Mr. OpenLeaks: „Wir sind nur ein Tool“

Auf Burdas Digital-Konferenz DLD (Digital Life Design) hat die frühere Nummer Zwei der Enthüllungsplattform Wikileaks, Daniel Domscheit-Berg, über sein neues Projekt OpenLeaks gesprochen. OpenLeaks soll keine politische Agenda verfolgen, sondern als reines, möglichst neutrales Software-Tool funktionieren. Parallel soll sich eine neue Stiftung um die Themen Transparenz und Whistleblowing kümmern. Eine Testphase von OpenLeaks mit sechs kleineren Kooperationspartnern soll im Laufe des Februars starten.

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Zuerst wolle er aber noch sein Buch "Inside Wikileaks" fertigstellen. In dem Buch will er über seine Zeit bei der mittlerweile weltbekannten Enthüllungs-Plattform und sein Zerwürfnis mit deren Gründer Julian Assange berichten. Es soll nicht so aussehen, als vermische der die beiden Projekte aus PR-Gründen, meinte Domscheit-Berg bescheiden. So ganz dürfte ihm das freilich nicht gelingen, das Wikileaks-Buch und OpenLeaks auseinander zu halten.

Auf der DLD-Bühne präsentierte er sich sympathisch, bescheiden. Es fehlt ihm aber noch das Charisma und die beeindruckende Selbstsicherheit seines früheren Mentors Julian Assange. In einem Interview hatte Domscheit-Berg in Anspielung auf die Ego-Trips von Julian Assange gesagt, dass es bei seinem Projekt keinen "Mr. OpenLeaks" geben werde. Aber das ist auch ein bisschen naiv. Natürlich ist Domscheit -Berg derzeit der Mr. OpenLeaks und wird mit Assange verglichen – ob er will oder nicht.

Wikileaks habe zuviel gleichzeitig sein wollen, sagte Domscheit-Berg. Wikileaks habe festgelegt, über welche Medienunternehmen Informationen wie die Afghanistan- und Irak-Dossiers veröffentlich werden, wann sie veröffentlicht werden und in welchem Umfang. Durch diese Einflussnahmen habe Wikileaks automatisch eine politische Agenda erhalten. "Das wollen wir vermeiden. Wir wollen nur die Technik anbieten, die Quellen schützt. Diese Technik steht dann allen zur Verfügung, die sich dafür interessieren. Wir sind nur ein Tool", so Domscheit-Berg. Der ehemalige Wikileaks-Sprecher fügte aber hinzu, dass OpenLeaks nur mit einigen wenigen Kooperationspartnern direkt zusammenarbeiten werde. Diese Partner sollen ein Interesse an der Information der Öffentlichkeit haben – für Konzern-PR stehe OpenLeaks nicht zur Verfügung. Auch das "offenere" Wikileaks von Daniel Domscheit-Berg ist nicht frei von Widersprüchen.

Gleichwohl soll es eine noch nicht näher definierte Wissens-Datenbank geben, an der sich wiederum jeder bedienen kann. Wer seine ersten Kooperationspartner sind, wollte Domscheit-Berg noch nicht bekannt geben, eine Testphase von OpenLeaks soll im Februar starten. Er habe aber keine Eile, sondern wolle ein "langfristig stabiles Projekt schaffen."

Domscheit-Berg legte Wert darauf, den Begriff Transparenz im Internet differenziert zu verwenden. Die Transparenz die durch Dienste wie Facebook oder Google Streetview geschaffen werde, sei nur eine "Transparenz des Individuums ohne Mehrwert für die Gesellschaft". Ihm gehe es aber darum, die Diskussion um echte, radikale Transparenz ins Herz der Gesellschaft zu bringen. Unmoralisches und Ungesetzliches soll aufgedeckt werden, so seine Wunschvorstellung.

OpenLeaks soll dafür die technischen Werkzeuge bereitstellen, die noch namenlose Stiftung soll drängenden Fragen rund um Transparenz im Netz und Whistleblowing beantworten. Welche Informationen sollen oder müssen geheim bleiben, wie weit darf Transparenz gehen, wie stellt man sicher, dass durch eine Veröffentlichung von Geheiminformationen kein Schaden entsteht? Das sind solche Fragen, auf die auch Daniel Domscheit-Berg auf dem DLD noch nichts Abschließendes zu sagen wusste: "OpenLeaks ist keine ultimative Antwort, sondern nur die nächste Annäherung." Ende Februar sind wir dann vielleicht alle ein bisschen klüger. Oder auch nicht.

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