Beim Henri bleibt man gerne unter sich

Am 6. Mai werden im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg die Henri-Nannen-Preise verliehen. Es ist die wohl prestigeträchtigste Preisverleihung für Printmedien in Deutschland. Und auch in diesem Jahr wird es oft heißen: Der Henri geht an Stern, Spiegel, Zeit, Geo. Vor allem bei den Königs-Kategorien Reportage und Investigativ bleibt man in Hamburger Magazin-Kreisen gerne unter sich. Es wäre an der Zeit, aus dem Ritual auszubrechen.

Anzeige

Am 6. Mai werden im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg die Henri-Nannen-Preise verliehen. Es ist die wohl prestigeträchtigste Preisverleihung für Printmedien in Deutschland. Und auch in diesem Jahr wird es oft heißen: Der Henri geht an Stern, Spiegel, Zeit, Geo. Vor allem bei den Königs-Kategorien Reportage und Investigativ bleibt man in Hamburger Magazin-Kreisen gerne unter sich. Es wäre an der Zeit, aus dem Ritual auszubrechen.

Machen wir uns kurz den Spaß, die Mehrzahl der 74 aktuellen Nominierungen für einen Henri-Nannen-Preis auf die einzelnen Medien zu verteilen. Es ergibt sich folgendes Bild: Spiegel: 15, Stern: 12, Zeit: 11, Süddeutsche Zeitung: 10, Geo: 7. Die jeweiligen Magazin- und Online-Ableger haben wir jeweils zur Muttermarke dazugezählt. Der Rest kommt auf eine bis drei Nominierungen. Ohne Frage steht fest: Der Henri-Nannen-Preis ist eine wichtige Veranstaltung für den Qualitäts-Journalismus. Der Preis hat Gewicht, der Name Henri Nannen steht für emotionalen, investigativen, packenden Journalismus. Es ist auch nicht in Abrede zu stellen, dass die nominierten Stücke allesamt großartigen Journalismus repräsentieren.

Und jetzt kommt das Aber: Jahr für Jahr erweckt der Henri-Nannen-Preis den Eindruck, die Medienrepublik bestehe im wesentlichen aus der immergleichen Handvoll preiswürdiger Publikationen. Es ist ist ein sehr exklusiver Club, der sich da im Stern-Spiegel-Zeit-Kontinuum immer wieder aufs Neue selbst zelebriert.

Einige Medien, die man spontan ebenfalls als Qualitätsmedien einstufen würde, haben es immerhin noch auf die Shortlist geschafft. Zum Beispiel die Frankfurter Rundschau, die Berliner Morgenpost oder die FAS. Für die Endrunde hat es aber nicht gereicht. Leider. Insgesamt 791 Arbeiten wurden diesmal für den Henri-Nannen-Preis eingereicht. Und was die Vorjury auswählt, segelt dann doch wieder meistens unter der Flagge von Stern, Spiegel und Zeit.

Im Regelfall werden die paar Ausreißer, die die Vorjury vorzugsweise in Randkategorien wie “Humor” dringelassen hat, von der Hauptjury noch zuverlässig ausgesiebt. Bei den Königsdisziplinen Reportage und Investigativ bleibt man in Hamburger Kreisen gerne unter sich.
Wäre ein Preis wie der Henri nicht auch eine Gelegenheit, Medien mit ihren Beiträge zu würdigen, die einem nicht zu allererst einfallen und die ohnehin jedes Jahr einen Preis nach dem anderen abräumen? Gibt es keine preiswürdigen Texte abseits des journalistischen Elite-Mainstreams? Warum tauchen Magazine wie das Autoheft ramp, Landlust, Brand Eins, WirtschaftsWoche oder Neon gar nicht oder nur mit homöopathischen Einzel-Nominierungen in Randkategorien auf? Warum nicht mal ganz verwegen sein und einen wie den Blogger Richard Gutjahr nominieren, der auf eigene Faust nach Ägypten geflogen ist und von dort, von Leserspenden finanziert, engagiert online berichtet hat? Oder Leute wie Stefan Niggemeier und Lukas Heinser für ihr Videoblog zum Eurovision Song Contest vergangenes Jahr. Sowas wäre mal ein Zeichen, dass man auch außerhalb qualitätsjournalistischer Establishment-Kategorien zu denken vermag. Vor allem, sollte ein Außenseiter den Preis dann tatsächlich auch mal gewinnen.
Jaaaaa, mag man nun einwenden. Die genannten Beispiele haben sich womöglich nicht um den Preis beworben. Aber das waren halt auch nur zwei Beispiele. Und es ist gut möglich, dass auch mehr “Exoten” Beiträge für einen Henri einreichen würden, wenn nicht sowieso vorher mehr oder minder klar ist, wer am Ende die Trophäen nach Hause trägt. Der Henri-Nannen-Preis zeigt Jahr für Jahr eindrucksvoll, dass die deutschen Verlage immer noch erstklassigen, mitreißenden, investigativen und, ja, auch lustigen Journalismus hervorbringen können. Das soll so sein und auch so bleiben. Aber der Henri-Nannen-Preis wäre noch mehr zu loben, wenn seine Ausrichter und die Jurys den Blick auch verstärkt auf das Überraschende lenken würden und nicht immer nur auf das Etablierte.
Wer weiß. Vielleicht gewinnt diesmal ja der Weser-Kurier den Henri-Nannen-Preis für die beste Investigativ-Leistung. Nominiert ist er ja. Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Am Abend des 6. Mai wissen wir mehr.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige