Doppelmoral bei Pallenbergs Techlounge

Sascha Pallenberg, Enthüller der Blog-Schleichwerbeaffäre, arbeitet an einem neuen Projekt: Techlounge, so der Name, soll eine Mischung aus Techcrunch und Basic Thinking werden. Doch während Pallenberg einerseits Unternehmen anprangert, die Verlinkungen in Blogs kaufen, arbeitet er andererseits mit Bloggern zusammen, die sich in dieses Netzwerk einspannen ließen. Mindestens zwei seiner Co-Gründer haben auf ihren eigenen Webseiten Geld für verschleierte Werbung kassiert.

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Zur Gründungsgruppe von Techlounge gehört, wie Pallenberg gegenüber MEEDIA bestätigt, Sascha Israel. Dieser ist Profi-Blogger, schreibt unter anderem für die Seite des Elektronikherstellers LG und betreibt seit fünf Jahren die Seite Gilly.ws. In seinem Blog hat er in mindestens einem Artikel Schleichwerbung für Conrad und Base platziert. Die Keywords und Links stimmen mit denen aus der von Pallenberg veröffentlichten Keywordliste überein. Nachdem die Schleichwerbeaffäre öffentlich wurde, hat er sich zu seinem Verhalten bekannt. Gleichzeitig hat er den belastenden Beitrag von seiner Seite gelöscht – aber über den Google Cache ist er noch immer erreichbar.

Auch Carsten Drees ist Teil des Techlounge-Teams. Der Betreiber von Zweipunktnull.org und ehemalige Basic-Thinking-Autor hat ebenfalls in mindestens einem Beitrag in seinem Blog Links als verschleierte Werbung untergebracht. Organisiert wurden diese Linkkäufe von der Firma Onlinekosten.de, Besitzerin des Blogs Basic Thinking. Sie hatte rund hundert deutsche Blogger kontaktiert und auf ihren Webseiten Verlinkungen für Unternehmen gekauft, die nicht als Werbung gekennzeichnet werden durften. Andernfalls hätte den Autoren eine Strafe in Höhe von 5.001 Euro gedroht.

Liegt hier eine Doppelmoral vor? Pallenberg sagt zu der Zusammenarbeit: "Carsten Drees und Sascha Israel haben mir versichert, seit Monaten nicht mehr zum Netzwerk von Onlinekosten.de zu gehören." Er vertraue den beiden und sehe deshalb keinen Grund, warum ihr Verhalten ein Problem für die Glaubwürdigkeit von Techlounge sein sollte.
Techlounge soll eine Seite für neue Technologien, Analysen, Green Technology und Barcamps werden. "Wir wollen nicht das aggregieren, was auf US-Seiten steht", erklärt Pallenberg. "Es geht um unique Content." Vom Konzept entspreche die Seite dem amerikanischen Polit-Portal Huffington Post. Neben den Gründern würden mehrere freie Autoren für die Seite arbeiten, die unter ihren Artikeln ihre eigenen Flattr-, Paypal- oder andere Bezahldaten angeben könnten. Sie erhielten 80 Prozent des Umsatzes, ein Fünftel behielten die Betreiber.
Im Netz kursiert das Gerücht, Pallenberg habe die Schleichwerbeaffäre um Onlinekosten.de und Basic Thinking lanciert, um sein eigenes Projekt zu pushen. Der 39-Jährige widerspricht dem. "Es besteht kein Zusammenhang zwischen Techlounge und der Schleichwerbeaffäre." Zudem verfolge er mit dem Projekt einen anderen Ansatz als Basic Thinking und habe keinen Grund, dem Blog oder dessen Betreiber zu schaden.

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