Digital-Darwinismus im 21. Jahrhundert

Bei Burdas Digital-Kongress DLD (Digital Life Design) in München ist der letzte Tag angebrochen. Drei Tage lang wurde diskutiert, gestaunt und genetzwerkt. Nach offiziellen Angaben waren rund 800 Teilnehmer mit dabei. Vertreter der klassischen Medien machten sich diesmal ein wenig rarer, dafür waren ganz große Namen aus den USA dabei. Von Noch-Google-CEO Eric Schmidt bis zum Sechs-Milliarden-Dollar-Mann Andrew Mason, dem Gründer von Groupon. MEEDIA über die großen und die kleinen DLD-Momente 2011.

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Der Sechs-Milliarden-Dollar Mann

"Mensch, ist der normal!" Das war einer der Sätze, die beim DLD 2011 oft zu hören waren. Gemeint war Andrew Mason. Der Gründer der Rabatt-Plattform Groupon latschte lässig im karierten, aus der Hose hängenden Hemd durch die Gegend. Immer freundlich und irre unscheinbar. Dabei hat Mason gerade die Chuzpe besessen, ein sechs Milliarden Dollar schweres Übernahme-Angebot von Google abzulehnen. Viele beim DLD bewunderten ihn für diese Konsequenz und den unbedingten Glauben an die eigene Geschäftsidee.

Die beste Moderatorin

Für die besten Moderationen des Kongresses sorgte nach Meinung vieler Teilnehmer Kara Swisher von "All Things D", dem Blog-Netzwerk des Wall Street Journal. Swisher interviewte Andrew Mason und Foursquare-Chef Dennis Crowley und war auch sonst bei vielen Panels im Einsatz. Sie stellte zupackende Fragen, war immer gut für eine humorige Zwischenbemerkung. Ihre Berufung war ein Glücksgriff für die Veranstalter und Teilnehmer.

DLD Moments 2011

Die DLD-Organisatoren Steffi Czerny und Marcel Reichart sind immer auf der Jagd nach den besonderen "DLD Moments" – kleine oder große Begebenheiten, die im Gedächtnis bleiben. Für einen Aha-Effekt sorgte diesmal u.a. ein Lip-Dub-Video. Bei solchen Videos findet sich eine Gruppe von Leuten zusammen, die eine Choreographie einstudiert und zu einem bekannten Lied die Lippen synchron bewegt. Das ganze wird meist in einem Rutsch ohne Schnitt aufgenommen. Das Spielchen stammt, natürlich, aus den USA und hat nun mit einiger Verspätung auch seinen Weg zum DLD gefunden. Am ersten Kongresstag konnte man sich zur Teilnahme melden, musste dann aber auch die Proben mitmachen. Aufgezeichnet wurde am Montag, gezeigt wird das Werk zum Musiktitel "Footloose" zum Konferenz-Abschluss. Wer nicht Bescheid wusste, rieb sich die Augen, als plötzlich eine Bande lustiger Leutchen mit aufgeblasenen Instrumenten, Luftballons und Kisten auf dem Kopf auf der DLD-Bühne herumtanzten. Aufgepasst beim Video: Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen ist auch mit dabei.

Ein anderes Gesprächsthema waren die coolen Anstecker mit Leuchtschrift, die überall zu sehen waren. Die Magnet-Anstecker waren mit Sprüchen mit 140 Zeichen Länge bestückt und sollten eigentlich beim Kunst-Panel "Ever Clouds" ausgeteilt werden. Es handelte sich um eine Art Kunst-Kommentar zum 140-Zeichen-Dienst Twitter. Tatsächlich machten die bunten Anstecker aber schon am ersten Tag die Runde und waren schnell vergriffen. OpenLeaks-Gründer Daniel Domscheit-Berg hatte auch einen, sogar mit selbstgemachtem Schriftzug. Der Ex-Wikileaks-Mann kennt sich eben aus mit Digital-Technik.

Was fehlte

Einiges wurde auch vermisst. So gab es diesmal keinen Schuhputz-Stand vom Karrierenetzwerk Xing (dafür Massage), Journalisten bekamen keine DLD-Taschen mehr (weswegen auch die sonst an dieser Stelle übliche Tascheninspektion ausfällt) und Google verteilte am Ende auch keine Handys oder sonstige Geräte. Wir erinnern uns: Am Ende des DLD 2010 verteilte Google Nexus-One-Handys gratis an alle Teilnehmer, was zu menschlich erschütternden, Stampede-artigen Szenen im DLD-Atrium führte. "Diesmal haben wir keine Handys mitgebracht aber dafür Eric Schmidt", scherzte Google-Sprecher Kay Oberbeck. Vermisst wurden auch die zu Guttenbergs beim Chairmans Dinner am Sonntagabend. Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg und seine Frau waren geladen und wollten eigentlich auch kommen. Mutmaßlich wegen der Gorch-Fock-Affäre sagte der Minister seine Teilnahme aber kurzfristig ab. Seine Frau absolvierte am Montag trotzdem einen souveränen Auftritt zum Thema Kindesmissbrauch online.

Das iPad überall

Ein Dauerbrenner beim Kongress-Talk war mal wieder Apples Wunder-Flunder iPad. Sehr, sehr viele DLD-Teilnehmer hatten den Tablet-Computer dabei und zeigten ihn gerne bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Auch Burda-CEO Kallen ist ein bekennender iPad-Fan. iPad plus stinknormales Handy ist für ihn die Winner-Kombi. Einige nutzten das iPad sogar, um damit zu schreiben. Vereinzelt wurde auch ein GalaxyTab von Samsung gesichtet aber das war wirklich eine absolute Randerscheinung. Meist gehörter Satz zum Thema iPad: "Unglaublich! Fast jeder hat so ein Ding und vergangenes Jahr gab es das noch gar nicht…"

Laptop statt Handtuch

Voll war es in diesem Jahr auf dem DLD. Sehr voll. Sitzplätze bei den Vorträgen und in den Essenspausen waren Mangelware und dementsprechend heiß begehrt. Hauen und Stechen um Stühle und Steckdosen auch im Pressezentrum. Hier zeigte sich, dass im Vorteil war, wer seine Pauschalurlaub-Erfahrung vom Sommerurlaub ausspielen konnte. Früh am Morgen kommen und statt das Handtuch auf die Liege den Laptop auf den Tisch geknallt, dann einfach den ganzen Tag stehen lassen – schon war der Sitzplatz gesichert. Digital-Darwinismus im 21. Jahrhundert.

DLD Mode-Check 2011

Und abschließend noch unsere traditionelle Beurteilung des DLD-Styles. Waren im vergangenen Jahr noch eindeutig die Schlaufen-Schals als Krawatten-Ersatz der Top-Trend, wurde es diesmal schon schwieriger. Die Szene zeigte sich modisch überaus differenziert. Vom eng sitzenden Anzug (Slim Fit) bis zum Schlabber-Karo-Hemd im Mason-Style war erlaubt, was gefällt. Ganz klar: Krawatte ist immer noch out. Dicke Schals um den Hals sind dafür nicht mehr richtig in. 2011 trägt der modebewusste Digital-Afficionado gerne elastisches Schuhwerk aus Velours in bunten Farben zum gedeckten Sakko. Sportschuh-artige Schuhe in schreienden rot-gelb-lila Farbkombis waren allerorten auszumachen. Sogar ein einzelnes Silberschühchen an einem Herrenfuß wurde entdeckt.

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