Ägypten: Mob verprügelt CBS-Reporterin

Während die Welt die Revolution in Ägypten feiert, sind einige Journalisten Opfer von gewalttätigen Übergriffen geworden. Der prominenteste Fall wurde vergangene Nacht bekannt, als der US-Sender CBS die Misshandlung seiner Reporterin Lara Logan öffentlich machte. Die 39-jährige Emmy-Gewinner wurde am vergangenen Freitag auf dem Tahrir-Platz in Kairo von einer Menschenmenge attackiert und sexuell genötigt. Logan befindet sich inzwischen in einem US-Krankenhaus.

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Der Grat zwischen journalistischer Courage und der Tatsache, sich bewusst einer Gefahr auszusetzen, ist schmal. Richard Gutjahr, TV-Journalist und gut vernetzter Blogger, berichtete  so authentisch wie kaum ein zweiter von den Schicksalstagen in Kairo. Eine Woche vor dem Rücktritt Mubaraks trat Gutjahr selbst den Rückzug an: "Ich hau ab. Das wird mir zu heiß", twitterte der Moderator einer Abendsendung im Bayerischen Rundfunk.

Von "Raufereien" berichtete Gutjahr, das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) wartete schon wenig später mit Zahlen auf: Dutzende Journalisten seien angegriffen und festgenommen worden, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte die Übergriffe als "inakzeptabel" und "katastrophal". Inzwischen ist die Zahl der verletzten Journalisten nach CPJ-Angaben dreistellig.

Übergriff bei Jubelfeier
Seit gestern Abend haben die Übergriffe auf Journalisten ein Gesicht. Es ist das der renommierten CBS-Korrespondentin Lara Logan, die bereits während des Afghanistan-Konflikts für den US-Sender berichtete. Die gebürtige Südafrikanerin wurde nach Angaben des Senders am vergangenen Freitag unmittelbar nach Bekanntwerden des Rücktritts von Hosni Mubarak auf dem Tahrir-Platz in Kairo attackiert.

Logan wollte für die CBS-Sendung "60 Minutes" von den Jubelfeiern berichten, wurden dann aber von einem 200 Menschen umfassenden Mob umringt, von ihrem Kamera-Team und Sicherheitskräften getrennt, brutal verprügelt und sexuell genötigt, teilte der US-Sender mit.

Logan sei dann von einer Gruppe von Frauen und 20 ägyptischen Soldaten befreit worden, hieß es weiter. Die CBS News-Chefkorrespondentin ist inzwischen in die USA zurückgekehrt und befindet sich in einem Krankenhaus. Logan wurde in der Vergangenheit mehrfach für ihre journalistische Arbeit ausgezeichnet, unter anderem mit dem Emmy Award, dem "Oscar" der TV-Branche.

Update 17.02.2011, 12.08 Uhr: Der Vorfall sorgte unter US-Journalisten für heftige Diskussionen. Wie die taz-Korrespondentin Dorothea Hahn berichtet, habe der Journalist Nir Rosen getwittert: “Natürlich ist das übel. Aber es wäre schon lustig gewesen, wenn dasselbe auch Anderson Cooper passiert wäre.” Und weiter: “Jetzt, wo sie eine Märtyrerin ist, sollten wir ihre Rolle als Kriegstreiberin zumindest nicht ganz vergessen.” Daraufhin habe er seinen Job an der New York University abgeben müssen.

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