Demand Media mit furiosem Börsenstart

Der Startschuss ist gefallen: Wohl mindestens ein Jahr bevor Facebook die Wall Street betritt und für den vermutlich größten Börsengang aller Zeiten sorgen wird, profitieren bereits erste Dot.com-Debütanten von der neuen Internet-Euphorie. Demand Media, eine Plattform, die Fragen nach besonders beliebten Suchbegriffen beantwortet, ging heute an die Börse. Und das mit überragendem Erfolg: Die Aktie legte um mehr als ein Drittel an Wert zu. Davon profitierte auch Radprofi Lance Armstrong.

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Der Startschuss ist gefallen: Wohl mindestens ein Jahr bevor Facebook die Wall Street betritt und für den vermutlich größten Börsengang aller Zeiten sorgen wird, profitieren bereits erste Dot.com-Debütanten von der neuen Internet-Euphorie. Demand Media, eine Inhalteplattform, die Fragen nach besonders beliebten Suchbegriffen beantwortet, ging heute an die New Yorker Börse. Und das mit überragendem Erfolg: Die Aktie legte um mehr als ein Drittel an Wert zu. Davon profitierte auch Lance Armstrong, der am Unternehmen beteiligt ist. 

Alles geht wieder: Der Dow Jones erobert phasenweise die 12.000 Punkte zurück, der S&P 500 sprintet auf ein 29-Monatshoch und Internet- und Technologieaktien führen die Gewinnerliste an. Der Online-Filmeverleiher Netflix legte nach Handelsschluss enorm starke Quartalszahlen vor, während der Marktforscher Nielsen nach fünf Jahren Abstinenz wieder an die Börse zurückkehrte und dabei gleich um fast zehn Prozent zulegte.

Die Show stahl dem Traditionsmarktforscher jedoch ein Start-up. Keine fünf Jahre ist Demand Media alt – und nun an der Börse nach dem ersten Handelstag schon fast zwei Milliarden Dollar schwer. Bei knapp 23 Dollar stoppte der Kursticker am Ende des ersten Handelstages – ein Plus von mehr als 33 Prozent.

Contentfarm Demand Media "McDonalds der Medien"?
Nicht schlecht für ein Unternehmen, das schon despektierlich als "Totengräber des Journalismus" bezeichnet (Financial Times) und von TechCrunch-Gründer Michael Arrington als "McDonalds der Medien" abgewatscht wurde. Was genau hat Demand Media getan, um sich solch fragwürdige Ehren zu verdienen?

Als Inhalte-Fabrik stellt Demand Media über seine Website eHow.com Content von zweifelhaftem Wert bereit – und zwar über eine Heerschar von über 10.000 Freiberuflern, die für wenige Dollar besonders beliebte Fragen in einem How-to-Artikel oder Video-Beitrag beantworten. Wie entwerfe ich Kissen? Wie fertige ich einen Bilderrahmen? Oder: Wie schütze ich meinen Hund vor der Kälte im Winter?

Auch Aktionär Lance Armstrong freut sich über steigende Kurse

Es sind nicht unbedingt die Fragen, die auf der Titel-Seite einer Lifestyle-Illustrierten landen würden – doch sie bewegen die Nutzer tatsächlich. Das filtert Demand Media über Anfragen bei Suchmaschinen wie Google vorab aus, ermittelt über einen Algorithmus, welche Themen wie viel Umsatz durch Google-Werbung einbringen und vergibt dann die Aufträge an seine freien Autoren, die buchstäblich für "lousy pennies" schreiben oder videobloggen.

An den über 100.000 Beiträgen jeden Monat verdient jedoch vor allem einer – Demand Media. Das 2006 vom früheren MySpace-Manager Richard Rosenblatt gegründete Unternehmen konnte im vergangenen Jahr bereits Umsätze von mehr als 200 Millionen Dollar nachweisen. Anleger sind offenbar von den Zukunftsperspektiven des Börsendebütanten überzeugt und bewilligten die happigen Kursaufschläge selbst auf Basis eines angehobenen Ausgabepreises.

Profiteur der Kursexplosion war auch ein Prominenter, der zuletzt einige Negativschlagzeilen einzustecken hatte. Der siebenfache Tour de France-Sieger Lance Armstrong hat vor drei Jahren die Fitness-Seite Livestrong.com ins Leben gerufen, die mit Inhalten von Demand Media bestückt wird. Im Gegenzug erhielt Armstrong, der sich zuletzt immer schärferen Doping-Vorwürfen ausgesetzt sah, von Demand Media Anteile am Unternehmen.

"Der Börsengang von Demand Media war der Eisbrecher für größere Internet-IPOs"
Wie lange sich Armstrong und andere Aktionäre am Erfolg des Börsenüberfliegers erfreuen können, liegt jedoch maßgeblich am Platzhirsch des Webs. "Google wird definitiv gegen Onlineanbieter vorgehen, deren Inhalte nicht unseren Qualitätsansprüchen entsprechen", hatte der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber erst in der vergangenen Woche seinem Firmenblog durchblicken lassen.

Die Tür für andere Internet-Unternehmen mit einem weniger heiklen Geschäftsmodell erscheint nach dem Traumstart damit nun umso offener. "Der Börsengang von Demand Media wurde als Eisbrecher für größere Internet-IPOs wie von Groupon, LinkedIn und Zynga angesehen", folgert Reuters. Börsen-Kommentator James Cramer ergänzt: "Nichts bringt den Markt so zum Laufen wie erfolgreiche Börsengänge." Tatsächlich: Die Stimmung für Internetaktien ist in diesen Tagen wohl so gut wie seit 2000 nicht mehr.

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