten Mal ein klares Zeichen für bezahlte journalistische Inhalte setzt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Frage der Tablet-Betriebssysteme hängt für uns nicht unmittelbar mit One Pass zusammen, aber selbstverständlich beobachten wir hier den Markt genau und arbeiten schon intensiv an Apps für andere Betriebssysteme. Der Markt der mobilen Geräte und darin integrierter Marktplätze wird sich in den nächsten Jahren sehr schnell weiterentwickeln und natürlich begrüßen wir auch hier einen Wettbewerb. Mit unseren journalistischen Angeboten möchten wir auf allen relevanten Plattformen vertreten sein, um möglichst vielen Kunden unsere Inhalte zugänglich machen zu können.

Braucht auch Springer Google, Android und Google One Pass als Gegengewicht zu Apple, der App-Economy und iTunes? 

Es geht hier nicht um Argumente für Verhandlungen mit einem Anbieter, sondern um die generelle Entwicklung digitaler Content-Produkte und derer Verbreitungsmöglichkeiten. Sowohl wir als Verlag als auch unsere Kunden haben ein Interesse an vielfältigen Geräten zu verschiedenen Preisen, unterschiedlichen Bedienoberflächen und Ausstattungsmerkmalen. Wettbewerb in diesem Bereich wird von uns ausdrücklich begrüßt.

Wie steht Springer zu den neuen Abo-Regeln, die Apple gerade für den App-Store angekündigt hatte? 

Die Verlage haben sich innerhalb ihrer Verlegerverbände zu diesem Thema abgestimmt. VDZ und BDZV haben eine entsprechende Stellungnahme veröffentlicht, der wir uns voll und ganz anschließen. 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige