Nach dem HuffPo-Deal: Wer kauft wen?

Es liegt wieder ein Hauch von Dot-Com in der Luft: Internet-Unternehmen sind so begehrt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr – erst recht, wenn sie noch gar nicht an der Börse sind. Das beweisen nicht zuletzt die horrenden außerbörslichen Bewertungen von Facebook, Twitter, Groupon & Co.. Zuletzt übernahm AOL die HuffingtonPost für 315 Millionen Dollar. Wer ist als Nächstes dran? Wir haben einen Überblick über die unvermeidlichen Kandidaten zusammengestellt.

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Es liegt wieder ein Hauch von 1999 in der Luft: Internet-Unternehmen sind so begehrt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr – erst recht, wenn sie noch gar nicht an der Börse sind, das beweisen nicht zuletzt die horrenden außerbörslichen Bewertungen von Facebook, Twitter , Groupon & Co. Doch auch eine Etage tiefer wachsen die Begehrlichkeiten, wie die Übernahme der Huffington Post durch AOL beweist. Wer ist als Nächstes dran? Ein Überblick über die unvermeidlichen Kandidaten.

Der Hype ist zurück. Kaum ein Tag vergeht mehr, an dem Facebook, Twitter oder Groupon mit immer rasanteren Bewertungen von sich reden machen. 10, 15 oder 50 Milliarden? Bei schnell wachsenden Internet-Unternehmen mit Social Media-Affinität ist längst die Goldgräberstimmung ausgebrochen.

Ziemlich bescheiden nehmen sich dagegen die Preise aus, die für den Content-Anbieter der neuen Generation bezahlt werden. 315 Millionen Dollar überwies AOL an die Huffington Post – was auf den ersten Blick stattlich aussieht, relativiert sich durch die Bewertung. Noch viel schlechter als Arianna Huffington, die selbst mit geschätzten 100 Millionen Dollar aus dem Deal hervorgeht,  wurde Michael Arringtons Lebenswerk bezahlt: Für ganze 25 Millionen Dollar erhielt AOL hier im vergangenen Jahr den Zuschlag. Content is King? Klingt eher nach Bettelmann. 

Mögliche Kandidaten : Glam Media, Gawker, BusinessInsider
Trotzdem und gerade deshalb scheint sich die nächste Übernahmewelle anzubahnen: Gegenüber den boomenden Social Media-Überfliegern sind Content- und Blog-Anbieter für überschaubare Preise zu haben, haben dabei aber oft schon ihr Geschäftsmodell jahrelang nachgewiesen. Folglich geraten die nächsten Kandidaten in den Spekulationssog:

• Glam Media: Das Online-Lifestyle-Konglomerat ist nicht weniger als ein echtes Powerhouse, das bislang in der Wahrnehmung der meisten deutschen Nutzer eine wohl noch unterschätzte Rolle spielt. Dabei sind Glam.com und Brash.com die Nummer eins unter den Frauenportalen weltweit bzw. Männerlifestyle-Angeboten.  Alle Blogangebote zusammen gerechnet, erreicht Glam Media über 90 Millionen Nutzer in den USA  im Monat – und liegt damit auf Platz sechs aller Internet-Angebote knapp hinter AOL.

Entsprechend dürfte Glam Media, an dem auch Hubert Burda beteiligt ist,  längst die erlauchten Kreis der Milliarden-Bewertungen vorgestoßen sein – in der letzten Finanzierungsrunde erlöste das 2003 gegründete vertikale Netzwerk weitere 50 Millionen auf Basis einer Bewertung von 750 Millionen Dollar. Das ist allerdings schon wieder ein Jahr her. Vergleichsmaßstab AOL wird aktuell an der Börse mit mehr als 2 Milliarden Dollar bewertet. Glam Media arbeitet profitabel und soll dieses Jahr bereits mehr als 100 Millionen Dollar umsetzen. Als CFO wurde der frühere Microsoft-Manager Bruce Jaffe verpflichtet, was Brancheninsider als Hinweis auf einen möglichen Börsengang deuten.

Gawker Media: Ein anderes logisches Blog-Konglomerat, das immer wieder bei Übernahme-Spekulationen genannt wird, ist Gawker, das vom britischen Journalisten und Web-Unternehmer Nick Denton 2002 gegründet wurde. Die Marschrichtung ist klar: Gawker steht für Gossip, oft am Rande der Schmerzgrenze: "Today’s gossip is tomorrow’s news", lautet der eigene Arbeitsauftrag des 44-jährigen Denton.

Neben dem auf New York fixierten Gawker.com besteht das Blognetzwerk noch aus dem viel beachteten Techblog Gizmodo, das alleine jeden Monat 20 Millionen Nutzer anzieht und damit auf Schlagdistanz zur Huffington Post steht (25 Millionen Nutzer). Eine dreistellige Millionensumme erscheint daher naheliegend.

Business Insider: Auf die dürfte Henry Blodget mit seinem Business Insider wohl noch etwas warten. Bislang 3,5 Millionen Nutzer erreicht der frühere Merrill Lynch-Internet-Analyst mit seinem zeitnahen Mix aus Technologie- ("Alley Insider") und Börsen-Nachrichten ("The Money Game") monatlich – immerhin doppelt so viel wie TechCrunch. Entsprechend erscheint ein möglicher Kaufpreis von 50 Millionen Dollar nicht abwegig. 

Am Ende jedoch, das weiß Blodget so gut wie jeder Firmengründer, ist jede Übernahmeofferte immer eine Frage des richtigen Timings. Und des Bedarfs: Nachdem AOL sich zügig als Content-Provider neu erfunden hat, könnte Yahoo zunehmend unter Zugzwang geraten, sich bei den verbleibenden unabhängigen Angeboten umzusehen. Das Internet-Jahr 2011 könnte so noch für manche Übernahme-Überraschung gut sein.

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