Nokia und Microsoft greifen Apple an

Nokia und Microsoft wollen im Smartphone-Geschäft kooperieren. Damit verbünden sich der weltgrößte Handyhersteller und das führende Software-Unternehmen gegen Apple, Google und Co. Die Partnerschaft verdeutlicht eines: Nokia und Microsoft fürchten sich vor den aufstrebenden Internetfirmen. In ihren Branchen verlieren beide Marktanteile. Im Smartphone-Geschäft steht Google mittlerweile sogar auf Platz eins – vor Nokia. Und Microsoft vergeigte bisher jeden Angriff auf den Handy-Markt.

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In dem nun abgeschlossenen Deal stellt Microsoft das Betriebssystem Windows Phone zur Verfügung, Nokia bringt die Hardware und seine mobile Kartensoftware ein. Außerdem integrieren die Unternehmen die Suchmaschine Bing, das Office-Paket und die Spieleplattform Xbox Live, geht aus einem offenen Brief hervor. Ebenso wird es App-Entwicklerwerkzeuge von Microsoft geben. Diese Liste lässt erahnen, wie vielseitig das Betriebssystem Windows Phone ist. Aber dass der Redmonder Konzern mit Nokia kooperiert, zeigt auch, dass er es nicht wagt, noch einmal mit eigenen Smartphones an den Markt zu gehen. Sein Kin-Handy war bei dem Versuch, Apples iPhone und Googles Android-Plattform anzugreifen, im vergangenen Jahr brutal gefloppt.

Auch für Nokia mutet die Zusammenarbeit eher wie eine Zwangsehe als wie eine Traumhochzeit an. Mitte der Woche hatte der neue Nokia-Konzernchef Stephen Elop die Lage für sein Unternehmen mit der auf einer "brennenden Ölplattform" verglichen. Der Handyhersteller war lange die Nummer eins in seiner Branche. Im vierten Quartal 2010 überholte Google den finnischen Konzern aber sowohl was die ausgelieferten Geräte als auch den Marktanteil angeht. Mit 32,9 zu 30,6 Prozent steht das Internetunternehmen laut dem Marktforschungsinstitut Canalys vor Nokia. Apple folgt mit 16 Prozent auf dem dritten Platz unter den Handyherstellern.

Analysten halten die Kooperation der beiden Unternehmen für eine Verzweiflungstat. "Diese Partnerschaft gründet auf der Angst beider Seiten, von Apple und Google an den Rand gedrückt zu werden. Aber sie ist keine Patentlösung für die Probleme", urteilte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist eine Offenbarung, dass Nokia mit seiner Plattform-Strategie auf ganzer Linie gescheitert ist und es betont den Ernst der Lage für das Unternehmen. Solch ein Schritt wäre noch vor 12 Monaten undenkbar gewesen."
Die Führungsspitze von Nokia wolle Elop mit nur einer Ausnahme unverändert lassen. Lediglich ein Topmanager müsse seinen Hut nehmen, berichtet Reuters. Im Vorfeld war spekuliert worden, dass Elop im großen Stil in der Managementetage aufräumt.

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