Der unerwartete ePaper-Erfolg der taz

Aktuelle Zahlen der IVW zeigten vergangene Woche, wie schwach sich die ePaper-Ausgaben von Bild, Welt, BamS & Co. derzeit verkaufen. Alle Springer-Zeitungen und -Zeitschriften verfügen als ePaper demnach nur über dreistellige Abonnentenzahlen. Ganz anders sieht es bei der vergleichsweise kleinen taz aus. Fast sieben Mal so viele Abonennten haben die Tageszeitung auf digitalem Wege abonniert.

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2721 Leser haben die taz als ePaper abonniert, wie die Zeitung auf Anfrage von MEEDIA mitteilte. Im hauseigenen taz-Blog gibt man sich ruhmesreich und spekuliert darüber, woran es liegen könnte, dass die eigene Zeitung über so viel mehr ePaper-Abonnenten verfügt.

Ein großer Vorteil dürfte sein, dass die digitale Ausgabe schon zwischen 21 Uhr und 22 Uhr erscheint. Für die Leser ein klarer Mehrwert. Die Welt scheint erst in der Nacht, meist gegen 0.15 Uhr, lohnt sich also erst für die morgentliche Lektüre. Ein weiterer Vorteil dürfte der geringere Preis sein. Während für ein ePaper-Abo der Welt 29,99 Euro fällig werden, kostet ein digitales Abo der Taz nur 10 Euro. Allerdings würden 189 der 2721 Abonnenten freiwillig den “politischen Preis” von 20 Euro zahlen, acht von ihnen sogar 30 Euro, erklärt taz-Blogger Sebastian Heiser gegenüber MEEDIA.

Solche Erfolgszahlen verwundern, wo die taz doch völlig ohne fremde Hilfe ihre Digital-Abos vertreibt. Während der stern, die Welt, das Handelsblatt, die Zeit und viele weitere Printprodukte viele Hoffnungen auf den ePaper-Vertrieb über die Plattform Pubbles setzen, erhalten die taz-Abonnenten ihre Ausgabe per Mail oder als direkten Download. Außerdem ist das Gerät nicht nur über iPad und iPhone abrufbar, sondern in den Formaten Mobi und Epub auch für eReader wie den Kindle vom Amazon oder den Oyo von Thalia vorformatiert. Wer mag, kann die aktuelle Ausgabe auch als Pdf, als Html oder in der reinen Text-Variante lesen.

Den erfreulichen taz-Zahlen war eine ernüchternde Bilanz der Axel Springer AG im vierten Quartal 2010 vorausgegangen. Für Bild, Bild am Sonntag, Welt & Welt kompakt, Computer Bild, Sport Bild und Auto Bild dürften die Abozahlen hinter den Erwartungen zurückgelegen haben. So verfügte das Bild-ePaper im vierten Quartal 2010 über ganze 785 Abonnenten. Im gleichen Zeitraum waren es bei der taz 2508 Abonnenten. Deutlich unter den Bild-Zahlen liegen die anderen gemeldeten Titel.

Die Auto Bild verfügt demnach in der letzten Zählung über 544 ePaper-Abonnenten, das Duo Welt und Welt kompakt über 383 (und 1.536 sonstige Verkäufe), die Computer Bild über 322, die Sport Bild über 202 und die Bild am Sonntag, deren ePaper nur per iPad-iKiosk abonniert werden kann, über ganze 160 Abonnenten und 491 sonstige Verkäufe. Zur Klarstellung: In die veröffentlichten Zahlen wurde keine reinen App-Verkäufe ohne ePaper mitgerechnet.

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