News, Magazine, Talk: RTL will Anreize

Die Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland, Anke Schäferkordt, dreht die Debatte um Nachrichten und Infotainment in den privaten Sendern weiter: Sie wünscht sich von der Politik stärkere Anreize für Journalistisches im Fernsehen. Eine radikale Kürzung ihrer Informations-Sendungen nach dem Vorbild der ProSiebenSat1-Gruppe konnte sie sich auf der Feier zum Zehnjährigen ihrer eigenen Journalistenschule aber ebenso wenig vorstellen wie RTL-Group-Chef Zeiler.

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"Wir begreifen uns als vollwertiges Rundfunkunternehmen", sagte die RTL-Chefin am Donnerstagabend auf dem hauseigenen Empfang. Einen Ansatz wie ihn der Münchner Mitbewerber gewählt habe, das radikale Kürzen von News und Infotainment und das Out-Sourcing bisher eigener Redaktionen, passe "nicht zu dem Profil unserer Gruppe", sagte sie. Nur eigene Redaktionen garantierten eine "eigene journalistische Handschrift". Journalismus sei zudem "unverzichtbarer Bestandteil" ihres Angebots. Auch der zur Debatte zur Zukunft der Information im Privatfernsehen angereiste RTL-Group-Chef Zeiler sagte: "Man kann doch nicht die Nummer eins sein, ohne dabei dem Wunsch der Zuschauer nach professionellem Journalismus nachzukommen."
Schäferkordt, Chefin der deutschen TV-Aktivitäten der RTL-Group, mahnte indes, es brauche eine Reform der Rundfunkregulierung – speziell, um die zu belohnen, die der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht würden und teure journalistische Inhalte produzierten. "Ziel der Ordnungspolitik müsste sein, Informationsprogramme zu unterstützen", so Schäferkordt. Es sei "an der Zeit, den Grundgedanken der Regulierung vom Zwangs- zu einem Motivationssystem umzubauen". Entsprechende Anreize für Sender, die auf News und journalistische Magazine setzten, könnten etwa "Benefits" bei der Platzierung in Programmführern sein, sagte die Betriebswirtin mit konkretem Blick auf die britische Medienregulierung. Sie fragte: "Warum wird das gesellschaftlich Relevante und Gewollte nicht gefördert?" Auch denkbar, wie hinter den Kulissen zu erfahren war: Pluspunkte für neue Werbeformen wie die Unterbrechung von Nachrichten-Sendungen mit Werbung (bisher verboten) oder aber die Erlaubnis, das Programm häufiger als bisher mit einzelnen Spots unterbrechen zu dürfen.
Jürgen Brautmeier, Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen, gab sich an Schäferkordts Wunsch nach Anreizen schon mal interessiert. Auf der RTL-Veranstaltung sagte er: "Warum verpflichten, wenn man locken kann? Ich brauche keine Mindestanforderungen für bestimmte Inhalte, wenn die Sender ein Eigeninteresse an ihnen entwickeln." Auf Zwänge will er aber offensichtlich nicht völlig verzichten. Brautmeier sagte, es müsse eher das Verhältnis "zwischen Fördern und Fordern" neu justiert werden. Dieser Aufgabe werde sich etwa das für Mitte März angesetzte jährliche Treffen der Landesmedienanstalten in Berlin annehmen.
All das ist eine Fortsetzung der Diskussion über die noch unbeantwortete Frage, wie viel Information privaten Sendern vorgeschrieben werden muss und wie viel Journalismus ihnen aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt diktiert kann. Angestoßen wurde sie von ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling. Der hatte die zentrale Nachrichtenredaktion seiner Gruppe, N24, samt dem gleichnamigen Sender im vergangenen Jahr an das N24-Management per Buy-Out verkauft: Nachrichten waren ihm zu teuer. Die Landesmedienanstalten drohten den Privatsendern daraufhin in einer ersten Reaktion mit zusätzlichen Pflichten. Schäferkordt warnte die Medienpolitik am Donnerstagabend indes und drohte indirekt sogar mit einer Gegenreaktion, denn: "Das könnte auch kontraproduktiv sein."
RTL-Lobbyist Tobias Schmid hatte sich schon während der Debatte um die Zukunft von N24 für Anreize ausgesprochen. Der Berliner Zeitung sagte er damals, im Dezember 2009: "Was wäre denn davon zu halten, wenn man das gesellschaftspolitisch Gewollte und das ökonomisch Sinnvolle nicht gegeneinander arbeiten lässt, sondern es sich gegenseitig potenzieren ließet?" Es könne "perspektivisch nicht sein, dass Sender, die aufwändige und schwer zu refinanzierenden Programme wie Nachrichten bieten, unterm Strich ökonomisch schlechter gestellt werden als die, die das nicht tun." Mit dem öffentlichen Statement seiner Senderchefin aber hat die Diskussion über Anreize nun eine neue Qualität erreicht.

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