Gaming 3.0: eine Branche im Wandel

Europas Leitmesse für Casual-Spiele gastiert in Hamburg: 1.300 Experten geben auf der Casual Connect seit Dienstag ihr Wissen über Mobile-Gaming-Trends auf iPhone und Android, Browserspiele und Monetarisierung preis. Zum Start präsentierte Bigpoint-CEO Heiko Hubertz beeindruckende Zahlen für die Branche: Pro Monat spielen Nutzer 46.000 Jahre Online-Games. Allein bei Bigpoint würden eine Milliarde Micro-Transactions am Tag getätigt. Doch die Anforderungen an die Industrie verändern sich.

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Die Spiele-Zukunft nennt Hubertz "Gaming 3.0". Normal sei nicht mehr, in den Laden zu gehen oder den Versandhandel zu konsultieren, um ein 50-Euro-Spiel zu kaufen. Sondern "mobil, online und plattformübergreifend" müssten Games sein, um Nutzer langfristig an sich zu binden. "Play everywhere with everybody at any time", sagte er. Ihm schwebt vor, dass ein und dasselbe Spiel im Browser auf dem PC, auf dem mobilen Endgerät und möglicherweise auch auf dem internetfähigen Fernseher gespielt werden kann.

Android wird neue Mobil-Spieleplattform

In seiner Keynote "2011 & beyond: The Future of Games" riet Hubertz Entwicklern, ihre Arbeit deutlich zu beschleunigen. Mit jährlich neuen Versionen der Apple-Geräte iPhone und iPad sowie ständig neuen Android-Produkten hätten Entwickler nur noch wenige Monate, um ein Spiel fertigzustellen, nicht mehr Jahre wie es bei Konsolenspielen üblich sei.

Entwickler sollten sich Hubertz zufolge auch nicht auf ein Betriebssystem festlegen. Denn in absehbarer Zeit werde Apples iOS massive Konkurrenz von Googles Android bekommen. Er sagt: "Google unterstützt seine Entwickler besser beim Vertrieb der Mini-Programme als Apple." Sogar der Entertainment-Konzern Sony habe die Zukunftsfähigkeit von Android erkannt, weil er extra ein Spiele-Smartphone mit dem Betriebssystem entwickelt habe. Sony hatte während des Super Bowl mit dem Slogan "Android ist bereit zu spielen" das Playstation-Handy Xperia Play vorgestellt, das auf dem Google-Betriebssystem läuft.

Das Drei-Säulen-Modell zum Geldverdienen

Auch für die Monetarisierung von Spielen erwartet Hubertz einen Wandel. Vollpreisspiele würden zwar weiterhin existieren. Doch wer im Internet mit Games Geld verdienen wolle, müsse auf mehrere Modelle setzen: Abo-Zahlungen, Ingame-Werbung und Micro-Transactions. Hubertz erklärte sein Konzept am Beispiel eines Fußballschuhs in einem Browserspiel: Schuhe nutzen im Laufe der Zeit ab, aber wer ein Abo für seinen Schuh abschließe, könne ihn immer in bester Qualität einsetzen. Die Bolzer könnten zusätzlich mit einem Werbeschriftzug eines Herstellers gebrandet sein. Andere Gegenstände oder Aussehensmerkmale wie Frisuren oder Kleidung müssten per Micropayment zu geringen Cent- oder Eurobeträgen gekauft werden können.

Die Gamesbranche ist also, genau wie viele Verlage, auf der Suche nach neuen Monetarisierungsmöglichkeiten im Internet. Während die Bezahlmoral für journalistische Produkte im Web aber noch recht gering ist, erwarten Spieleentwickler ein lukratives Geschäft, das dem klassischen Box-Markt Konkurrenz machen kann. Dass allein bei Bigpoint eine Milliarde Micro-Transactions am Tag getätigt werden, befeuert die Hoffnungen der gesamten Industrie.

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