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ZDF-Intendant Markus Schächter hört auf

Nach zehn Jahren soll Schluss sein: Markus Schächter hat bekannt gegeben, bei der anstehenden Intendantenwahl des ZDF nicht mehr kandidieren zu wollen. Damit steht auf dem Mainzer Lerchenberg im Frühjahr 2012 ein Wechsel an. Er führte den Sender aus den Schulden und ebnete ZDFneo den Weg. Indes sind die Spekulationen über seine Nachfolge eröffnet. Als Favorit gilt bereits der einstige Politikjournalist und heutige Programmchef des ZDF, Thomas Bellut.

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Laut Mitteilung seines Senders sagte Schächter: "Zwei Amtsperioden sind in meinen Augen ein gutes Zeitmaß und zehn Jahre die richtige Zeitspanne." Seinen Fernseh- und Verwaltungsrat hat Schächter den Angaben zufolge bereits an diesem Montag über seine Entscheidung informiert. Dem Fachdienst epd-Medien sagte der 61-Jährige zudem: "Ich bin dann zehn Jahre Intendant und kann sagen, dass die Ziele, die ich für das Unternehmen gesetzt hatte, weitgehend erreicht sind. […] Jetzt ist es an der Zeit ist, neue Ziele für das gerade beginnende digitale Jahrzehnt zu definieren und umzusetzen: ein guter Zeitpunkt, den Staffelstab weiterzugeben."
Wenn Schächters Vertrag damit Mitte März 2012 endet, braucht es also ein neues Chef-Mainzelmännchen. Der Spiegel hatte bereits Mitte Januar die Frage, wer auf Schächter folgen konnte, auf den Punkt gebracht. "Die Innovationen kamen von jemand anderem [als Schächter], den viele im Sender für den besseren Mann an der Spitze halten: Programmdirektor Thomas Bellut", notierte das Magazin in seiner Ausgabe 3/2011. Weiter hieß es dort: "Ein Konservativer wie Schächter, aber durchaus auch von der Gegenseite wählbar, wie es in SPD-Kreisen heißt."
Schächter hat zweifellos seine Verdienste. So kommt das ZDF inzwischen ohne Schulden aus. Schächter ebnete zudem politisch den Weg, damit die schon seit Jahrzehnten auf dem Lerchenberg gehegte Idee eines "ZDF2" auch wirklich das Licht der Welt erblicken konnte: als ZDFneo. Das Konzept für den Großangriff auf die Privatsender aber stammt zu wesentlichen Teilen aus Belluts Feder. Insofern wäre eine Staffel-Übergabe an ihn nur konsequent, auch wenn ZDFneo noch auf seinen Durchbruch bei den Zuschauern wartet.
Mit Thomas Bellut an der Spitze des Zweiten muss der Sender zudem nicht zwingend seichter werden: Der 55-Jährige ist zwar aktuell der Programmdirektor – und damit im Gegensatz zu Chefredakteur Peter Frey vor allem für die Unterhaltung zuständig. Dem Geschäft mit der Information ist er dennoch nicht fern, schließlich ist er durch und durch Journalist, arbeitete erst bei den "Westfälischen Nachrichten" in Münster, dann für das ZDF. Bellut, der mit der ZDF-Moderatorin Hülya Özkan ("heute in Europa") verheiratet ist, leitete beispielsweise die ZDF-Hauptredaktion Innenpolitik, war politischer Reporter in Berlin und moderierte dutzende Spezial- und Wahlsendungen, sowie das "Politbarometer" und "Was nun, …?".
Zusammen mit Frey, der erst seit April Chefredakteur des ZDF ist, baut Bellut derzeit zudem das Programmschema des Zweiten um – und gibt der Information großzügig Raum, was zweifellos nicht nur für Frey, sondern vor allem für die Kompromissfreudigkeit Belluts spricht. So willigte Bellut beispielsweise ein, mittwochs das "Auslandsjournal" und die längst deutlich hinter Mitternacht versteckten Mittwochs-Dokumentationen vorzuziehen: Mit "heute-journal", "Auslandsjournal" und aufwändigen Vor-Ort-Recherchen soll wieder eine durchgehende Informationsstrecke ihren Weg ins Programm finden.
Schächter wiederum stürzte vor gut einem Jahr fast über die Causa "Nikolaus Brender": Der von Unionsvertretern dominierte Verwaltungsrat, allen voran der damalige hessische Landeschef Roland Koch (CDU), verweigerte ZDF-Intendant Schächter die Verlängerung des etablierten Chefredakteurs Brender. Schächter hielt sich damals äußerst bedeckt – und saß diese Affäre schlicht aus. Viele im Sender haben sich damals von ihm ein deutlicheres Zeichen gewünscht, dass Schächter zumindest laut auf den Tisch haut oder sich gar empört zurückzieht. Das blieb aus. Seitdem gilt Markus Schächter vielen als "lame duck". Eine Vorstellung, die sich mit seiner Entscheidung nun bewahrheitet hat.

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