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‚Wetten, dass..?‘ verzichtet auf Risikowetten

Das ZDF sieht sich entlastet: In Köln stellte der Sender gleich zwei Gutachten vor, die ihn von einem Versagen beim "Wetten, dass..?"-Unfall von Samuel Koch freisprechen. Zum einem konstruierte der Biomechaniker Gert-Peter Brüggemann den Unfallhergang und zum andern analysierte auch die interne Task Force das Unglück. Intendant Markus Schächter spricht nun von einer "Verkettung unglücklicher Umstände“. Trotzdem kündigte Programmchef Thomas Bellut Änderungen am "Wetten, dass..?"-Konzept an.

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In seiner Untersuchung kam der Biomechaniker der Deutschen Sporthochschule zu dem Schluss, dass die "Unfallursache eindeutig auf einen Bewegungsfehler des Kandidaten zurückzuführen" ist. Ob die Risikobeurteilung durch das ZDF hinreichend und genügend war, sei jedoch schwer zu beurteilen.

Zur Bewertung der Tragödie verglich Brüggemann einen geglückten Probeversuch mit dem Unfallsprung. Auffälligster Unterschied waren die abweichenden Positionen von Samuel Kochs Händen. Bei den erfolgreichen Versuchen waren sie jeweils unten, beim Unfallsprung hielt er die Hände jedoch nach oben. Dadurch sei er nach Analyse des Experten in eine andere Position gekommen, was dazu geführt habe, dass er mit dem Kopf auf der Windschutzscheibe geprallt sei.

"Wir gehen davon aus, dass Koch nach der Kollision mit der Windschutzscheibe nicht mehr bei Bewusstsein war und deshalb den Flug nicht mehr steuern konnte", sagte Brüggemann.

Das zweite Gutachten wurde von der senderinternen Task Force vorgelegt. Ihr gehörten der Produktionsleiter, der Redaktionsleiter, der Vater von Samuel Koch, der Sicherheitsingenieur und ein ZDF-Justitiar an. Auch die interne Ermittlung kam zu einem ähnlichen Ergebnis wie das Experten-Gutachten.

Neben den Analysen kündigte Programmdirektor Thomas Bellut jedoch auch Konsequenzen an. Künftig wird es bei "Wetten, dass..?" keine „hochsportiven Wetten“ mit hohem Unfallrisiko geben: "Wir haben ein detailliertes und entsprechend dokumentiertes Prüfverfahren zur Risikoeinschätzung eingeführt, das künftig der Auswahl und Zulassung von Wettvorschlägen vorangestellt wird", sagte Bellut. "Mit einem einheitlichen und nachvollziehbaren Kategoriensystem prüfen Redaktion, Produktion und Sicherheitsingenieur alle Wettangebote auf Schwierigkeitsgrad, Sicherheitsanforderungen und mögliches Unfallrisiko." Dabei soll eine vierstufige Punkteskala helfen, die Wettideen entsprechend einzustufen. In die höchste Kategorie fallen sportive und akrobatische Wetten, bei denen Geschwindigkeit, Sportgeräte oder Fahrzeuge eine Rolle spielen. "Hier soll in der Risikoeinschätzung zusätzlich zum Sicherheitsingenieur auch externer Sachverstand hinzugezogen werden, vor allem, wenn die Wettidee den Gebrauch von Spezialgerätschaften beinhaltet oder auf speziellen, ungewöhnlichen Sportarten basiert."

Bereits bei der nächsten Sendung in Leipzig wird es keine gefährlichen Wetten mehr geben. Der Programm-Chef glaubt, dass „Wetten, dass..?“ auch ohne solche spektakulären Wetten funktionieren wird.

Kritisch merkte Intendant Markus Schächter an: "Das Ergebnis relativiert nicht unsere Verantwortung, aber es zeigt, dass kein schuldhaftes Verhalten zu dem Unfall geführt hat". Weiter sagte der TV-Manager: "Trotzdem müssen wir im Nachhinein die Einschätzung des Risikos kritisch bewerten und daraus Konsequenzen für die Zukunft ziehen. Die Auswahl der Wetten wird künftig nach strengeren Kriterien als bisher erfolgen."

Beide Analysen wurden jedoch ohne die Mitarbeit von Samuel Koch erstellt. "Er befindet sich in Intensivbehandlung" und konnte deshalb nicht mitwirken, sagte Kommunikations-Chef Alexander Stock. Weitere Informationen über den Gesundheitszustand wollten die Mainzer nicht machen.

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