Anzeige

„Man liebte oder man fürchtete ihn“

Bernd Eichinger war vermutlich der größte deutsche Filmproduzent aller Zeiten. Montagabend starb er in Los Angeles an einem Herzinfarkt. Die Film- und Medienwelt trauert. Doch der Filmemacher war eine streitbare Person: "Eichinger war eine selbststilisierte Marke", schreibt Welt.de. "Entweder man liebte oder man fürchtete ihn", kommentiert Spiegel Online Eichingers Verhältnis zu seinen Kollegen. Sueddeutsche.de erinnert an "Geschichten vom Gläserwerfen und von der legendären Trinkfestigkeit".

Anzeige

Spiegel Online: "In der deutschen Filmbranche gab es keinen, der nicht eine klare Haltung zu ihm hatte. Entweder man liebte oder man fürchtete ihn, so einfach war das. Wenn Bernd Eichinger ein Filmset oder ein Studio betrat, dann soll die Luft vor Gestaltungswut und Meinungsmut vibriert haben."
Bild.de: "Bernd Eichinger, der Arztsohn, Internatskind, war ein Mann, der brannte – an allen Enden. Ein Besessener. Ein Getriebener."
Stern.de: "Er möchte nicht leiden, sagte er oft zu Freunden, wenn er über den Tod sprach. Er möchte umfallen, zack, aus, und alle Trauergäste sollen ihre Champagnergläser an seinem Sarg zerdeppern. Der Gedanke, dass sein plötzliches Ende dieser leichthin geworfenen Bemerkung aufs Makaberste entspricht, wird niemandem ein Trost sein."
Focus.de: "Für Eichinger war undenkbar gewesen, dass die Ehrung für sein Lebenswerk durch die Filmakademie im vergangenen Jahr mehr werden sollte als ein Lebensabschnittspreis. Er hatte schon Pläne für die Zeit nach dem Kampusch-Film: Ein großes 3-D-Projekt sollte folgen. Der Infarkt riss ihn mitten aus dem Leben – und aus der Arbeit."
Faz.net: "Er hat den deutschen Film in den letzten 30 Jahren geprägt wie kein Zweiter: Filmproduzent Bernd Eichinger („Die unendliche Geschichte“, „Der Name der Rose“) ist mit 61 Jahren überraschend gestorben. Eichinger war ein Produzent, der mächtig war, originell und groß."
Sueddeutsche.de: "Da waren die Geschichten vom Gläserwerfen und von der legendären Trinkfestigkeit, die freimütigen Bekenntnisse zu den Freuden des Bordellbesuchs – und das Staunen, den Mann trotz aller Exzesse ganz ungerührt am nächsten Morgen wieder am Set zu sehen."
Welt.de: "Eichinger war eine selbststilisierte Marke, in Talkshows mit offenem Hemd, in Jeans und Turnschuhen. Ein unabhängiger Filmproduzent, hier zu Lande 20 Jahre das einzige Exemplar seiner Spezies, bis sich um die Jahrhundertwende eine neue Generation in seine riesigen Fußstapfen begab."
Zeit Online: "Er wollte die Versöhnung von Kunst und Kasse, er dachte wie Hollywood und lebte für den Film."
Abendblatt.de: "Einen jungen, alerten, wagemutigen Produzenten, der Qualität wollte, ohne auf Kasse zu verzichten, den gab es in Deutschland erst wieder mit Bernd Eichinger. Das Wunderkind, den Wagemutigen, den Lebemann, den Produzenten in Turnschuhen, der Kunst mit Kommerz verband und der für alle ziemlich bald "Der Bernd" war. Bernie allenfalls. Denn an Bernd kam niemand vorbei."
DerWesten.de: "Dieser groß gewachsene, vor Selbst- und Sendungsbewusstsein strotzende Mann war mehr als Kaufmann und Organisator, als Geldbeschaffer und Geburtshelfer für Zelluloidträume made in Germany. Eichinger hat den Produzenten-Beruf für sich und das Land gewissermaßen neu definiert, ihn aufgewertet. Und wo Eichinger als Produzent draufstand, musste der Regisseur zwangsläufig etwas in den Hintergrund treten."
RP-Online.de: "Eichinger war die Personifizierung des Prinzips München: Rumstehen im "Schumann’s", weißes Hemd, zweireihiges Sakko, dazu Jeans und weiße Turnschuhe und im Mundwinkel die Marlboro. Man muss das nicht mögen, aber jeder, der ehrlich ist, wird zugeben: Der Eichinger hat das alles mit Würde präsentiert, mit Lässigkeit, der hatte was."
Deutschland Radio: "Eichinger bewies ein gutes Händchen für publikumswirksame Stoffe. Sein erster Erfolg war die Verfilmung des Bestsellers "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Kurz darauf folgten die Verfilmungen von Michael Endes Roman "Die unendliche Geschichte" und von Lothar-Günther Buchheims "Das Boot"."
DerStandard.at: "Er sei "filmsüchtig", sagte Eichinger über sich selbst. Zwei, drei Filme pro Nacht anschauen, das sei kein Problem. Seine Obsession prägte sein Leben seit den frühen 1970er Jahren, als der streng katholisch erzogene Bub aus dem Bayerischen Wald zum Studium an die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film kam."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige