Dschungel: Quotenrekord vs. Werbeflaute

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" feiert derzeit einen Zuschauerrekord nach dem anderen. 8,66 Mio. sahen am Montag zu - so viele wie noch nie. Umsatzrekorde wird Sender RTL mit dem Dschungelcamp hingegen nicht feiern. Denn: Die Werbeblöcke sind maximal halb gefüllt, die Kundschaft scheut die Realityshow weiterhin wie Sarah Knappik die Dschungelprüfungen. Für RTL ist "Ich bin ein Star" dennoch ein Geschäft, das sich lohnt. MEEDIA erklärt, warum.

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Gerade mal 5 Minuten und 20 Sekunden an offenbar bezahlter Werbung fanden sich am Montag in den 60 Minuten "Ich bin ein Star". Gesetzlich erlaubt wären 12 Minuten pro Stunde, die Werbeblöcke sind also alles anderes als ausgebucht. Der Montag war dabei noch einer der besseren Tage. Zum Vergleich: Am Sonntag gab es nur knapp dreieinhalb Minuten Werbung in 60 Minuten Dschungelshow, am Samstag gar nur dreieinhalb in 105 Minuten "Ich bin ein Star". Dabei kann RTL sogar noch zufriedener sein als mit den vergangenen Staffeln – damals gab es meist noch weniger Werbung.

30 Sekunden Werbung kosten in dem aktuellen Mega-Quotenhit an den meisten Tagen in der ersten Werbeunterbrechung um 22.45 Uhr 51.660 Euro, sonntags ein bisschen mehr, freitags ein bisschen weniger. Die Preise sind allerdings nicht der Hauptgrund für die schlechten Buchungen, denn im Vergleich zu anderen großen Erfolgen wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Das Supertalent" ist die Dschungel-Werbung günstiger. Offenbar haben also viele Werbekunden Angst davor, dass die Ekel-Prüfungen negativ auf ihr Produkt abfärben.

Am Samstagabend hat RTL mit den dreieinhalb Minuten also ca. 180.000 Euro brutto eingenommen, netto abzüglich Rabatten natürlich weniger. Für 105 Minuten einer aufwändigen Produktion wie "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" sicher deutlich zu wenig. Dennoch dürfte die Chance groß sein, auch 2012 eine Dschungelshow sehen zu können, denn für RTL ist "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" aus einer Reihe von anderen Gründen dennoch ein gutes Geschäft:

– Der PR-Effekt
Wohl nie wird in so kurzer Zeit so viel über eine Fernsehsendung berichtet wie in den 14 Tagen einer "Ich bin ein Star"-Staffel. Von der Boulevard-Presse bis zu Qualitätszeitungen, vom Promiblog bis zu den Mediendiensten – alle stürzen sich auf das Medienphänomen Dschungelcamp. Und: Nichts ist für Privatsender so wertvoll wie Aufmerksamkeit. So kann man sich Eigenwerbung beinahe schon sparen und die Diskussionen sorgen dafür, dass viele Menschen RTL einschalten – und zwar nicht nur die Dschungelshow.

– Der Audience-Flow-Effekt
Der unfassbare Marktanteil von 49,7% für "Extra – Das RTL-Magazin" vom Montag ist nur ein Beispiel, wenn auch das extremste. Nahezu sämtliche RTL-Prime-Time-Formate profitieren derzeit von "Ich bin ein Star". Da holt ein Magazin wie "Spiegel TV" dank zum Dschungel passender Berichte Marktanteile von 25%, die es sonst nie erreicht, "Extra" kommt dank Cliffhanger auf die genannten 49,7% und selbst "Rach – Der Restauranttester" stellt einen neuen Zuschauerrekord auf, weil offenbar viele Leute auch schon die Stunde vor "Ich bin ein Star" bei RTL verbringen wollen. Alle fünf RTL-Programme, die am Montag zwischen 19.40 Uhr und Mitternacht liefen, also "GZSZ", "Wer wird Millionär?", "Rach", "Ich bin ein Star" und "Extra" begrüßten mehr als 3 Mio. 14- bis 49-jährige Zuschauer – ein Phänomen mit absolutem Seltenheitswert. Wichtige Konsequenz: Die Werbekunden, die den Dschungel scheuen, schalten womöglich Werbung bei "Rach", "Spiegel TV" oder in anderen Sendungen, deren Quoten vom Dschungel-Hype profitieren.

– Der Marktanteils-Effekt
Die Zuschauerrekorde der Dschungelshow und des Programmumfeldes bescheren RTL im Januar den besten Monats-Marktanteil seit vielen Jahren. Nach 24 Januar-Tagen liegt RTL bei einem Durchschnitt von 20,2% in der für den Sender so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Angesichts der Tatsache, dass "Ich bin ein Star" noch bis zum Wochenende weitergeht, ist die Chance enorm hoch, dass tatsächlich der erste 20%-Monatsmarktanteil seit April 1997 erreicht wird, womöglich sogar der beste seit April 1996, als RTL 21,1% einfuhr. Mit solchen Megaquoten – gerade am Anfang eines Jahres – sorgt ein Sender fast schon automatisch für starke Umsätze in der Folgezeit, denn Werbekunden, die ein Produkt in den Massenmarkt bringen wollen, müssen dort sein, wo sich das größte Publikum aufhält. Und das wird auch nach Ende der "Ich bin ein Star"-Staffel noch für Rekordquoten bei RTL sorgen.

– Der Eigenwerbe-Effekt
Dafür, dass auch in den kommenden Wochen grandiose Zuschauerzahlen bei RTL zu erwarten sind spricht nämlich, dass der Sender die Dschungelshow geschickt einsetzt, um seine eigenen Programme zu bewerben. Wenn die "Ich bin ein Star"-Werbeflächen schon nicht ausgebucht sind, warum dann nicht einen langen Programmtrailer mit den Februar-Highlights zeigen – oder tägliche emotionale Hinweise auf die Eigenproduktion "Hindenburg". So kann man sich wiederum teure Werbung für das eigene Programm sparen, weil man täglich 8 Millionen Menschen und mehr auf die RTL-Sendungen hinweisen kann. Diese Eigen-PR verhilft den kommenden Highlights dann wiederum zu eigenen Top-Quoten und damit auch zu hohen Werbeumsätzen.

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