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Die offenen Fragen zum Lierhaus-Auftritt

Der überraschende und bewegende Auftritt der ehemaligen ARD-Sportmoderatorin Monica Lierhaus bei der Goldenen Kamera ist das Gesprächsthema am Wochenanfang. Nach zwei Jahren schwerer Krankheit und langer Zeit im Koma absolvierte sie ihren ersten öffentlichen Auftritt auf einer Live-Bühne vor einem Millionen-Publikum. Das Comeback von Monica Lierhaus hat viele Menschen berührt, wirft aber auch neue Frage aus. MEEDIA diskutiert fünf offene Fragen zu ihrem bemerkenswerten Auftritt.

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Warum der Auftritt zu diesem Zeitpunkt?

Die Reaktionen des Publikums beim Auftritt von Monica Lierhaus bei der Goldenen Kamera waren gemischt. Viele waren sichtlich gerührt, einige weinten sogar, andere schlugen sich erschrocken die Hände vors Gesicht. In die Bewunderung für den Mut und die Kraft von Monica Lierhaus mischte sich der Schock darüber, wie die Krankheit die Moderatorin verändert hatte. Obwohl ihr Zustand viel besser ist, als viele Ärzte aufgrund des schweren Befunds zu diesem Zeitpunkt für möglich gehalten hätten, waren die Spuren der Veränderung unübersehbar: die kleinen Trippelschritte, das wohl durch die starke Medikation vollere Gesicht, die abgehackten Bewegungen und vor allem eine deutlich veränderte, monotone Stimme. Warum sie diesen Auftritt zu diesem Zeitpunkt wollte, und nicht noch damit gewartet hat, weiß vermutlich nur sie selbst. Vielleicht war es die Ungeduld, endlich der Welt zu zeigen, dass mit ihr noch und wieder zu rechnen ist. So sind wohl auch ihre ersten Worte zu verstehen: "Da bin ich."

Warum diese große Bühne?

Neben dem Zeitpunkt ihres Auftritts ist auch die Bühne, die sich Monica Lierhaus dafür ausgesucht hat, bemerkenswert. Kein intimes TV-Gespräch, kein Einspieler, keine Beschränkung auf ein Interview mit einem sorgfältig ausgewählten Magazin, sondern ein großer Live-Auftritt vor einem Millionen-Publikum. Das ist ein Comeback ohne Netz und doppelten Boden. Sie musste sich ihrer selbst und ihrer Sache sehr sicher sein, um diese Ansprache bei der Goldenen Kamera durchzuziehen. Wahrscheinlich hat sie es genau so gewollt, hat die Herausforderung der Live-Situation bewusst gesucht, um sich und der Öffentlichkeit zu beweisen, dass sie eine vollständige Rehabilitation schaffen kann.

Welche Rolle spielt ihr Vertrag mit der ARD?

Worüber niemand spricht und was niemand außer den Betroffenen weiß ist, ob finanzielle Aspekte auch eine Rolle gespielt haben. Monica Lierhaus hat eine langwierige, kostspielige Therapie hinter sich, die offenbar noch längst nicht abgeschlossen ist. Während der Zeit ihrer Krankheit musste sie offenbar auf ihr Einkommen als TV-Moderatorin verzichten. Ihr mit 850.000 Euro pro Jahr dotierter ARD-Vertrag wurde nicht rechtskräftig, so berichtet es zumindest die Bild am Sonntag, der Lierhaus zuvor ein Interview gewährt hatte. Vielleicht waren ihre Worte, sie arbeite sehr hart daran, "irgendwann wieder vor der Kamera stehen zu können“ auch eine Ansage an ihren Arbeitgeber ARD, sie beruflich nicht abzuschreiben. Im den Live-Auftritt flankierenden Bild-am-Sonntag-Artikel erklärte sie, “wieder arbeiten” zu wollen, und zwar vor der Kamera. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass hier auch Vertragsoptionen eine Rolle gespielt haben.

Warum ist Monika Lierhaus früher gegen Berichte juristisch vorgegangen und sucht nun selbst die Öffentlichkeit?

Über ihren Anwalt Matthias Prinz ließ Monica Lierhaus nach ihrer Erkrankung zahlreiche Medien verklagen, die über ihren kritischen Zustand berichteten. Die Hamburger Morgenpost wurde gar zu einer Zahlung von 25.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Selbst Medien, die lediglich ihre Erkrankung thematisierten, waren vor rechtlichen Maßnahmen nicht sicher. Diese rigide Abschottung mit juristischen Mitteln wird nun durch einen öffentlichen Heiratsantrag konterkariert. Die Moderatorin sucht erkennbar den medialen Schulterschluss bei ihrer Rückkehr in die Öffentlichkeit mit dem Axel-Springer-Konzern und der Bild am Sonntag. Letztlich muss es ihr selbst überlassen bleiben, wann sie mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit geht und wann nicht. Nun fühlte sich Monica Lierhaus offenbar stark und wieder gesund genug, das Licht der Öffentlichkeit zu suchen. Dass sie zu einem früheren Zeitpunkt der Erkrankung auf Privatsphäre Wert gelegt hat, ist verständlich. Dass sich die Boulevard-Medien aber auch schon früher für ihren Gesundheitszustand interessiert haben, ist auch verständlich.

Wird Sie jemals wieder vor der Kamera moderieren können?

Die Chancen, dass Monica Lierhaus wieder in ihrem alten Job vor der Kamera stehen wird, stehen realistisch betrachtet eher schlecht. Ärzte und Experten geben an, dass nur unter fünf Prozent der Koma-Patienten in ihren alten Beruf zurückkehren können. So bewegend und kraftvoll ihr Auftritt bei der Goldenen Kamera auch war, so hat er auch gezeigt, dass sie noch einen weiten Weg vor sich hat. Aber eines hat Monica Lierhaus mit ihrem starken Auftritt bei der Goldenen Kamera auch klar gemacht: Die Hoffnung wird sie niemals aufgeben. Nun liegt das Heft des Handelns bei der ARD, die sich am Dienstag ausführlich in der Sache äußern will, aber schon mal vorgebaut hat: Lierhaus wird Testimonial bei der Fernsehlotterie, ein Comeback bei der Sportschau werde es "vorerst" nicht geben. Niemand, der den Auftritt der Moderatorin in der Berliner Ullstein-Halle verfolgt hat, würde dem widersprechen. Aber: So lange es eine, egal wie geringe Chance gibt, wird Monica Lierha kämpfen. Dass sie dabei keine Hürden scheut, hat sie am vergangenen Samstagabend eindrucksvoll bewiesen.

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