Sponsored Stories: Du bist die Werbung!

Wer bei Facebook erwähnt, in einer Coffeeshop-Kette einen Kaffee getrunken oder in seinem Lieblingsrestaurant geschmaust zu haben, könnte sich künftig als Werbebotschafter wider Willen wiederfinden. Das Online-Netzwerk startet heute die "Sponsored Stories". Damit können Werbekunden gegen bares Geld Facebook-Einträge von Usern hervorheben. Den Mitgliedern dürfte es aber kaum gefallen, als Testimonial missbraucht zu werden. Der Streit mit Datenschützern scheint programmiert.

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Unternehmen, die auf Facebook vertreten sind, können dann dafür sorgen, dass "Gefällt mir"-Einträge oder Check-In-Anmeldungen (von Facebook Places) in ihren Filialen gut sichtbar als Werbung auf der Website zu sehen sind. Wie das aussieht, erklärt Facebook in einem Video. Dabei gilt ganz klar die Regel: Solche Einblendungen bekommen nur die Freunde eines Users zu sehen.

Wie könnte solch eine “Sponsored Story” aussehen? Ein Unternehmen kann sich ein gewisses Kontingent an “Sponsored Stories” für Facebooks Geotaggingdienst Places einkaufen. Checkt sich ein User beispielsweise bei einem Restaraunt ein, erscheint das natürlich als Statusmeldung in seinem News-Feed.

Was nun passiert, dürfte einigen Usern nicht wirklich gefallen: Dieses Statusupdate kann nun vom Restaurant inklusive Namen und Bild des jeweiligen Nutzers, weiteren Infos wie Begleitung sowie Kommentaren und Likes bei den Facebook-Kontakten des Users eingeblendet werden. Diese Werbung erscheint dann am rechten Rand der Facebook-Seiten, beispielsweise mit dem Logo des Unternehmens versehen.

Der Schritt vom Freundesnetzwerk zum globalen Werbenetzwerk verwundert kaum. Denn immerhin ist Facebook kein Wohlfahrtsverband, sondern muss Geld verdienen. Nach eigenen Angaben setzte man durch Werbung im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden Dollar um. Für ein Unternehmen, das mit 50 Milliarden Dollar bewertet wird, ist das aber noch zu wenig. Erst zögerliche Versuche, mit den Daten seiner User Geld zu verdienen, stießen immer wieder auf Kritik von Datenschützern. Zuletzt musste das in Palo Alto ansässige Unternehmen auf Druck des hamburgischen Datenschutzbeauftragten bei der Nutzung des FriendFinder zurückrudern.

Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Freunde, denen ich vertraue, werben für ein Produkt, dem ich dadurch gleich mehr Vertrauen entgegenbringe. So seien in der Testphase die Markenerkennung und die Wahrscheinlichkeit der Weiterempfehlung einer Marke oder Firma deutlich gestiegen, erklärt Facebook im eigenen Werbevideo. Marken wie Coca-Cola, Levi’s und Bud Light sowie Organisationen wie Amnesty International und die Alzheimer’s Association haben die Möglichkeit der „Sponsored Stories“ angeblich schon getestet.

Bisher wurde jede größere Änderung, die Facebook an seiner Seite vornahm, von Unkenrufen und Sicherheitsbedenken begleitet. So geschah es bei der Einführung des News-Feed 2006 und bei der Umstellung auf die neue Facebook-Profile in den vergangenen Wochen.

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