„Bild-Minister“ zu Guttenberg unter Druck

Der Beginn der medialen Dekonstruktion von Karl-Theodor zu Guttenberg? Nachdem die Bild mit der Abberufung des Gorch-Fock-Kapitäns ihren Einfluss auf den Verteidigungsminister demonstrierte, strafen viele andere Zeitungen den CSU-Überflieger nun mit Liebesentzug ab. Für den Politik-Berater und Blogger Michael Spreng darf sich der Minister "auch nicht wundern, dass jetzt alle über ihn herfallen und auch diejenigen ihn runterzuschreiben versuchen, die ihn vorher hochgeschrieben haben".

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Hintergrund der Spreng-Analyse ist die Geschwindigkeit mit der der Verteidigungsminister Kapitän Norbert Schatz von seinem Posten auf dem Segelschulschiff abberief. "Es kann sein, dass der Kapitän Mitschuld trägt", schreibt der taz-Politik-Redakteur Stefan Reinecke. "Doch was bei dieser Affäre ins Auge springt, ist die Symbiose zwischen Guttenberg und Bild. Die Entscheidung, den Kapitän zu feuern, hat Guttenberg am Freitagabend getroffen. Direkt nachdem das Blatt ihn informiert hatte, dass es die Geschichte noch mal groß herausbringt." Im Gegenzug soll das Boulevardblatt zwei Tage später die Entschlusskraft des Ministers dann "über den grünen Klee" gelobt haben.

Tatsächlich erschien in der Bild am Sonntag ein schwülstiger Pro-Guttenberg-Kommentar. "Das Einhorn gilt als das edelste aller Fabeltiere. Ihm werden seit Jahrhunderten Wunderkräfte zugeschrieben wie die Erweckung von Toten. So gesehen, ist Karl-Theodor zu Guttenberg das Einhorn der deutschen Politik", schreibt Michael Backhaus. "Für kurze Zeit stand in dieser Woche Guttenbergs Ruf als Aufklärer und Erneuerer auf dem Spiel, war doch der unschöne Eindruck entstanden, der Minister wisse nicht oder erfahre zu spät, was in seiner Truppe vor sich geht, heißt es in der BamS. Für einen Augenblick soll der Minister wie ein Getriebener der schlechten Nachrichten gewirkt haben. "Doch dann berappelte sich Guttenberg" und bewies, dass mit ihm nicht zu spaßen sei. "Nun spricht man wieder über das Einhorn und weniger über seine Jäger."

Diese Meinung hat die BamS allerdings recht exklusiv. Sowohl in der SZ als auch in der FAZ wird die Frage diskutiert, ob der Verteidigungsminister nicht vorschnell und im Vorauseilenden Bild-Gehorsam gehandelt hat. Denn für die Frankfurter Allgemeine Zeitung "lässt sich die Abberufung des Kommandanten allenfalls politisch rechtfertigen – denn allzu viel ist nicht bekannt". Für Steffi Dobmeier von der Thüringer Allgemeinen produzierte der Minister eine "überhastete und wenig durchdachte Entscheidung". Sie schreibt, dass wohl so Politik à la zu Guttenberg funktionieren würde: "Ein Anruf der Bild-Zeitung mit dem Hinweis auf eine bevorstehende Berichterstattung und schon feuert der sonst so besonnen wirkende Bundesverteidigungsminister den Kommandanten der ‚Gorch Fock‘."

Seinem Text stellt der eingangs erwähnte Ex-BamS-Chef Michael Spreng ein Zitat des ehemaligen DGB-Vorsitzenden Heinz-Oskar Vetter voran: "Wer sich in Bild begibt, kommt darin um."

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