Eric Schmidts Kuschel-Auftritt auf dem DLD

Der Auftritt von Googles Noch-CEO Eric Schmidt war als Höhepunkt von Burdas Digital-Kongress DLD (Digital Life Design) geplant. Am Ende bot die Rede Schmidt nichts Konkretes, dafür jede Menge Friede-Freude-Eierkuchen-Rhetorik und eine Menge altbekannter Thesen. Verleger Hubert Burda verklärte den scheidenden CEO zur mythologischen Figur. Alle frühere Kritik an der angeblichen Allmacht des Internet-Weltkonzerns Google war wie weggeblasen.

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Kaum zu glauben, dass das derselbe Hubert Burda war, der noch vor gar nicht so langer Zeit Google als "Killer-Applikation" bezeichnet hatte, die die Existenz der Verlage gefährdet. Leistungsschutz, Privatsphären-Debatte, Kritik an der Marktmacht von Google, ein Wort zu Schmidts bevorstehendem Abgang? Alles Fehlanzeige.

Die Organisatoren des DLD waren so voller Glück, dass sie den Big-Head aus den USA endlich am Ende seiner Google-Karriere auf die DLD-Bühne bugsieren konnten, dass aller kritischer Geist wie weggeblasen war. Zeitweise schienen Eric Schmidt die dick aufgetragen Lobpreisungen seiner Person sogar ein wenig unangenehm zu sein. "Ich habe doch noch gar nichts getan..", sagte er, als er von den DLD-Organisatoren Steffi Czerny und Marcel Reichart überschäumend euphorisch vorgestellt wurde.

Schmidt absolvierte seine Rede souverän, hatte aber nichts Neues zu berichten. Das Internet und Computer werden die Welt verbessern, "Mobile first" und man solle sich doch überlegen, ob Computer nicht die besseren Autofahrer seien. Es war eine Art Best-of der Eric-Schmidt-Reden der jüngeren Zeit. Wenigstens ein kurzes offizielles Wort von Schmidt zu seinem Abgang bei Google hätte man sich gewünscht.

Der Google-Mann wurde durch einen Seiteneingang hinein. und wieder hinausgeschleust. Intern ist der Eingang bekannt als "Naomi-Campbell-Eingang", weil das zickige Topmodel bei einem früheren DLD auch auf solche Sonderbehandlung bestand.  Nichts sollte auf der Bühne die wolkigen Visionen des Google-Chefs von Cloud-Computing und "Augmented Humanity" stören.

Am Ende gab es ein schönes Gruppenfoto mit Verleger, noch einmal viel Lob und Preis und Burda stimmte "Arrivederci München" an. Die Kritik der deutschen Verlage an der angeblichen Allmacht von Google ist nach diesem Kuschel-Auftritt nicht eben glaubwürdiger geworden.

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