Alice Schwarzer soll in den Zeugenstand

Neue Überraschung im spektakulären Prozess gegen den ehemaligen ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann. Die Publizistin und Bild-Kolumnistin Alice Schwarzer wurde am Donnerstag vom Verteidiger Jörg Kachelmanns, Johann Schwenn, in den Zeugenstand gerufen. Schwenn will überprüfen, inwieweit Schwarzer Kontakt zum Therapeuten des mutmaßlichen Opfers hatte. Bereits zuvor hatte Schwenn Burda-Zeitschriften beschuldigt, eine Kampagne gegen seinen Mandanten zu fahren.

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Die Berufung Alice Schwarzers zur Zeugin in dem Vergewaltigungs-Prozess kam überraschend – am meisten offenbar für sie selbst. Schwarzer musste nach dem Antrag Schwenns den Sitzungssaal verlassen. Als direkte Prozessbeteiligte darf sie der Verhandlung nicht länger als Zuhörerin beiwohnen – bis zu ihrer Aussage wird ihre Bild-Kolumne also ruhen müssen. Bzw. sie wird nicht direkt aus dem Gerichtssaal berichten können. Allerdings kann sie die Aussage auch verweigern.

Der Berufung Schwarzers als Zeugin war erneut ein Streit um den Ausschluss der Öffentlichkeit von der Verhandlung vorausgegangen. Kachelmann-Verteidiger Schwenn bestand darauf, dass zumindest Teile der Befragung des Therapeuten des mutmaßlichen Opfers, Günther Seidler, öffentlich durchgeführt werden. Schwenn sicherte zu, im öffentlichen Teil der Befragung nicht auf die Therapie-Inhalte eingehen zu wollen. “Auch eine lügende Zeugin hat ein Recht auf den Schutz ihrer Privatsphäre”, bemerkte er süffisant.

Ihm gehe es stattdessen darum, “geradezu wahnhafte” Aussagen des Therapeuten Seidler der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und ihn zu seinem Verhältnis zu Alice Schwarzer, der Bild-Reporterin, zu befragen. Dies gestand das Gericht ihm schließlich zu. Schwenn wollte von Seidler wissen, ob Frau Schwarzer ihn dem Opfer empfohlen habe. Seidler verneinte einen Kontakt mit Frau Schwarzer, worauf Schwenn beantragte diese als Zeugin zu vernehmen.

Früher im Prozess hatte Schwenn bereits beantragt, die Redaktionen der Burda-Zeitschriften Bunte und Focus durchsuchen zu lassen, da er eine konzertierte Medienkampagne gegen seinen Mandaten vermutet. Dieser Antrag wurde abgelehnt.

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