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Der HuffPo-Deal: Verzweiflung trifft Geldgier

AOL kauft das Online-News-Angebot Huffington Post für 315 Mio. US-Dollar. HuffPo-Gründerin Arianna Huffington wird Präsidentin und Chefredakteurin einer neu zu bildenden Huffington Post Media Group, in der AOL all seine Content-Portale bündeln will. Der Mega-Deal ist eine Verzweiflungstat für den strauchelnden, früheren Internet-Riesen AOL und eine hoch-riskante Wette auf die Zukunft der Online-Werbung. Für die Huffington Post dürfte dagegen der attraktive Kaufpreis ein gutes Argument gewesen sein.

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Während sich die meisten traditionellen Medienhäuser im Internet von rein werbefinanzierten Modellen abwenden, geht AOL unter seinem CEO Tim Armstrong genau den umgekehrten Weg. Armstrongs erklärtes Ziel ist es, AOL zu einem Content-Power-House zu machen, einer Reichweiten-Maschine, die ihr Geld mit Online-Werbung verdient.

Die Strategie ist hoch riskant. Zunächst einmal ist klar, dass AOL mit seinem angestammten Geschäft als Internet-Zugangsanbieter keinen Blumentopf mehr gewinnt. In Europa wurde dieser Zweig bereits abgestoßen, in den USA ist das Geschäft stark rückläufig und wird nicht mehr gepflegt. Der Suchmaschinen-Markt wird von Google dominiert, das Feld der Social Networks von Facebook. Folgerichtig hat sich AOL auch von seinem erfolglosen eigenen Social Network Bebo getrennt. AOL besitzt seit der Abnabelung von Time Warner auch keine traditionelle, wertvolle Medienmarke mehr, für die man im Web Geld verlangen könnte.

Online-Werbung und schiere Masse sind die letzte Chance für das Unternehmen. Darum wurde ein Sammelsurium an Blogs und Angeboten aufgebaut und zusammengekauft. Jüngster Zukauf war das renommierte US-Techblog TechCrunch für 25 Mio. Dollar. Der HuffPo-Deal hat nun freilich eine ganz andere Dimension. Die Huffington Post startete als  linksliberales Blog, das ganz auf das persönliche Netzwerk seiner Gründerin und Namensgeberin Arianna Huffington zugeschnitten war. Mittlerweile ist die HuffPo eine Art eierlegende Content-Wollmilchsau geworden. Es gibt kein Thema und keine Meinungsströmung, zu dem keine Inhalte angeboten werden.

Die Website zieht pro Monat bis zu 25 Millionen Besucher an und hat nach Branchenschätzungen vergangenes Jahr rund 31 Mio. Dollar mit Anzeigen umgesetzt. 2010 soll zudem das erste Jahr gewesen sein, in dem die HuffPo profitabel gearbeitet hat. Wieviel Gewinn erzielt wurde, behält man lieber für sich. Für 2011 werden rund 60 Mio. Dollar an Anzeigenumsätzen erwartet. Und AOL? Die Umsätze im vierten Quartal 2010 sanken um 26 Prozent, Anzeigenumsätze gingen um 29 Prozent runter.

Der alte Tanker AOL sinkt und hofft, dass die HuffPo das alte, lecke Dickschiff wieder flott bekommt. Die AOL-Sites Politics Daily und Daily Finance werden vermutlich in der Huffington Post aufgehen. Die Schreiber von TechCrunch nennen ihre neue Über-Chefin Huffington schon sarkastisch “Overlord”. Das sind erste Anzeichen dafür, dass es vermutlich nicht ganz einfach werden wird, das Content-Konglomerat unter dem AOL-Dach zusammenzuhalten. Für die Huffington Post dürften die 315 Mio. Dollar, 300 davon in bar, ein zu verlockendes Angebot gewesen sein. Außer dem Geld hat AOL der Huffington Post nämlich nichts zu bieten, dem ganzen Gerede von Visionen zum Trotz. Für AOL ist der Deal dagegen ein letzter Strohhalm, eine Verzweiflungstat. Ob Geldgier und Verzweiflung zusammen ein zukunftsfähiges Geschäft ergeben, muss sich zeigen.

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