“Wetten dass..?”: Es kann nur einen geben

Thomas Gottschalk hat am vergangenen Samstag seinen Rücktritt als “Wetten dass..?”-Moderator verkündet. Die Diskussion, wer seine Nachfolge antreten könnte, ist schon kurz danach in vollem Gange. MEEDIA diskutiert die Vor- und Nachteile der möglichen künftigen “Wetten dass..?”-Moderatoren Hape Kerkeling, Jörg Pilawa, Matthias Opdenhövel, Markus Lanz, Günther Jauch Stefan Raab - und Thomas Gottschalk selbst.

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Hape Kerkeling

Pro:
Hape Kerkeling gilt als absoluter Wunsch-Kandidat – sowohl des ZDF, als auch des Publikums. Gerade erst hat Kerkeling bei der "Goldenen Kamera" im ZDF bewiesen, wie gut er eine große Samstagabend-Show präsentieren kann. Kerkeling hat einen natürlichen Witz, der nicht platt ist, aber auch niemanden verletzt. Außerdem hat er ein breites Sammelsurium an beliebten Kunstfiguren (Horst Schlämmer, Uschi Blum usw.), die er in der Show einsetzen könnte.

Contra:
Immer wieder war zu hören, dass Kerkeling der Wunsch-Nachfolger des ZDF für Thomas Gottschalk sei. Das ZDF soll auch in der Vergangenheit schon oft versucht haben, Kerkeling stärker an den Sender zu bieten – aber Kerkeling wollte nie. Offenbar fühlt er sich mit seinen eher unverbindlichen TV-Engagements – mal bei RTL, mal beim ZDF – ganz wohl. Mit seinem Pilgerbuch “Ich bin dann mal weg!” ist Kerkeling zudem eine Ikone des Entschleunigungtrends. Ob er sich den Quoten-Mühlstein der letzten großen Samstagabendshow klassischen Zuschnitts um den Hals hängen würde, ist mehr als fraglich.

Jörg Pilawa

Pro:
Jörg Pilawa ist bereits beim ZDF unter Vertrag, und er kann Shows aller Art moderieren. Außerdem genießt Pilawa vor allem bei mittelalten bis älteren Damen unter den Zuschauern hohes Ansehen, weil er so nett ist. Pilawa ist eine Art Allzweckwaffe für jeden TV-Sender und jede Gelegenheit. Laut der Bild-Zeitung gab es bereits mündliche Absprachen zwischen Pilawa und ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut, dass er als Gottschalk-Nachfolger zuerst gefragt werden müsse.

Contra:
Aber dass das ZDF Pilawa zuerst fragt, heißt ja noch lange nicht, dass er auch den Zuschlag bekommt. Deutschlands TV-Kritikern läuft kollektiv ein Gruselschauer über den Rücken, wenn sie an Pilawa bei “Wetten dass..?” denken. Er gilt als nett, aber belanglos und langweilig. Während Gottschalk immer wieder in Fettnäpfchen trat oder den Altherren-Witz überstrapazierte, verhält sich Pilawa unauffällig. Für das ZDF wäre Pilawa also wahrscheinlich nur eine Notlösung, falls sich gar niemand anderes von Format findet.

Matthias Opdenhövel

Pro:
Er gilt in der Reihe der möglichen Gottschalk-Nachfolger als eine Art Joker. Groß geworden beim Musiksender Viva moderiert er vor allem TV-Events von Stefan Raab. Das macht er allerdings frisch und souverän mit einem deutlichen Talent für spontanes Reagieren.

Contra:
Dem älteren Teil des "Wetten dass..?"-Publikums – und das sind viele – dürfte Matthias Opdenhövel komplett unbekannt sein. Und das wird das ZDF nicht wollen. Den Show-Tanker “Wetten dass..?” kann nur ein TV-Gesicht mit an Bord nehmen, das die Stammzuschauer bereits kennen. “Wetten dass..?” ist für Opdenhövel einfach eine Nummer zu groß – noch.

Markus Lanz

Pro:
Markus Lanz steht, wie Pilawa, bereits beim ZDF unter Vertrag. Auch er wurde zum Sender geholt mit der Perspektive, irgendwann in ferner Zukunft vielleicht als Gottschalk-Nachfolger parat zu stehen. Nun ist diese Zukunft schneller gekommen als gedacht. Lanz hat bisher beim ZDF einen guten Job gemacht. Er hat mit seiner nächtlichen Talkshow die Lücke von Johannes B. Kerner schnell ausgefüllt. Kaum jemand dürfte Kerner beim ZDF vermissen. Weder die Zuschauer, noch die Programm-Verantwortlichen. Als das ZDF Jörg Pilawa holte, zeigte Lanz zudem Kampfgeist und verteidigte seine Show gegen den neuen, netten Rivalen.

Contra:
Markus Lanz ist zwar nicht so sehr eine Hass-Figur für die Kritiker wie Pilawa, hat aber das Image des netten, belanglosen Plauderers. Zwar versucht er immer wieder mit spektakulären Aktionen – wie seiner Grönland-Expedition – gegen das Image des Langeweilers anzukämpfen, was aber nur bedingt gelingt. Sollte das ZDF ihn zu “Wetten dass..?” holen, wäre womöglich Pilawa ernsthaft sauer. Umgekehrt würde es Lanz wohl wenig jucken, wenn er seine Talkshow, an der er sichtlich Spaß hat, weitermachen kann.

Günther Jauch

Pro:
Günther Jauch ist im deutschen TV natürlich alles und mehr zuzutrauen. Er ist der beliebteste Deutsche und bekannt bei Jung und Alt. Gerade ältere Zuschauer erinnern sich noch wohlig an die gute, alte TV-Zeit, als der Tommy und der Günther zusammen lustig von der Berliner Funkausstellung moderiert haben. Gottschalk und Jauch verbindet eine gemeinsame Vergangenheit beim Bayerischen Rundfunk. Außerdem war er schon mal Gottschalk-Nachfolger. In den Achtzigern moderierte er zeitweise im ZDF die Show "Na siehste!", ein Nachfolgeprogramm für das von Gottschalk aufgegebene "Na sowas!". Für viele Zuschauer wäre Jauch darum auch der ideale Ersatz für den scheidenden Gottschalk.

Contra:
Die alten “Günther & Tommy Zeiten” sind längst vorbei. Jauch hat einen ganz anderen Weg als Gottschalk eingeschlagen. Er hat mit “Wer wird Millionär?” bei RTL ein Format gefunden, das zu ihm passt wie ein gut geschnittener Maß-Anzug. Zudem stellt er sich in der ARD der Herkules-Herausforderung, der sonntagabendlichen Polit-Talkshow neues Leben einzuhauchen. Keine Frage: Stünde Jauch zur Verfügung, würde das ZDF ihn sicher gerne nehmen. Aber Günther Jauch steht für eine “Wetten dass.?”-Moderation leider in keinster Weise zur Verfügung.

Stefan Raab

Pro:
Stefan Raab wurde im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Er hat mit “Unser Star für Oslo” bewiesen, dass er auch mit öffentlich-rechtlichen Sendern überaus erfolgreich zusammenarbeiten kann. Er gilt gemeinhin als derjenige, der die Samstagabendunterhaltung im TV in eine neue Zeit geführt hat. Seine Show “Schlag den Raab!” ist vielleicht so etwas wie das “Wetten dass..?” der jüngeren Generation.

Contra:
Und genau deshalb hat Raab keinen Grund, die alte Show, die einst Frank Elstner erfunden hatte, zu übernehmen. Für Stefan Raab wäre eine “Wetten dass..?”-Moderation ein Rückschritt. Zudem ist er beim älteren Publikum eher unbeliebt und müsste sich bei der Moderation stark zurückhalten – nicht gerade seine Stärke. Keine Frage: Raab hat das Format und das Charisma, das eine so große Sendung verlangt, aber er passt nicht zum Format und nicht zum Sender. Das wissen sowohl das ZDF, als auch Raab.

Thomas Gottschalk

Pro:
Gottschalk als Nachfolger von Gottschalk. Das wäre für einige die Traum-Konstellation. Nach einer Phase der Läuterung könnte es sich Gottschalk nochmal überlegen und “Wetten dass..?” in überarbeiteter Form weitermachen – bis in alle Ewigkeit. Er hat das ja schon mal gemacht: die Moderation abgegeben und ist dann wiedergekommen. Und das Format “Wetten dass..?” passt zu Gottschalk so gut wie zu keinem anderen.

Contra:
Thomas Gottschalk ist zwar ein Großmeister der leichten Unterhaltung, aber er weiß auch, wie schwer leichte Unterhaltung ist. Es ist ihm abzunehmen, dass ihn der schlimme Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch tatsächlich erschüttert hat und die Sinnfrage stellen ließ. Solche Überlegungen haben eine andere Qualität als die Quotendiskussion oder die ewigen Vergleiche mit den Bohlen-Shows bei RTL. Für Gottschalk markierte der Unfall wohl eine echte Zäsur. Er selbst hat gesagt, dass seine Entscheidung irreversibel sei. Es ist davon auszugehen, dass das stimmt.

Fazit: Alle Kandidaten haben ihre Vor- und Nachteile. Wir entscheiden uns bei unserer Prognose für die Variante, die dem Sender, der Show und dem Publikum am meisten zu wünschen wäre, obwohl es die Variante ist, die mit am schwersten umzusetzen ist: Hape Kerkeling! Er steht wie kein Zweiter für den großen gemeinsamen Nenner in der TV-Unterhaltung. Jung und Alt, Doof und Schlau – jeder kann Kerkeling gut finden. Jetzt muss er es nur noch selbst wollen.

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