Anzeige

So hebelt Apple App-Pläne der Verlage aus

Lange wurde gemutmaßt, jetzt ist es offiziell: Apple hat die für Verlage so wichtigen neuen Richtlinien für Abos innerhalb von Apps bekanntgegeben. Die fallen aber keineswegs zur Freude der Verlage aus. Demnach können diese zwar entscheiden, welche Art von Abos sie anbieten müssen. Auch leitet der Konzern bei Zustimmung der User Kontaktdaten weiter. Allerdings verbietet Apple künftig das Setzen von Links auf externe Aboseiten und verbietet günstigere Abomodelle außerhalb des Appstores.

Anzeige

Erste Details waren schon bei der Vorstellung von Rupert Murdochs iPad-only-Zeitung The Daily bekannt geworden. Bei The Daily kann der Kunde zwischen einem Wochen- oder Jahresabo wählen. Die App fragt bei Abo-Abschluss, ob sie Daten wie die Postleitzahl, Name und Mail-Adresse an den Verlag weiterleiten darf. Mit diesem Passus behält Apple es sich in den AGBs vor, Kundendaten von Abonnenten an den Anbieter der App weiterzugeben.

Für sieben Tage werden 99 Cent fällig, für ein Jahr 39,99 Dollar. Der Betrag wird bei Abschluss eines Digital-Abos sofort fällig und umgehend abgebucht. Ab diesem Zeitpunkt läuft das Abonnement. Dieses verlängert sich automatisch, bis der Kunde es in seinem iTunes-Konto ändert. Nun ist klar, dass Verlage Abos wochen-, monats- und jahresweise anbieten dürfen.

In den neuen Richtlinien heißt es, dass Abos, die bisher außerhalb des AppStores (so wie bei Pubbles) angeboten wurden, künftig nicht mehr günstiger sein dürfen als die, die im AppStore angeboten werden. Somit entfällt für Verlage die Möglichkeit, ohne Verluste durch Apples Maklergebühr von 30 Prozent Kunden ein Digital-Abo schmackhaft zu machen. "Unsere Philosophie ist einfach: Wenn der Verleger einen bereits geworbenen oder neuen Abonnenten zur App bringt, behält der Verlag 100 Prozent und Apple verdient nichts", erklärt Apple-CEO in der Pressemitteilung.

Noch ärgerlicher für Verlage dürfte allerdings die Tatsache sein, dass künftig keine Links von den eigenen Apps auf eigenen Abo-Angebote zu setzen. So heißt es: "Die Verleger dürfen keine Links mehr in ihren Apps setzen, die den Kunden gestatten, Inhalte oder Abonnements außerhalb der App zu erwerben."

Christian Stöcker von Spiegel Online fasst die Skurrilität dieser Maßnahmen treffend zusammen: “Der Kioskbesitzer verkauft künftig selbst Abonnements, nimmt dafür aber eine Marge von 30 Prozent. Den Verlegern aller Zeitschriften, die er in seinem Kiosk anbietet, verbietet er, Abo-Werbung in ihre Hefte zu drucken.”

Auch wenn jetzt Klarheit in der Frage nach einem stringenten Abo-Modell besteht, fühlen sich die Verleger betrogen. Die International News Media Association (INMA) lädt aus diesem Grund Branchen-Vertreter zu einem Krisentreffen am 17. Februar nach London ein. Dort will man seine Reaktionen koordinieren. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen laut der Einladung die Fragen, wer wie viel von den Einnahmen abbekommt, wer die Kundendaten hält und wie zukünftige Geschäftsmodelle aus Sicht der Verleger aussehen könnten.

Die Kritik richtet sich dabei nicht allein auf die Weitergabe der Kundendaten, sondern in erster Linie um Apples Anteil am Umsatz. Denn pro In-App-Geschäft müssen Verleger 30 Prozent der Einnahmen an Apple abgeben. Auch für Abos. Die neuen AGBs werden wohl auf vielen Seiten noch für Zündstoff sorgen.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige