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AOL: HuffPo-Zukauf ist nicht zu teuer

Die Internet-Gemeinde ist sich einig: Die Übernahme der Huffington Post durch den früheren Online-Pionier AOL ist eine Verzweiflungstat, die nicht funktionieren kann. So ergebnisoffen der Coup erscheint – besonders teuer bezahlt war er mit 315 Millionen Dollar nicht. Zumindest wenn man frühere Internet-Content-Deals betrachtet, die gegenwärtige Dotcom-Euphorie und vor allem Umsatz- und Ergebnisschätzungen von Analysten betrachtet, hat AOL kaum zu viel bezahlt.

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Die Internet-Gemeinde ist sich einig: Die Übernahme der Huffington Post durch den früheren Online-Pionier AOL ist eine Verzweiflungstat, die nicht funktionieren kann. So ergebnisoffen der Coup erscheint – besonders teuer bezahlt war er mit 315 Millionen Dollar nicht. Zumindest  wenn man frühere Internet-Content-Deals betrachtet, die gegenwärtige Dotcom-Euphorie und vor allem Umsatz- und Ergebnisschätzungen von Analysten betrachtet, hat AOL kaum zu viel bezahlt.

Das Votum ist einstimmig und vernichtend: AOL und die Huffington Post, da wächst zusammen, was nicht zusammen gehört. Das mag ja sein – und wirft vor allem Fragen an den Emporkömmling Huffington Post auf, der seit Jahren als die Zukunft des Journalismus gehandelt wurde. Arianna Huffington wird sich tatsächlich die Frage gefallen lassen müssen, warum sie für 315 Millionen Dollar verkauft hat – nur für 315 Millionen Dollar.

„AOL war der einzige Partner, der für uns zum heutigen Zeitpunkt in Frage kam, denn wir standen nicht zum Verkauf“, erklärte die gebürtige Griechin gegenüber CNN. Das klingt nach einem Widerspruch an sich.  Denn wenn Huffington nicht verkaufen musste, warum tat sie es dann jetzt – und dann an eine verblichene Online-Marke, die nicht gerade zum dynamischen Image der Online-Postille passt? Diese Fragen muss die 60-Jährige für sich selbst beantworten.

About.com, Marketwatch, CNET: Frühere Content-Übernahmen waren teuer

Offen diskutiert werden dürfte jedoch darüber, warum kein höherer Preis drin war. Schon im vergangenen Jahrzehnt wurden für Online-Content-Angebote höhere Preise bezahlt: About.com ging 2005 für 410 Millionen Dollar an die New York Times, ein Jahr zuvor hatte der Dow Jones Verlag die Finanzseite Marketwatch.com für 520 Millionen Dollar übernommen – ganz zu schweigen von den 1,8 Milliarden Dollar die CBS für das Technologie-Universum CNET.com 2008 auf den Tisch legte.

In Tagen, in denen der Marktwert von Internetangeboten, die nur im Entferntesten mit Social Media zu tun haben, im Zuge der Facebook-Groupon-Twitter-Begeisterung explosiv zulegt, erscheinen 315 Millionen Dollar tatsächlich nicht besonders hoch.

Schnäppchen Huffington Post: 2012er KGV von 10

Erst recht nicht, wenn man auf die Fundamentaldaten blickt. Immerhin 50 Millionen Dollar soll die Huffington Post dieses Jahr umsetzen, ließen die in den Deal vertrauten Banker durchblicken. 2012, so rechnete Citigroup-Analyst Mark S. Mahaney auf Basis des Umsatzwachstums von 27 Prozent und der geplanten Kostensenkungen vor, läge das Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) des EBITDAs bereits bei 10.

„Das ist nicht billig, aber auch nicht gerade überteuert angesichts des Potenzials, des Umsatzwachstums, der jetzigen Profitabilität und der vorhandenen Aktivposten“, so Mahaney. Angesichts der Multiplen, die für Facebook, Groupon, LinkedIn & Co aktuell kursieren, erscheint AOLs bislang größte Übernahme der jüngeren Unternehmensgeschichte fast wie ei Schnäppchen.

Abgrechnet werden wird über Tim Armstrongs Geschicke als Retter des einstigen Online-Pioniers bekanntlich zum Schluss. Im Gegensatz zu früheren Übernahme-Exzessen wird sich der erste AOLer zumindest eines nicht vorhalten lassen müssen: Überteuert eingekauft zu haben.

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