Der Kleinkrieg Schwarzer gegen Kachelmann

Im Vergewaltigungs-Prozess gegen den ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann wurde ein juristischer Nebenschauplatz eröffnet. Die Feministin und Publizistin Alice Schwarzer kommentiert für die Bild-Zeitung den Prozess und ergreift dabei erklärtermaßen Partei für das mutmaßliche Opfer. Nun liefert sie sich einen juristischen Kleinkrieg mit Kachelmanns Medienanwalt. Dabei geht es nicht um die Frage, ob Kachelmann schuldig ist oder nicht, sondern um Formulierungs-Feinheiten und angebliche Heiratsversprechen.

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Jörg Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker hat gerade vor dem Landgericht Köln drei  Verfügungen durchgesetzt: je eine gegen Bild.de, die Bild-Zeitung und Alice Schwarzer. In allen drei Verfügungen geht es um eine Behauptung Schwarzers aus einer früheren Bild-Kolumne. Am 22. Dezember 2010 hatte Schwarzer über Kachelmann in Bild geschrieben: „Der Mann ist wirklich nicht zu beneiden um sein absurd rastloses, verlogenes Leben. Dieses Leben mit mindestens sechs Frauen gleichzeitig, denen er allen die Ehe versprochen hatte.“ Kachelmann gab daraufhin in einer eidesstattlichen Erklärung an: „Ich habe weder 6 noch mehr Frauen die Ehe versprochen, insbesondere nicht 6 oder mehr Frauen, mit denen ich gleichzeitig eine Beziehung geführt haben soll.“

Und Alice Schwarzer schreibt nun aktuell tatsächlich in Bild, dass sie ihm Unrecht getan habe. Eine Richtigstellung im juristischen Sinne iist die aktuelle Schwarzer-Kolumne in Bild nicht. Auf den ersten Blick mag sie damit der Verfügung der Kachelmann-Seite genüge tun. Aber Alice Schwarzer versucht natürlich, die Verfügungen der Kachelmann-Seite in einen publizistischen Sieg nach Punkten umzumünzen. Und so zählt sie in ihrer neuen Kolumne penibel auf, wie viele Ex-Geliebte Kachelmanns vor Gericht oder in Illustrierten von einer versprochenen gemeinsamen Zukunft mit dem prominenten Wettermann berichtet hatten. Und schließt ihre Kolumne mit der Bemerkung: “Zusammenleben, Kinder bekommen, eine glückliche Beziehung für das ganze Leben führen … Ein Eheversprechen ist das alles nicht. Nur der Glaube an eine gemeinsame Zukunft. Und das ist schließlich etwas anderes. Für Juristen zumindest.”

Und wie reagiert Kachelmanns Medien-Anwalt darauf? Ralf Höcker entschließt sich, die neue Schwarzer-Kolumne ganz einfach beim Wort zu nehmen und somit als eigenen Sieg zu deuten. In einem verbreiteten Statement erklärt er: „Alice Schwarzer sieht erstmals ein, Jörg Kachelmann Unrecht getan zu haben. Das ist schön. Weniger schön ist, dass diese Einsicht erst nach sechs einstweiligen Verfügungen kommt, die das Landgericht Köln inzwischen gegen ihre falsche Berichterstattung verhängt hat. Wir haben daher nur geringe Hoffnung, dass Frau Schwarzer künftig die journalistischen Anforderungen erfüllen wird, die an eine Bild-Gerichtsreporterin zu stellen sind.“

Im Fall Kachelmann zimmert sich auch auf den Nebenschauplätzen jeder seine eigne Wahrheit.

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