Die Berglust macht nur wenig Lust

Der Atlas Verlag hat die Ende 2009 von der Brinkmann Henrich Medien GmbH übernommene Zeitschrift allMountain komplett umgekrempelt und unter dem Namen Berglust neu auf den Markt gebracht. Der neue Name erinnert sicher nicht von ungefähr an die erfolgreiche Landlust. Berglust versucht, an den Erfolg der Landlust anzuknüpfen und die verschiedenen Facetten des Bergsports unter einen Magazin-Hut zu bringen. Eine ambitionierte Idee, aber leider fehlt dem Heft die Glaubwürdigkeit des Vorbilds.

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Wie sympathisch und toll hätte dieses Heft sein können… Eine Landlust für die Berge – eigentlich eine Spitzenidee! Das Freiheitsgefühl des Bergsports in die Form einer modernen, entschleunigten Zeitschrift gießen. Schöne Bilder, Texte mit Herzblut, ausführliche Touren-Besprechungen und Ausrüstungs-Artikel, die über den üblichen Katalog-Tiefgang hinausgehen. Hätte. Aber leider gibt es ein sehr ernüchterndes Erwachen aus diesem schönen Traum, wenn man das fertige Produkt Berglust in die Hand nimmt. Im Heft wird über weite Strecken so spürbar die Nähe zum Anzeigenkunden gesucht, dass der Leser (und Käufer!) ganz vergessen wird.

Am offensichtlichsten ist das bei den zahlreichen Reise-Geschichten der Fall, die wirken, als seien sie geradewegs dem Prospekt eines Fremdenverkehrsvereins entsprungen. Die Fotos stammen fast ausschließlich von den Hotels oder den entsprechenden Fremdenverkehrseinrichtungen, die Texte sind eine lieblose Aneinanderreihung von Superlativen. Das Ganze garniert mit Logos der Ferienregionen und einer verspielten Schnörkelschrift für die Titelzeilen inklusive Schatten. Egal ob Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern, das Parkhotel Bayersoien am See ("Zwischen Straußenfilet und Schweinebraten") oder das italienische Savona – nirgends kommt die Berglust über mittleres Prospekt-Niveau hinaus. Und das ist zu wenig für eine Zeitschrift, die vier Euro kostet.

Kundenmagazin-Feeling auch bei der Geschichte "Hinter den Kulissen bei Lowa". Die Fotos stammen der Einfachheit halber wieder direkt vom Bergschuh-Hersteller. Sowas könnte auch eins zu eins im Globetrotter-Kundenmagazin stehen – das gibt’s allerdings umsonst. Dann haben wir da noch eine Geschichte zu Trailrunning für Einsteiger mit besonderer Beachtung des Salomon-Gore-Tex-Laufcups. Dazu schöne Fotos von einem Salomon Rucksack, dem dazugehörigen Salomon Schuh (auch im Inhaltsverzeichnis) und auf der ersten Umschlagseite die passende Salomon-Anzeige. Ein paar Seiten weiter findet sich ein vor Lobhudeleien überquellender Rucksack-"Test", der seinen Namen nicht verdient und auch die üblichen Produktfriedhof-Seiten dürfen nicht fehlen: Mit Texthäppchen garnierte PR-Fotos, wie sie in Katalogen mit mehr Sorgfalt zusammengestellt sind. Überhaupt die Sorgfalt: Da prangt vor dem "Steiermark spezial" statt dem Spezial-Titelbild nochmal das äußere Titelblatt und beim bayerischen Meindl-Schuh im Produkt-Friedhof wird die Web-Adresse des kanadischen Outdoor-Herstellers Arcteryx druntergeschrieben. Kleinigkeiten, gewiss, aber sie fallen auf.

Es gibt auch ernsthafte Geschichten in der Berglust, die aber leider auch nicht überzeugen können. Das Thema "Faszination Kilimanjaro" ist gut gewählt aber schlecht geschrieben. Der Autor ist selbst Bergsteiger und Bergführer-Ausbilder. Vielleicht hätte man ihn lieber interviewen sollen. Dazu gibt es reihenweise Minifotos, u.a. eine Landkarte in Briefmarkengröße bei der man schon zur Superlupe greifen muss, um etwas zu erkennen. Verfasst sind die Berg-Geschichten meist in einem schlichten Aufsatz-Stil in der Ich-Form. Journalisten, die gleichzeitig gut klettern können, das ist offenbar eine ähnlich rare Spezies wie der Yeti. Und wenn es sie geben sollte, dann arbeiten Sie nicht für die Berglust. Der große Erfolg der Landlust liegt in erster Linie an der enormen Glaubwürdigkeit der Zeitschrift, der viel beschworenen Authentizität. Davon gibt es bei der Berglust viel zu wenig. Hier wurde ein großes Thema grandios verschenkt.

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