„Kundenbeziehungen werden zur Black Box“

Geliebter Feind: Für viele Verlage ist Apples App-Ökonomie eines der erfolgsversprechenden Geschäftsmodelle für die kommenden Jahre. Problematisch ist dabei allerdings, dass der Technologie-Konzern jetzt mitten im Spiel die Regeln ändern will. Den Verlagen droht zum Teil der Verlust ihrer wertvollen Kundendaten und eine Erhöhung der Provisions-Abgaben. "Apple ist im Begriff, einen closed-shop aufzubauen, kontrolliert allein durch Apple", warnt VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner im MEEDIA-Interview. "Jetzt sind die Verleger aufgerufen, gegenzusteuern."

Anzeige

Wie sieht aktuell das Verhältnis der Verlage zu Apple aus?
Die Verlage stehen mit Apple in einem längerfristigen Vertragsverhältnis. Wie bei jedem anderen Geschäftsmodell sind auch die Verlage bei ihren Apps auf stabile Vertragsbedingungen angewiesen.

Sie spielen darauf an, dass Apple durch seine AGB-Änderung mitten im Spiel die Spielregeln ändern will?
Vereinfacht dargestellt sagt Apple nun: Ab jetzt schließt nicht mehr Ihr, liebe Verlage, die Verträge mit den Kunden, sondern wir. Und übrigens: Das kostet auch noch 30 Prozent Provision. Die Verlage belastet insbesondere, dass sie den Kontakt zu den Abonnenten verlieren. Das lässt die Endkundenbeziehungen zu einer Blackbox werden. Setzt Apple seine Vorstellungen durch, dann tappen die Verlage bald komplett im Dunkeln. Sie wissen dann nicht mehr, was ihre Leser wollen und welche Zielgruppen sie ihren Anzeigenkunden bieten können.

Warum macht Apple das?
Weil Marktmacht sexy ist. Apple ist im Begriff, einen closed-shop aufzubauen, kontrolliert allein durch Apple. Jetzt sind die Verleger aufgerufen, gegenzusteuern.

Wie wollen sie in diesem Fall gegen Apple vorgehen?
Eine Politik gegen Apple ist nicht unsere Priorität. Apple ist ein Marktpartner. Es gehört zu den Spielregeln, dass man auch Konflikte partnerschaftlich löst.

Laufen schon die Gespräche mit Apple?
Wir sind im Begriff, Kontakt aufzunehmen. Dabei ist die Geschlossenheit der Verleger wichtig, weil ein einzelner Verlag gegen einen Global Player wenig ausrichten kann.

Haben die deutschen Medienhäuser überhaupt eine Chance, um von Apple ernst genommen zu werden?
Wenn wir diese Chance nicht sähen, könnten wir uns gleich dem Diktat der Global Player beugen. Richtig ist, dass Internet-Giganten wie Google, Facebook oder Apple in der Gefahr sind, aus ihrem Verständnis von Marktmacht marktwirtschaftliche Strukturen zu vernachlässigen. Wenn aber der Wettbewerb als Treiber der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt wird, stehen wir am Beginn einer anderen Wirtschaftsordnung.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige