Die Riesen-Webwelle um ein vermisstes Kind

Im Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen wird seit vergangenem Freitag das Teenager-Mädchen Kim Fluchs vermisst. Die Polizei ermittelt in dem Fall. Der Vater des Mädchens kam auf die Idee, eine Vermissten-Anzeige bei Facebook zu veröffentlichen. Damit hat er eine Web-Welle von gewaltigem Ausmaß und ganz eigener Dynamik ausgelöst. Die zuständige Polizeidienststelle wurde mit Anrufen und E-Mail-Anfragen überschüttet.

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Mittlerweile hat Marco Fluchs, der Vater der vermissten Kim, seine Pinnwand bei Facebook geschlossen. Bis zum späten Montagabend war sie noch offen zugänglich, im Minutentakt trafen neue Kommentare ein. Teilweise fanden sich unter einem einzigen Pinnwand-Eintrag über 4.000 Kommentare. Diese stammten teilweise von Nutzern, die ihren Beistand ausdrückten und verkündeten, die Vermissten-Anzeige weitergeleitet zu haben. Andere hielten den Fall für einen üblen Internet-Scherz, einen so genannten “Hoax”, und beschimpften den Vater.

Die Vermissten-Anzeige bei Facebook und in anderen Netzen hat eine Web-Welle ausgelöst, die mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt hat, die sich nicht mehr kontrollieren lässt. Laut Auskunft der zuständigen Polizeidienststelle ist der Vermisstenfall echt. Das 15-jährige Mädchen Kim Fluchs soll zusammen mit einer Freundin ausgerissen sein, und das nicht zum ersten Mal. Laut Polizei gibt es derzeit keine Hinweise, dass eines der beiden Mädchen Opfer einer Straftat geworden sein könnte. Es wird aber weiter ermittelt.

Die zeitliche Nähe der Vermisstenanzeige bei Facebook zur Aufklärung des schrecklichen Mordfalles Mirko ließ die Facebook-Nutzer sofort Parallelen ziehen. Seit der Veröffentlichung der Anzeige bei Facebook wurde die Polizeidienststelle im Oberbergischen Kreis telefonisch und via E-Mail mit Anfragen von Nutzern geradezu bombardiert. Am Montagabend schließlich gab die Polizei eine Pressemitteilung heraus, in der sie darum bat, von weiteren Anfragen abzusehen. Der Link zur Pressemitteilung wurde vielfach bei Facebook, in Blogs und anderen Netzwerken weitergereicht. Laut Auskunft der Polizei sei es seitdem ein bisschen ruhiger geworden, es träfen aber noch immer zahlreiche Anfragen zu dem Fall ein.
Während der Verbleib des Mädchen in der realen Welt unklar ist, nimmt der Fall im Internet einen unschönen Lauf. Unbekannte haben bei Facebook neben einer Gruppe auch ein Profil für Kim Fluchs mit dem vom Vater veröffentlichten Foto angelegt und verweisen von diesem Profil aus auf teils geschmacklose Hoax-Seiten bei Facebook. Auch auf eine Gedächtnisseite für ein bei einem Verkehrsunfall gestorbenes Mädchen wird von der neu angelegten Kim-Fluchs-Seite aus verlinkt. Dort wiederum tobt eine Art Kommentar-Krieg zwischen Facebook-Trollen, die das verstorbene US-Mädchen beschimpfen und Nutzern, die sich (zurecht) über die Trolle aufregen.

Der Fall Kim Fluchs zeigt eindringlich, welche Macht und Dynamik ein soziales Netz wie Facebook innerhalb  kürzester Zeit entfalten kann. Der Fall zeigt aber auch, dass sich die Richtung einer solchen Web-Welle nicht kontrollieren lässt, sobald sie einmal ausgelöst wurde. Ob die vom Vater des Mädchens sicher in bester Absicht eingestellte Vermissten-Anzeige letztlich hilfreich ist oder die Suche der Polizei eher behindert, lässt sich schwer beurteilen. Wahrscheinlicher ist im vorliegenden Fall eher letzteres.

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