Der Strippenzieher beim Lierhaus-Comeback

Der aktuelle Spiegel zeichnet in der bemerkenswerten Analyse “Anatomie eines Comebacks” ein ganz und gar unsentimentales Bild des viel beachteten Auftritts der ehemaligen ARD-Sportmoderatorin Monica Lierhaus bei der Goldenen Kamera. Akribisch zeigen die Spiegel-Reporter auf, welche Verbindungen es hinter den Kulissen zwischen Lierhaus’ Lebensgefährten Rolf Hellgardt und der Produktionsfirma der Goldenen Kamera gab.

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Dass Hellgardt selbst TV-Produzent ist, war vielen aus der Branche bekannt. Die Details, die der Spiegel nun mit kühlem Blick aufreiht, lassen den Auftritt von Monica Lierhaus aber in einem anderen, deutlich nüchterneren Licht erscheinen als bisher. Hellgardt ist Geschäftsführer der TV-Produktionsgesellschaft White Balance, die unter anderem das “Starquiz” im Ersten und noch zahlreiche weitere Shows für die ARD produziert.

Monica Lierhaus lernte er kennen, als diese noch das Sat.1-Boulevardmagazin “Blitz” moderierte, das ebenfalls vom ihm produziert wurde. Nun sitzt Hellgardts White-Balance-Firma auf demselben Gelände wie die TV-Produktionsfirma Schwartzkopff TV, die zum Axel-Springer-Konzern gehört, der auch die Goldene Kamera veranstaltet. Schwartzkopff TV ist auch technischer Ausrichter der Sendung. Redaktionell wird die Goldene Kamera von der Angenehme Unterhaltungs GmbH betreut.

Laut Spiegel entstammt die Idee, Monica Lierhaus bei der Goldenen Kamera zu präsentieren, aus diesem Umfeld. Zudem habe Hellgardt selbst bereits im Jahr 2009 enge Kontakte zur ARD-Fernsehlotterie “Ein Platz an der Sonne” geknüpft. Mit Erfolg. Lierhaus ist die neue “Ein Platz an der Sonne”-Frau der ARD und bekommt dafür laut Spiegel 450.000 Euro pro Jahr. Die Existenz ist damit fürs erste gesichert.

Der Spiegel schreibt: “Alle Akteure funktionierten wie Zahnrädchen in einer gut geölten Quotenmaschine – allen voran Lierhaus‘ Lebensgefährte Rolf Hellgardt, der mittlerweile, so heißt es, fein unterscheidet zwischen Monica 1 und Monica 2.” Das ist eine kalte Sprache, die so gar nicht passen will zur ganzen Betroffenheit und Bewunderung, die sich kurz nach dem Lierhaus-Comeback in den Medien breitmachte. Der Auftritt von Monica Lierhaus war berührend und mutig, Punkt. So schien die herrschende Meinung zu sein. Mit dem Springer-Verlag und seiner Bild-Gruppe hatten Monica Lierhaus und Rolf Hellgardt die lautesten Krawall-Medien ohnehin schon mit im Boot.

Auch ZDF und ARD blieb und bleibt nichts anderes übrig, als mitzuspielen. Der Auftritt hat beide Sender unter großen Druck gesetzt. Das ZDF hatte gemeinsam mit Bild und BamS seinen Scoop, die ARD hat Lierhaus zurück – ob sie will oder nicht. Und in der zweiten Reihe versuchten auch diejenigen Medien mit dem Foto der gezeichneten Monica Lierhaus zu punkten, die nichts vom Exklusiv-Kuchen abbekommen hatten.

Es tut fast weh, die Analyse “Anatomie eines Comebacks” im Spiegel zu lesen – so mitleidlos und kaltherzig ist sie geschrieben. Aber Mitleid und Betroffenheit sind nicht gerade die besten Reporter-Tugenden. So besehen ist der Text ein Stück in bester Spiegel-Tradition.

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