Grosso-Pilotabschluss: Bauer plant Kartellklage

Bauer zündet die nächste Eskalationsstufe im Streit mit dem Grosso-Verband. Anstatt den Pilotabschluss, den Springer mit dem Interessensverband aushandelte, anzunehmen, plant der Hamburger Verlag nun "den Vorgang einer rechtlichen Überprüfung zu führen". Bauer glaubt, dass "der Pilotabschluss für viele Zeitschriften langfristig existenzgefährdend ist."

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Die Vereinbarung zwischen dem Presse-Grosso und der Axel Springer AG beinhaltet "rechtsverbindliche Regelungen über medien- und branchenpolitische Aspekte der Zusammenarbeit". Es geht um die Margen der Grossisten, die dem Vertrag zufolge ab 2012 geringer werden. Mit einer solchen Vereinbarung könnten die Verlage laut Einschätzung von Turi2 in den kommenden Jahren insgesamt bis zu 100 Millionen Euro an Vertriebskosten einsparen, der Grosso spricht lediglich von einer Summe "in signifikanter Höhe". Zusätzlich schließen die Partner das so genannte "Bonus Plus"-Programm ab, das dem Berliner Medienhaus einen jährlichen Bonus in Abhängigkeit von der Umsatzentwicklung vom Presse-Grosso garantiert.

Bereits vor Wochen hatte sich Bauer-Geschäftsleiter Andreas Schoo in einem Interview mit dem Branchendienst Textintern über die Zusatzvereinbarungen geärgert. "Die Bonusregelung wird allenfalls und auch nur bei sehr optimistischer Betrachtung der Bild-Zeitung helfen." Weiter sagte der Manager: "Ehrlicherweise hätte man dann die Vereinbarung auch ‚Bild Plus‘ nennen sollen. Wir sehen ‚Bonus Plus‘ als eine Tageszeitungsvereinbarung. Jetzt benötigen wir zukunftsweisende Verträge für die Zeitschriftenbranche."

In der heutigen Mitteilung schreibt Bauer generell über den Pilotabschluss: "Statt einer Verbesserung der Konditionen werden bei Berücksichtigung der Stichtagsregelung deutlich schlechtere Konditionen angeboten." Auch die Vertragslaufzeit ist für die Hamburger inakzeptabel. "In Zeiten von massiven Veränderungsprozessen ist eine Bindung an dieses Konditionengeflecht bis zum Jahre 2017 verantwortungslos." Zudem sollen die Nebenabreden in der Vereinbarung alle Nachteile des jetzigen Systems zementieren. "Das Grossosystem bleibt weiterhin Selbstzweck, statt sich zu reformieren und zu optimieren."

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