„Polizeiruf 110“: so stark wie selten zuvor

In ihrem dritten Fall haben es die Rostocker Ermittler König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow (Charly Hübner) mit einem Skandal in der Pharma-Industrie zu tun. Doch noch spannender als der Kriminalfall sind die Verwicklungen um die beiden Polizisten, denn Hübner muss gegen Bukow ermitteln, der erneut mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Heraus kommt mit "Feindbild" auch beim dritten Mal ein exzellenter Film, der Spannung von der ersten bis zur letzten Minute bietet - und darüber hinaus.

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"Feindbild", geschrieben und inszeniert vom gebürtigen Iren Eoin Moore, beginnt gleich ungewöhnlich. Denn: LKA-Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) verhört ihren Kripo-Kollegen Alexander Bukow (Charly Hübner). Wie in den beiden ersten Krimis des Duos, die 2010 zu sehen waren, geht es um Vorwürfe, Bukow hätte aus privaten Interessen heraus, Ermittlungen gegen den kriminellen Zoran Subocek sabotiert. Bukow verärgern die Ermittlungen gegen ihn, er macht sich lustig und pflegt seine Hassliebe gegenüber seiner Kollegin.

Unterdessen wird eine Leiche gefunden, die wie sich kurze Zeit später herausstellt, mit den Ermittlungen gegen Bukow zu tun hat. Vordergründig führt die Leiche aber zu einem Verdächtigen, der seit Jahren versucht, ein mächtiges Pharmaunternehmen wegen des Todes seiner Tochter zur Verantwortung zu ziehen. Offenbar ist Lutz Brückmann, so der Name des Verdächtigen, ausgetickt und will mit neuen Beweisen gegen das Unternehmen endlich reinen Tisch machen. Alle Indizien sprechen gegen Brückmann – Krimifans wissen: Dann kann er es nicht gewesen sein.

Ob das auch in diesem "Polizeiruf" so ist, verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht, dann würden wir einen Teil der Spannung, die sich wirklich durch die gesamten 90 Minuten zieht, abwürgen. Doch "Feindbild" ist viel mehr als nur ein Krimi mit einem Mord und einem Skandal in der Pharmabranche. Denn: Bukows Vergangenheit zieht sich durch den gesamten Film. Er verheimlicht, ermittelt auf eigene Tour, macht sich sogar bei seinen eigenen Kollegen verdächtig, sodass der Zuschauer irgendwann auch zu zweifeln beginnt. Am Ende steht ein dramatisches Finale, das wichtige Handlungsstränge abschließt, aber auch ein für "Tatorte" oder "Polizeirufe" ungewöhnlicher Cliffhanger, der viel Erzählraum für die weiteren Folgen der Reihe lässt. Der vierte Sarnau-Hübner-"Polizeiruf" ist schon abgedreht und wird im Laufe des Jahres im Ersten zu sehen sein.

Negativ anzumerken sind in diesem Krimi mit tollen Bildern und noch tolleren Darstellern allenfalls kleine Details: So wird der Pharma-Boss allzu schablonen- und klischeehaft als arrogantes, schmieriges Arschloch dargestellt, das Apothekenblättchen schmiert, damit sie redaktionell für seine Produkte werben. Doch solche Details stören den Gesamteindruck des Krimis kaum. Unter dem Strich bleibt der dritte geniale Krimi eines der aktuell besten TV-Ermittler-Teams, die Deutschland zu bieten hat.

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