PR-Aktion: Bild testet „Bekenn-O-Mat“

Was halten Sie eigentlich von Bild? Genau das konnten Leser dem Springer-Blatt bis vor ein paar Tagen am Kölner Flughafen mitteilen. Dort stand ein sogenannter "Bild-Bekenn-O-Mat". Damit weitete der Konzern seine Bild-Kampagne aus, in der Prominente seit rund zwei Jahren ihre Meinung zu Deutschlands größter Boulevard-Zeitung verkünden. Was der Leser eintippte, war umgehend für alle Passanten sichtbar. Der Haken: Gewählt werden konnten nur vorformulierte Attribute, freies Betexten des Screens war tabu.

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Den Kölner "Bild-Bekenn-O-Mat" hat der freie Journalist Daniel Bröckerhoff entdeckt. Wie er berichtet, müssen Nutzer zunächst ihren Namen eingeben und mit der integrierten Kamera ein Foto von sich schießen. Die Bedienung des Geräts hat ihn allerdings enttäuscht. Man kann nicht seine echte Meinung kundtun, sondern nur aus vorformulierten Attributen auswählen. "Bild führt damit eine eigentlich gute Grundidee ad absurdum. Die Bemühung, die Interaktion und freie Meinungsäußerung des Internets in die reale Welt zu holen, wird pervertiert, in dem der Nutzer nur das äußern darf, was den Bild-Machern in den Kram passt", schreibt er.
Diesen Einwand weist Bild auf MEEDIA-Anfrage zurück: "Die Idee unserer Kampagne wurde auf eine neue Werbeform adaptiert. Freunde und Kritiker konnten ihre Meinung äußern und dabei aus einem breiten Spektrum von positiven und auch negativen Attributen wählen", so eine Sprecherin. Ein "freies Texten" sei aus technischen Gründen nicht möglich gewesen. Denn die Aktion lief in Echtzeit und allein schon eine rechtliche Prüfung der Texte wäre so nicht möglich gewesen. Außerdem wollte man es den Reisenden so einfach wie möglich machen. Deshalb gab es ein Eingabefeld aus vier festen Bausteinen. Unter den wählbaren Attributen waren Adjektive wie "gut" oder "hartnäckig", aber auch selbstkritische wie "unsensibel", "langweilig" oder "überflüssig".
                                            Fotos von Daniel Bröckerhoff
Laut der Sprecherin handelte es sich bei der Aktion um ein Pilotprojekt. Der Automat war Bestandteil einer mehrstufigen Kampagne. An den Zufahrtwegen zum Flughafen gab es CLB-Plakate, im Flughafengebäude folgten große Screens mit animierten Motiven, auf denen Promis wie Atze Schröder abgebildet waren, und am Gate folgte der "Bild-Bekenn-O-Mat". Die Kampagne lief bereits am Stuttgarter Flughafen und bis vor kurzem in Köln. Gab man seine Daten in das Gerät ein, so wurde man mit Foto, Namen und seinem Spruch auf dem CLB-Plakat angezeigt. So lange, bis der nächste Reisende seine Eingaben machte. Zudem konnte man die Motive auch an die eigene Email-Adresse senden.
 
"Unser Ziel ist es, dass die Leute sich aktiv und kreativ mit der Marke Bild auseinandersetzen", sagt die Springer-Sprecherin, "wir sammeln keine Daten oder Motive von den Reisenden, sondern können lediglich sehen, wie viele Personen den Automaten nutzen."
 
Das Pilotprojekt setzt Bild gemeinsam mit der Telekom um. Der Telekommunikationskonzern hat den so genannten ICLD-Automaten (Interactive Citylight Display) in seinem neuen Programm "Out Of Home Media" entwickelt. "Das einzigartige und attraktive Konzept aus Fernwirkung, Erlebnis und Nahkommunikation ist nicht nur Blickfang, sondern ermöglicht auch die interaktive und zielgerichtete Kundenansprache. Mit dem ICLD werden die Vorzüge der klassischen, großflächigen Außenwerbung mit den erweiterten, zukunftsweisenden Möglichkeiten digitaler Werbeformate verbunden. Für den Betrachter wird es so möglich, das beworbene Produkt hautnah zu erleben und beispielsweise nach eigenen Wünschen zu konfigurieren", heißt es in einer Beschreibung zum "Out Of Home Media"-Programm.

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