Apple vs. Google: Wer ist als Partner ideal?

Für viele kam es unerwartet, für Apple höchst unpassend: Gestern Abend stellte Google sein Online-Bezahlsystem One Pass vor - einen Tag, nachdem Apple seine neuen Reglementierungen für die Digital-Abos der Verlage veröffentlichte. Offenkundig gehen beide Systeme konträre Wege: Apple will iTunes als alleinige Bezahlplattform für Abos etablieren. Google erklärt, dass es unbedingt den Verlagen ihre Kundendaten überlassen wolle. Reine Imagepflege oder der Kampf der Bezahlsysteme?

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Google gab zum richtigen Zeitpunkt den Start von Google One Pass bekannt. Die Bezahl-Lösung soll es Medienunternehmen ermöglichen, Abonnements, einzelne Artikel und anderen Content einfach online zum Kauf anzubieten. Die Besucher von Verlagsangeboten im Internet können mit Hilfe von One Pass durch einmaliges Einloggen sämtliche Inhalte erwerben, die auf der Basis von One Pass angeboten werden. Zudem sollen einmal mit One Pass erworbene Artikel auf einer Vielzahl von Endgeräten wie Laptops, Smartphones oder Tablet-Rechnern abgerufen werden. Unter anderem räumt Google den Verlagen die Möglichkeit ein, selbst zu entscheiden, was sie verlangen und wie die Angebote strukturiert sind. Vom Einmal-Tagespass bis zum Abo soll alles möglich sein.

Der Zeitpunkt könnte für Google nicht besser gewählt sein, nachdem sich die Wut der Verlegerverbände gegen Apple auf einem neuen Höhepunkt befindet. Die Verbände kritisieren, dass "nach den Apple-Bedingungen Vergünstigungen an Abonnenten anderer Zeitschriften oder Koppelprodukte nicht möglich sind". Stattdessen würden jetzt Standardisierungen verlangt. Die Folge soll sein: "Verlage, die bislang plattformübergreifende Lösungen anbieten, müssen die den Nutzern zu Gute kommenden Funktionalitäten einschränken oder beenden." Der VDZ und der BDZV fordern die "volle Wahlfreiheit und Gleichberechtigung", die "freie Entscheidung der Verleger über die Ausgestaltung der Angebote auch innerhalb von Apps" und die "Unterbreitung von Angeboten in den von Verlagen programmierten Apps, die der Verlag direkt an die Kunden richtet".

Passend dazu erklärte Eric Schmidt gestern: "Es sind ihre Informationen. Wir holen sie zwar ein, wir werden sie aber nicht ohne die Erlaubnis der Verlage selbst nutzen. Die Verlage bekommen alles – und können damit machen, was sie wollen. Wir halten die Daten ihrer Kunden nicht zurück."

Eine derbe Spitze gegen Apple. In deren neuen Richtlinien für Verlags-Apps heißt es, dass Abos, die bisher außerhalb des AppStores (so wie bei Pubbles) angeboten wurden, künftig nicht mehr günstiger sein dürfen als die, die im AppStore angeboten werden. Somit entfällt für Verlage die Möglichkeit, ohne Verluste durch Apples Maklergebühr von 30 Prozent Kunden ein Digital-Abo schmackhaft zu machen. "Unsere Philosophie ist einfach: Wenn der Verleger einen bereits geworbenen oder neuen Abonnenten zur App bringt, behält der Verlag 100 Prozent und Apple verdient nichts", erklärte Apple-CEO Steve Jobs in einer Pressemitteilung.

Noch ärgerlicher für Verlage dürfte allerdings die Tatsache sein, dass künftig keine Links von den eigenen Apps auf eigenen Abo-Angebote zu setzen. So heißt es: "Die Verleger dürfen keine Links mehr in ihren Apps setzen, die den Kunden gestatten, Inhalte oder Abonnements außerhalb der App zu erwerben."

Während Google nämlich nur 10 Prozent der Umsätze durch One Pass verlangt, will Apple bei InApp-Verkäufen über den App Store gleich 30 Prozent des Umsatzes haben. Eigentlich eine einfache Rechnung. Doch ganz so einfach ist sie dann doch nicht. Denn Apple hat einen entscheidenden Vorteil: die Hardware. Das 14 Millionen Mal verkaufte iPad und das beliebteste Smartphone: das iPhone. Google hat zwar sein Betriebssystem Android, das auf immer mehr Smartphones und Tablets Anwendung findet, aber gleichzeitig einen unüberschaubaren Markt an Geräten. Dafür verfügt der Internetriese über eine Fülle von Webtools, die in der Cloud arbeiten. So dürfte, wenn man von einem Kampf redet, die Kontrahenten eher App und Webseite heißen. Denn letzten Endes ist One Pass nichts anderes als eine leicht zu bedienende Bezahlschranke, die Verlage ohne großen technischen Aufwand in ihre Seiten integrieren können.

Das dürfte die App-Problematik um zu hohe Abgaben an Apple aber nicht lösen. Denn Verleger sahen Apples AppStore vor allem als Möglichkeit, ihre Printprodukte auf digitalen Endgeräten zu verkaufen. Verlagsübergreifende Dienste wie Pubbles, die ePaper für Tablets und Smartphones zur Verfügung stellen, lassen sich zwar auch über den Browser nutzen. Allerdings ist die Zielgruppe die der Tablet-User. Und Apple macht klar, dass Dienste wie Googles One Pass künftig nicht mehr Appstore erscheinen dürfen, da sie auf externe Angebote verlinken.

Gleichzeitig hat Apple klar die Nase vorn, was das Bezahlen digitaler Inhalte angeht. Der Kauf von Apps läuft einfach, schnell und transparent ab. Ob Google mit seinem One Pass ein ähnliches User-Vertrauen im normalen Web aufbauen kann, bleibt abzuwarten. So lässt sich schlussendlich nicht festmachen, welche der Bezahlplattformen das Rennen machen wird. Denn originär verfolgen sie andere Ziele. Jetzt liegt es in der Hand der Verlage, ihre Angebote für eine der beiden Technologien fit zu machen.

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