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Wie Mubarak die Medien narrte

Der Donnerstag-Abend war die Chronik eines nur angekündigten Rücktritts. Experten und Medien waren sich bis kurz vor 22 Uhr sicher, dass der ägyptische Präsident Hosni Mubarak seinen Rücktritt bekanntgeben würde. Doch genau das hat er dann in vielen verschwurbelten Sätzen nicht gemacht. Es zeigte sich, dass die Prognosen im Vorfeld nichts wert waren. Und es zeigte sich, dass das ZDF mit der verworrenen Info-Lage besser umgehen konnte als die ARD.

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Dabei waren beide großen öffentlich-rechtlichen Sender diesmal sichtlich bemüht, alles richtig zu machen. Die geballte Kritik in den vergangenen Tagen, an der zögerlichen Berichterstattung von ARD und ZDF in Sachen Ägypten hat offenbar gewirkt. Die ARD sendete im Anschluss an die "Tagesschau" einen "Brennpunkt" und scheute sich auch nicht, das "Star Quiz" mit Kai Pflaume für eine Extra-Ausgabe der "Tagesthemen" zu unterbrechen, als Mubarak seine mit Spannung erwartete Rede begann.

Das ZDF hatte es vom Programmablauf her ein bisschen einfacher. Zufällig fiel der Beginn der Mubarak-Rede fast mit dem Beginn der regulären Ausgabe des "heute journals" zusammen. Im direkten Vergleich machte das ZDF aber danach den besseren, weil souveräneren Job. Zunächst einmal war die Simultan-Übersetzung der Mubarak-Rede im Ersten ziemlich schlecht, weil sehr verworren. Dann blendete die ARD die Rede noch vor deren Ende aus. Moderator Tom Buhrow tat aber eine Weile so, als sei die Rede zu Ende gewesen. Man schaltete hastig zu einer Mitarbeiterin, die die Reaktionen der Jugend im Netz auf die Rede erklären sollte. Doch da gab es noch keine Reaktionen, die Rede war ja auch noch gar nicht richtig vorbei gewesen.

Die Leitung zur Korrespondentin wurde jäh abgebrochen und es wurde zu einer überrumpelten Hanni Hüsch nach Washington geschaltet und dann noch zu einem Korrespondenten nach Tel Aviv, der nur lapidar mitteilen konnte, das es keine Reaktionen gibt. Anschließend fasste Buhrow den ausgeblendeten Teil der Mubarak-Rede zusammen, schaltete erneut zum Kairo-Korrespondenten Dirk Armbruster, bedankte sich bei den Zuschauern fast entschuldigend für die Geduld und wirkte erleichtert, als er endlich wieder zum "Star Quiz" zurückschalten konnte.

Das Um-Verzeihung-Bitten für die aktuelle Berichterstattung wäre gar nicht nötig gewesen, denn beim Publikum kam die Hardcore-Politik an. Die technisch holprige Extra-Ausgabe der "Tagesthemen" war mit 6,2 Millionen Zuschauern beim Gesamtpublikum und stattlichen 20,1 Prozent Marktanteil sogar die meistgesehene Sendung des Tages. Das "Star Quiz" davor und danach hatte jeweils weniger Zuschauer Die Zuschauer sind an Politik offenbar gar nicht so uninteressiert, wie manchmal in den Sendezentralen gedacht wird.

Trotzdem bekamen die Zuschauer des "heute journals" im ZDF die bessere, weil kompaktere und souveräner präsentierte Informationssendung geboten. Hier hatten die Macher den Mut, während der gesamten Rede Mubaraks draufzubleiben. Auch konnte man der Übersetzung im ZDF inhaltlich leichter folgen. Gleich danach gab es eine knappe aber treffende Einordnung Claus Klebers im Gespräch mit dem langjährigen Kairo-Korrespondenten des ZDF: "Er hat völlig an seinem Volk vorbeigeredet oder habe ich was überhört?" Auch die Schalte nach Washington durfte nicht fehlen und auch der aktuelle Kairo-Korrespondent Dietmar Ossenberg machte einen souveränen Job.

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